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Edgar Wallace entfesselt den Frosch mit der Maske

11.09.2014 - 17:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Der Frosch mit der Maske (links)
© Tobis Film/Universum
Der Frosch mit der Maske (links)
Edgar-Wallace-Verfilmungen gab es schon vorher, aber erst mit Der Frosch mit der Maske wurde der deutschsprachige Wallace-Krimi geboren, wie wir ihn kennen und lieben. Alle Neulinge im Nebel der Themse sind herzlich eingeladen.

Harald ReinlDer Frosch mit der Maske mag nicht der beste Edgar-Wallace-Film sein (darüber streiten die Gelehrten noch immer), ohne ihn wäre die deutsche Filmlandschaft womöglich um einen ihrer bedeutendsten Genre-Beiträge beraubt. Denn die Edgar-Wallace-Reihe ist mehr als das, worauf sie gern reduziert wird: eine trashige Kostümrevue mit schnieker Mucke.

Der Frosch mit der Maske war natürlich nicht die erste deutschsprachige Edgar-Wallace-Verfilmung, doch dank der 3,2 Millionen Kinozuschauer prägten Reinls Film und seine vielen Nachfolger das, was wir heute als Edgar-Wallace-Film kennen: Verdächtig nach deutschen Schauspielern aussehende, abgebrühte englische Kommissare schleichen durch düstere Tavernen und Landsitze, um karnevalesk veranlagten Schurken das Handwerk zu legen. Dazwischen hopst ein Eddi Arent herum, als Polizeifotograf oder wie hier als Butler, um verlässlich fürs Schmunzeln zwischen Mord und Totschlag zu sorgen.

Im Falle von Der Frosch mit der Maske ist der Titel Programm: Scotland Yard ist ratlos: Eine Bande, die sich selbst “die Frösche” nennt, bringt Unruhe in die englische Hauptstadt. Doch die Beamten bekommen Hilfe durch den Millionär Richard Gordon (Joachim Fuchsberger), der auf eigene Gefahr nach den Verbrechern suchen will. Dies ist allerdings wirklich gefährlich, denn nachdem Richard eine Bar gefunden hat, in der "die Frösche” und ihr Anführer angeblich verkehren, wird er entführt.

Nicht nur wegen der teils ausgezeichneten Schwarz-Weiß-Fotografie lohnt sich abseits des wie auch immer gearteten "Trash-Faktors" ein Blick auf die Edgar-Wallace-Filme. Tatsächlich handelt es sich hier wie auch bei den Winnetou-Abenteuern und der späteren Erotikfilmwelle um die letzte Blüte des nicht-komödiantischen deutschen Genrefilms, der sich in den 1970er Jahren ins Fernsehen verzog. Die in London angesiedelten Kriminalreißer zeugten von einem filmischen Fernweh nach Abklingen der Heimatnabelschau der 1950er Jahre. Sie kamen allerdings, anders als so mancher jüngerer Film, nicht als gezwungene Adaption eines "Hollywood-Stils" daher, sondern formten aus Noir-Optik und angelsächsischen Krimi-Elementen einen spezifisch deutschen Mainstreamfilm zwischen Wirtschaftswunder und 68er Generation, der unter anderem den Giallo aus Italien beeinflusste. Die deutsch-dänische Koproduktion Der Frosch mit der Maske gab 1959 den Startschuss.

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