Ein Nachruf auf den Anime-Sommer 2017 - Teil 2

A Centaur's Life/Magical Circle Guru-Guru
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A Centaur's Life/Magical Circle Guru-Guru
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Nach Teil 1 in der letzten Woche wird es Zeit für die zweite Hälfte und einen erneuten Blick auf die vergangene Anime-Saison. Zunächst ein paar nennenswerte Serien, die aufgrund fehlender Verfügbarkeit oder fragwürdiger Prioritäten meinerseits nicht behandelt werden: Made in Abyss war eine der meistgelobten Shows der Saison, nur leider hat sich dafür noch kein deutscher Verleih gefunden. Kakegurui machte einen guten Eindruck, wird bis zum nächsten Jahr aber noch von Netflix als Geisel gehalten. Gamers! habe ich ganz einfach zeitlich nicht geschafft. Sequels und Serien, die in der letzten Season gestartet sind, lasse ich für gewöhnlich aus, aber Re:Creators, KADO: The Right Answer und My Hero Academia haben schon eigene Artikel bekommen, und Sakura Quest wird wahrscheinlich bald einer ähnlichen Behandlung unterzogen.

Und nun zum Hauptprogramm.

Magical Circle Guru-Guru

Ein Reboot von Magical Circle Guru-Guru ausgerechnet heutzutage ist ein kurioses Unterfangen, schließlich stammen der Manga und der erste Anime unverkennbar aus der Zeit klassischer JRPGs auf 8- und 16-Bit-Konsolen. Aber mit und wahrscheinlich selbst ohne Kenntnisse seiner Inspirationen ist Guru-Guru eine der Perlen der letzten Saison, eine liebevolle Parodie mit einem unglaublich charmanten Cast und hervorragendem Timing seiner Gags.

Magical Circle Guru-Guru auf Crunchyroll

A Centaur's Life

A Centaur's Life wäre ohne die besonderen Umstände seiner Hauptfiguren völlig belangloser Slice of Life, aber wie viele Dinge in Anime werden die sonst langweiligen Situationen durch die Existenz von Monster Girls merklich verbessert. Das ist aber auch die einzige konkrete Aussage, die sich zu A Centaur's Life machen lässt, denn abgesehen vom Monster-Girl-Genre lässt sich nicht sagen, was die Serie eigentlich genau will.

In unregelmäßigen Abständen geht der Fokus in A Centaur's Life von seinem zentralen Trio vollständig auf andere Charaktere über, seien es Nebenfiguren oder Charaktere, die nur in ihrer eigenen Geschichte vorkommen. Ihre Kapitel reichen von unbeschwerten Alltagssituationen bis hin zur serieneigenen Version afrikanischer Warlords und des Holocausts und dienen der Ausweitung der Welt, wirken aber immer sehr willkürlich platziert und führen zu massiven Umschwüngen im Ton. So bleibt die Serie immerhin überraschend, aber sie von Anfang an als Anthologie mit gleichen Anteilen für die Castmitglieder auszurichten, hätte vielleicht besser funktioniert, wie die nächste Serie zeigt.

A Centaur's Life auf Crunchyroll

Tsuredure Children

Hier zeigt sich, wie Slice of Life mit einem rein menschlichen Cast immer noch funktioniert. Tsuredure Children ist eine Aneinanderreihung kurzweiliger Liebesgeschichten, in denen ein vielseitiger Cast aus Teenagern ihre ersten Beziehungen anfangen. Die variierenden Situationen sorgen dafür, dass jede Story einzigartig ist, und das Ergebnis ist bezaubernd.

Bei der Masse an Figuren wären ein oder zwei gleichgeschlechtliche Paare ganz willkommen gewesen, davon abgesehen ist Tsuredure Children eine Romantische Komödie mit sehr starkem Humor, die in ihrer kurzen Laufzeit jeder der Figuren die angemessene Aufmerksamkeit schenkt und ihre kurzen, unterhaltsamen Geschichten wunderbar inszeniert.

Tsuredure Children auf Crunchyroll

Welcome to the Ballroom

Welcome to the Ballroom war meine meisterwartete Serie der Season, nachdem Yuri! On Ice im letzten Jahr bereits gezeigt hat, wie umwerfend gut animierte Tanzszenen wirken können. Dementsprechend waren meine technischen Erwartungen an Ballroom besonders hoch, und es waren ausgerechnet diese Erwartungen, denen die Serie nicht gerecht wurde.

Ich war von Anfang an kein Fan des Stils, durch den die Gliedmaßen der Charaktere immer etwas zu lang und unförmig wirkten. Im Großteil der Serie fällt dies nicht zu sehr auf, landen wir aber erstmal auf der Tanzfläche, wirken die Körper deformiert und die Gesichter beinahe fratzenartig. Noch enttäuschender ist aber die Inszenierung der Tanzszenen, die nur sehr begrenzt animiert wurden und eher als Aneinanderreihung von Standbildern gestaltet sind. Die eine Sache, die bei Welcome to the Ballroom hätte funktionieren sollen, wurde somit leider völlig verpatzt.

Welcome to the Ballroom auf Amazon Prime

The Reflection

In der Zeit einheitlich aussehender Film- und Serienuniversen ist es ungewöhnlich, dass mit My Hero Academia und The Reflection ausgerechnet zwei Superheldenserien mit innovativen Stilen aufwarten. Der klassische Comic-Look von The Reflection in Verbindung mit der ungewöhnlichen Farbpalette lässt auch teilweise darüber hinwegsehen, dass die Geschichte selbst nur wenig Originalität bietet. Gute Menschen mit Superkräften gegen böse Menschen mit Superkräften antreten zu lassen ist eine absolute Standard-Storyline, lässt dafür aber eine Menge Gelegenheiten für kreative Kampfszenen, die das Arsenal an Fähigkeiten gut ausnutzen.

Dass The Reflection überhaupt existiert und sogar eine Ikone wie Stan Lee an der Produktion beteiligt war, ist eigentlich interessanter als die Serie selbst, als kurzweilige Zwischenstufe zwischen Action-Cartoon und Anime eignet sie sich aber allemal.

The Reflection auf Crunchyroll

Fazit

Ich werde bei Gelegenheit noch einige meiner verpassten Animes nachholen, aber selbst zusammen mit den potenziell guten Serien war die Sommer-Saison insgesamt schwächer, als ich es gewohnt bin. Mit Princess Principal, Guru-Guru und 18if gab es etwa zweieinhalb richtig gute Serien, der Rest bewegte sich eher im Mittelmaß und fiel weder besonders positiv oder negativ auf. Zumindest visuell gab es erstaunlich viel Abwechslung und die paar Highlights der letzten Zeit bleiben in guter Erinnerung, aber die kommenden drei Monate hinterlassen schon dank der vor Kurzem veröffentlichten Pilotfolgen einen insgesamt stärkeren Ersteindruck.

Was waren eure Anime-Highlights der letzten Saison?

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