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Ein Nachruf auf den Anime-Sommer 2017 - Teil 1

Princess Principal/18if
© Bandai Visual/mobcast/18if project
Princess Principal/18if
02.10.2017 - 10:45 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Nach dem Ende der letzten Anime-Saison wird es wieder einmal Zeit, zurückzublicken und eine Auswahl der neuen Serien wie Princess Principal und NTR - Netsuzou Trap näher zu betrachten.

Die letzte Anime-Saison war leider sehr dürftig. In der Masse an neuen Serien gab es nur wenige Highlights, gefühlt weitaus weniger als sonst, und die besten waren für gewöhnlich Fortsetzungen aus der vorhergehenden Saison. Womit ich das Programm der letzten drei Monate nicht völlig schlechtreden will, denn ein paar nennenswerte Animes gab es schon. Daher gibt es hier, wie schon im letzten Jahr, die zehn Serien, die ich bis zum (manchmal bitteren) Ende oder zumindest kurz davor mitverfolgt habe, mit einer kurzen Einschätzung. Kurze Plot-Synopsen zu den Serien finden sich auf den verlinkten Datenbank-Einträgen.

Princess Principal

Princess Principal

Ich hatte die letzte Season schon abgeschrieben, als ich endlich mit Princess Principal anfing. Die Serie war bitter nötig und hat selbst nach den sehr positiven Ersteindrücken, die ich an anderen Stellen gehört habe, meine Erwartungen weit übertroffen. Als eine Mischung aus Steampunk, Science-Fiction und Spionage-Thriller ist Princess Principal hervorragend strukturiert, nutzt selbst vermeintliche Filler-Episoden, um seine Charaktere auszubauen, und wartet mit einigen äußerst kreativen Actionszenen auf, die sämtliche Stärken ihres Casts nutzen.

Princess Principal

Nur der Zeichenstil passt für mich nicht besonders gut zum Schauplatz. Im Kontrast zu den dunklen Steampunk-Gassen des alternativen Londons wirken die Hauptfiguren etwas zu süß und moeesk. Allerdings könnte das auch ihrem Alter geschuldet sein, und ihr Doppelleben zwischen Schülerinnen im Teenager-Alter und Regierungsspionen macht einen wesentlichen Teil des Charmes aus. Es ist nur eine kleine Kritik an einer der Serien, die mir eigentlich die Saison gerettet haben.

Princess Principal auf Anime on Demand 

NTR - Netsuzou Trap

NTR - Netsuzou Trap

Im Gegensatz zu den Untertönen aus Princess Principal hat sich NTR - Netsuzou Trap das Yuri-Genre mit Stolz auf die Fahnen geschrieben. Dabei ist de Serie aber wesentlich schmieriger als andere Vertreter des Genres, nicht zuletzt zu erkennen an der bewusst gewählten Abkürzung, die sonst für eine berüchtigtes Pornographie-Kategorie  benutzt wird (der Link kommt mit einer Content-Warnung und einer Empfehlung des Anschauens an nicht-öffentlichen Plätzen).

NTR - Netsuzou Trap

Soweit wie sein Namensvetter geht NTR glücklicherweise nicht und ist eher ein zahmes, unterhaltsames und kurzweiliges Erotik-Drama. Ein wenig Abwechslung von der Struktur aus Slice of Life, Übergriffigkeit, Gaslighting und gelegentlicher körperlicher Misshandlung hätte aber schon sein können. NTR scheint wenigstens zu versuchen, seine schwierigeren Themen in einem angemessenen und kritischen Kontext darzustellen, wirkt dann aber doch stärker am Fanservice interessiert. Und der war trotz der fraglichen Consent-Situation nicht mal der unangenehmste Fanservice der letzten Zeit.

NTR - Netsuzou Trap auf Anime on Demand

 

Angel's 3Piece!

Angel's 3Piece!

Angel's 3Piece! war eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Die Serie begann recht harmlos mit einem musikalisch wenn auch nicht schulisch begabten Jungen, der von einer Mädchenband im Grundschulalter zu ihrem Mentor ernannt wird. Sie wirkte wie eine charmante und unterhaltsame Musik-Serie, bis ich am Ende der 1. Folge auf die unsanfteste Art erinnert wurde, dass manche Anime-Klischees immer noch mehr Wahrheit in sich tragen, als mir lieb wäre.

Angel's 3Piece!

Es war eine dieser Serien, die kleine Mädchen nicht kleine Mädchen sein lassen kann und sie stattdessen von einer anzüglichen Situation in die nächste steckt. Gelegentlich sind diese Gags tatsächlich recht witzig, die meisten von ihnen waren aber eine sehr unangenehme Erfahrung. Die Band-Darbietungen waren ziemlich gut, alles dazwischen leider kaum. Es besteht ein ähnliches Problem wie bei K-On! damals, aber statt mich zu langweilen, zucke ich nun jedes Mal zusammen, wenn ein Streifenwagen an meiner Wohnung vorbeifährt.

Angels 3Piece! auf Crunchyroll 

18if

18if

Wo 3Piece! sich zwischen einer charmanten Musik-Serie und verwerflichem Fanservice bewegt, schwankt 18if dafür qualitativ von einem Ende zum anderen. Die Vorlage, ein Puzzlespiel für Smartphones, ist vielleicht nicht an der Geschichte selbst zu erkennen, erklärt dafür aber, warum die einzelnen Episoden so voneinander abgeschottet wirken. Das kommt der Serie auch zugute, denn keine Folge gleicht hier der anderen, weder in Machart noch in Qualität.

Die erste Folge ließ schon einige Probleme erkennen. Traumwelten als Schauplatz zu wählen bietet immer eine Menge interessanter visueller Möglichkeiten, aber leider wurde das fertige Produkt den offensichtlich hohen Ambitionen nicht gerecht. Ähnliches gilt für einen Großteil der Serie, da war es umso verwunderlicher, dass manche Folgen zu meinen Highlights der letzten drei Monate gehören.

18if

Schon die 2. Episode, ein atmosphärisches Horror-Szenario, ließ wesentliche Verbesserungen erkennen. Auch die 3. war hervorragend, und Folge 7 war eine fantastische, surreale Erfahrung in einem völlig neuen Stil. Andere Episoden hatten immerhin gute Ansätze, auch wenn sie nicht ihr volles Potenzial nutzten. So lohnte sich die Serie allein wegen dieser einzelnen Höhepunkte, die eigentlich sogar als eigenständige Kurzfilme funktionieren. Die Serie als Ganzes hat wesentliche Schwächen, aber an hochgesteckten Zielen zu scheitern ist mir noch immer lieber als eine Serie, die sich mit völliger Mittelmäßigkeit zufriedengibt. Womit wir bei der nächsten Serie angekommen wären.

18if auf Crunchyroll  (Anmerkung: Leider wurde 18if noch nicht in Deutschland lizensiert)

In Another World With My Smartphone

In Another World With My Smartphone

Es gibt nichts Schlimmeres als eine 5/10. Es ist die Bewertung für ein Werk, das nicht in der Lage ist, positive oder negative Reaktionen hervorzurufen. Der absolute Durchschnitt. In Another World With My Smartphone ist die ultimative 5/10. Eine nette Prämisse erstickt in Genre-Klischees, ein Plot ohne die geringste Andeutung von Konflikt, ein Cast, der sich nie von seinen Archetypen wegbewegt.

In Another World With My Smartphone ist ein zwölf Folgen andauerndes Schulterzucken, eine Parade an Belanglosigkeit. Sie existiert, und viel mehr lässt sich dazu auch nicht sagen.

In Another World With My Smartphone auf Crunchyroll 

Damit wären wir am Ende des ersten Teils meines Anime-Saison-Rückblicks angekommen. Die Fortsetzung folgt nächste Woche um die gleiche Zeit.

Was waren eure Anime-Highlights der letzten Saison?

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