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Charismatische Ermittler

Die Brücke - Politisch engagierte Mörder gesucht

27.06.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Die Brücke - Transit in den Tod
© SVT1 / DR1
Die Brücke - Transit in den Tod
Seit kurzer Zeit ist die 2. Staffel von Die Brücke – Transit in den Tod auf DVD/Blu-ray verfügbar. Grund für uns, der skandinavischen Serie ein Herz für Serie zu schenken.

Nirgendwo sind die weiblichen Kommissare so taff wie im Hohen Norden. Sie heißen Kommissarin Lund (Sofie Gråbøl), Katrine Ries Jensen (Laura Bach) und Saga Norén (Sofia Helin). Letztere ermittelt in der Serie Die Brücke – Transit in den Tod und seit kurzem ist die 2. Staffel auf DVD/Blu-ray erhältlich. Mit der Krimi-Serie wird die Tradition des skandinavischen TV-Krimis fortgeführt, die nicht vor blutigen Serienmorden, politischen Verwicklungen und deren Auswirkungen auf die Gemeinschaft zurückschrecken. Auch in der 2. Staffel von Die Brücke kann der Zuschauer das komplexe Geflecht von Individuum und Gesellschaft beobachten.

Die blonde Saga Norén ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. Sie ist eine brillante schwedische Ermittlerin, leidet aber unter dem Asperger-Syndrom. Konkret heißt dies, dass die Kommissarin leicht autistisch ist und Schwierigkeiten mit der sozialen Interaktion hat. Emotionale Reaktionen kann sie nicht verstehen, Ironie ist ihr fremd und rationale Logik beherrscht ihren Alltag. Schon in der ersten Staffel führte dies zu interessanten und teilweise komischen Szenen, denn ihr ermittelnder Partner ist der Däne Martin Rohde (Kim Bodnia), das absolute Gegenteil von ihr. Er verfügt über viele Emotionen, ist leutselig und sozial kompetent. Gebrochen sind sie aber in gewisser Weise beide, denn Martin muss den Tod seines Sohnes verkraften, der zum Opfer des Serienmörders aus der 1. Staffel wurde. Das internationale Ermittler-Paar ergänzt sich nicht nur in seiner Arbeit perfekt, auch das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller ist hervorragend. Mit Saga Norén und Martin Rohde hat Europa charismatische Ermittler, mit denen der Zuschauer mitfiebern kann.

In der 1. Staffel von Die Brücke verfolgte ein Millionen-Publikum, wie beide einem Serienmörder auf die Spur kamen, der gesellschaftliche Missstände benutzt, um sich persönlich zu rächen. In Staffel 2 erwartet den Zuschauer eine ähnlich starke Geschichte. Hier sind es Öko-Terroristen, die die Gesellschaft verändern wollen. Allerdings sind ihre Methoden mehr als fragwürdig. Mit ihren Aktionen töten sie Menschen, zufällig ausgewählt und brutal ausgedacht. Ihnen ist der Regenwald wichtiger als der Nachbar nebenan. So infizieren sie Jugendliche mit der Lungenpest, verteilen giftiges Obst in Büros und sprengen Tanklaster in die Luft. Saga Norén und Martin Rohde ermitteln und sind ihnen bald auf den Fersen.

Aber es gibt – wie fast immer in skandinavischen Serien – mehr als nur einen Handlungsstrang, der erzählt wird. Wichtige Rollen spielen auch ein 13-jähriger Schüler, der gemobbt wird, eine junge Studentin, die Luxus will, und natürlich das Privatleben der beiden Ermittler. Dieses nimmt in der 2. Staffel einen großen Raum ein. So versucht Martin, sein Trauma um den Tod seines Sohnes zu verarbeiten, indem er den Mörder im Gefängnis besucht und Saga will sich in eine Beziehung mit einem Mann einbringen. Immer wieder schweift die Kriminal-Handlung also ab in die privaten Gefilde, nimmt sich Zeit für die Protagonisten, macht mal eine Pause, bleibt dabei aber trotzdem spannend, dramatisch und in den Wendungen immer überraschend.

Es sind gerade die verschiedenen Handlungsstränge, die die Motivation der Täter tiefer beleuchten. Die sind dann gar nicht so schwer zu finden, aber es sei gesagt: Das Richtige ist nicht immer das Offensichtliche. Hinter den Öko-Terroristen versteckt sich deutlich mehr. In Die Brücke herrschen nicht nur stilistisch die Grautöne vor, ein schwarz-weißes Abarbeiten von Gut und Böse nach Schema F gibt es nicht. Die Motivation der Täter ist verständlich, besonders da es sich um politische Einstellungen handelt, die in so manchem öffentlichen Parteiprogramm stehen. Und trotzdem werden die brutalen Taten nicht mit einem romantischen Touch oder glorifizierendem Heiligenschein versehen. Die 2. Staffel von Die Brücke bietet wieder unbequeme Sozialkritik mit einer spannenden Handlung und hervorragenden Darstellern.

Was haltet ihr von skandinavischen Serien?

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