Dexter: New Blood ist eine der besten Serien-Fortsetzungen überhaupt – auch wegen dem umstrittenen Ende

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Dexters: New Blood
26.01.2022 - 08:40 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Dexter: New Blood hat der Serie Dexter bei Sky ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Die neue Miniserie ist brillant – woran auch das kontroverse Finale nichts ändert.

Die neue Dexter-Serie Dexter: New Blood ist in Deutschland bei Sky * ans Ende ihrer 10 Episoden gelangt. Das erste Finale nach Staffel 8 zählt zu den verhasstesten Serien-Abschlüssen überhaupt. Im zweiten Anlauf wurden nun erneut viele Zuschauende schockiert und ein wütender Fan-Mob mit dem neuen Dexter-Ende heraufbeschworen. Warum New Blood trotzdem die beste Serien-Neubelebung ist, die ich je gesehen habe, will ich erklären. Und zwar, indem ich ...

  • ... die Stärke der neuen Serie Dexter: New Blood als schlaues Sequel erläutere.
  • ... erkläre, wie das Verhältnis zur alten Dexter-Serie geschickt genutzt wird.
  • ... zeige, warum das Finale trotz heftiger Reaktionen sehr stimmig ist.
Achtung, es folgen massive Spoiler zu Dexter: New Blood!

Dexter: New Blood versteht, was ein Serien-Revival braucht – und was nicht

Was sich im Kino in zahllosen Remake und Sequels widerspiegelt, schlug sich bei Serien in den letzten Jahre in einer Revival-Welle nieder. Doch kaum einer der zurückgeholten Serien-Lieblinge konnte dabei meine Erwartungen auch nur im Mindesten erfüllen. Das Prison Break-Wiedersehen versandete in der Langeweile eines Déjà-vus, die neue Akte X konnte die Faszination früherer Alien-Verschwörungen nicht zurückbringen und die Wiederbelebungen von The Twilight Zone und Unglaubliche Geschichten waren als uninspirierte Fingerübungen ärgerliche Zeitverschwendung.

Dexter: New Blood - S09 Trailer (English)
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Trotzdem: Obwohl ich mir häufig genug die Finger an meiner enttäuschten Vorfreude verbrannt hatte, konnte ich die Dexter-Rückkehr mit der Serie New Blood kaum erwarten – und meine Hoffnungen wurden sogar noch überflügelt.

Das Spannungslevel, mit dem ich in den letzten Wochen auf jede neue Dexter-Folge hinfieberte, lässt sich abseits von Game of Thrones kaum mit etwas vergleichen. Denn ja, Dexter: New Blood packte mich von Anfang an und ist das beste Beispiel einer absolut gelungenen Serien-Fortsetzung.

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Schon gleich zu Beginn kristallisierten sich viele Gründe heraus, warum New Blood Dexter-Fans glücklich machen und trotzdem mutig seinen eigenen Weg gehen würde. Die Gefahr der Serien-Rückkehr lag dabei im "richtigen Maß": also darin, dass das Revival entweder zu ähnlich oder zu anders daherkommen würde. Doch Dexter ging hier den perfekten Mittelweg aus Anknüpfung und Neuheit.

Was Dexter: New Blood so außergewöhnlich und eindrücklich macht

Wir treffen Dexter Morgan zehn Jahre nach seinem vorgetäuschten Tod unter dem Alias Jim Lindsay wieder, der in der verschneiten Kleinstadt Iron Lake im Bundesstaat New York in einem Fischerei-und-Jagd-Geschäft arbeitet. Weiter weg vom sonnigen Miami aus der Originalserie könnten wir kaum sein. Trotzdem schlägt der untergetauchte Bay-Harbor-Metzger mit seiner vorgetäuschten Freundlichkeit und seinem sarkastischen Off-Kommentar spielend leicht den Bogen zu seinem früheren Selbst.

Viel verdanken die Serie und die Figur Dexter dabei natürlich dem großartigen Michael C. Hall, der nach der langen Pause nahtlos in den einmaligen Serien-Charakter von damals zurückgleitet. Wie es sich für einen Killer mit Plastikfolie und Klingen-Set gehört, balanciert seine nuancierte Performance auf Messers Schneide zwischen Anteilnahme und Abstoßung. Letztere spürte ich neuerdings auch bei Dexters grafischem Leichen-Zersägen.

Dexter mit Harrison in New Blood

Ein Gänsehaut-Moment ist zum Beispiel der, als Dexter entdeckt, dass sein jugendlicher Sohn wohl ebenfalls den Mord-Trieb seines "Dunklen Begleiters" in sich trägt. Wie Michael C. Hall es schafft, die gleichzeitige Furcht und Freude darüber in einem einzigen Zucken seines Mundwinkels zu transportieren, ist schlicht atemberaubend.

Dexter, Harrison und das Herz von New Blood

Dass sein Sohn Harrison (eine echte Entdeckung: Neuling Jack Alcott) Dexter ausfindig macht und versucht, eine Verbindung zu dem Mann herzustellen, der ihn einst verlassen hat, wird zum erstklassigen emotionalen Dreh- und Angelpunkt der Serie. Auch wenn die erste Leiche nicht lange auf sich warten lässt, gibt es statt eines "Mords der Woche" jetzt einen "Vater-Sohn-Moment der Woche".

Die Spannung der Krimi-Handlung mag in Dexter: New Blood durch den neuen eisigen Bösewicht und Serienmörder Kurt Caldwell (Clancy Brown) sowie durch Dexters drohende Entdeckung durch Podcasterin Molly Park (Jamie Chung) effektiv aufrecht erhalten werden. Doch obwohl Dexter eine Serie über einen scheinbar gefühllosen Serienkiller ist, hatte sie über den mordenden Vigilanten hinaus stets auch ein schlagendes Herz. Das tritt in New Blood für mich deutlicher zutage als je zuvor.

Dexter: New Blood bringt Debra zurück

Dieses Herz kehrt nicht zuletzt mit Dexters toter Schwester Debra (Jennifer Carpenter) zurück. Statt Papa Harry steht nun sie ihrem Bruder zur Seite. Deb ist eine passende Umdeutung von Dexters verkörpertem Gewissen. Wenn sie sein Innenleben ausagiert, kippt sie jedoch auch ins Bedrohliche. Und das führt uns (ohne dass wir es zu diesem Zeitpunkt ahnen) zum unvermeidlichen Finale.

Das zweite Dexter-Finale: Der Brückenschlag nach Dexters 8. Staffel gelingt

Nach der Ausstrahlung der 10. Folge New Blood sorgte das neue Dexter-Finale für wutentbrannte Fans. Denn Serien-Hauptfigur Dexter Morgan stirbt, was vielen bitter aufstieß. Kritisiert wurde darüber hinaus vor allem, dass die unerfahrene Kleinstadt-Polizistin Angela den Serienkiller enttarnen konnte, dass Dexter entgegen seiner bisherigen Charakterzeichnung handeln würde und dass er sich von seinem Sohn töten lässt. Doch obwohl die Inszenierung auf den letzten Metern ein wenig holprig daherkommt, ist das neue Finale deutlich besser als jenes von Staffel 8. Und das will ich erklären.

Was mir am letzten in den Sand gesetzten Dexter-Serien-Finale vor acht Jahren am meisten missfiel, war der sinnlose Tod von Dexters Schwester Debra. Ihr Sterben wurde lediglich zum Vehikel, um die mörderische Laufbahn des Serienkillers mit einem Gnadentod zu beenden. Das diente seiner Entwicklung, aber trat Debs Geschichte mit Füßen. Dexter am Schluss als Holzfäller im Wald zu zeigen, setzte dem Unhappy End nur noch das ranzige Sahnehäubchen auf. Es war als Abschluss nichts Halbes und nichts Ganzes.

Dexter: Das Staffel 8-Ende als Holzfäller

Dexter: New Blood geht mit Dexters Tod hingegen in die Vollen. Wollte ich Dexter sterben sehen? Keinesfalls. Aber als unvermeidlicher Ausgang einer Serienkiller-Karriere ist es nach dem ersten bitteren Schock trotzdem befriedigend.

In Folge 10 geht es plötzlich ganz schnell: Sheriff Angela (Julia Jones) kommt ihrem Freund allein durch die Spritzen-Einstiche am Hals seiner Opfer und das verwendete Narkose-Mittel auf die Schliche. Das mag als erzählerischer Kniff, der die Handlung beschleunigt, gefallen oder nicht. (Zugegeben: Ein, zwei Folgen mehr, um mit der gleichen Sorgfalt wie in den Episoden davor der heranrollenden Katastrophe zuzusehen, hätte hier nicht geschadet.) Doch früher oder später hätte das wackelige Kartenhaus von Dexters blutigem Geheimnis zusammenbrechen müssen.

Und nach seiner Enttarnung als Serienkiller wäre Dexters Hinrichtung in Florida der einzig mögliche Schluss gewesen (und das alternative Dexter-Ende, was Showrunner Clyde Phillips sich immer ausgemalt hatte). Statt das zu zeigen, wählt die Serie jedoch die schnellere Alternative: Harrison tötet seinen Vater auf dessen eigenen Wunsch hin, statt ihn auszuliefern. Damit erlangt der Jüngere trotz Mord einen Teil seiner Menschlichkeit und eine zweite Chance zur Normalität zurück. Dexter wiederum beendet effektvoll seine eigene langjährige Entwicklung.

Dexters neues Ende schließt einen Kreis, der vor 15 Jahren begann

Denn sogar, dass Dexter bei seiner versuchten Flucht zunehmend weniger wie der alte Dexter handelt und gegen seinen Code verstößt, ergibt Sinn. Er hat sich verändert und sein kühl-kalkulierendes Gleichgewicht als Meister-Manipulator verloren. Wir müssen Dexters Entwicklung über 8 Staffeln plus Miniserie als umgekehrtes Breaking Bad begreifen. Denn hier bringt der Umstand, dass der mordende Soziopath zunehmend Zugang zu seinen Gefühlen findet, ihn zu Fall. Erst kurz vor seinem Ende liebt er jemanden wirklich: Harrison.

Dexter: New Blood - der letzte Mord-Zyklus beginnt mit Matt Caldwell

Folgerichtig begreift sich unser egoistischer "Held" Dexter im Finale erstmals als Bösewicht. Mit Sergeant Logan (Alano Miller) hat er entgegen seines Codes einen Unschuldigen ermordet und blickt durch Harrisons Augen auf diese Tat – und auf sich. Schon als Dexter in der vorletzten Folge Kurts Leiche zersägt, zeigt das herz- und knochen-zerreißende Vater-Sohn-Verhältnis Risse, weil nur einer den Moment genießt. Dexter wollte sich in Harrison wiedererkennen, übersah dabei aber seinen Sohn.

Indem er zuletzt aber sich als falsch und seinen Sohn als etwas Besseres anerkennt, vollendet Dexter seine Wandlung. Statt wie im Staffel 8-Finale Debras Tod als reine Projektionsfläche zu nutzen und als unmoralischer Killer zu entkommen, opfert Dexter sich in einem Akt ersten echten Heldentums: Und zwar einerseits für seinen mit Eigeninitiative handelnden Sohn, der gar nicht wie sein Vater sein will. Und andererseits der Allgemeinheit, indem er sich als Killer aus der Welt schaffen lässt. Erst im Tod zeigt Dexter Empathie.

Dexter und Harrison am Ende von New Blood

Hier werde ich Zeuge, wie Dexter sich über andere Serien-Fortsetzungen erhebt. Denn Dexter: New Blood ist keine langweile Revival-Kopie der vorigen Staffeln, sondern führt die Erzählung der Originalserie konsequent und mutig zu Ende. Auch auf die Gefahr hin, die Fans erneut vor den Kopf zu stoßen.

Dass Dexters Menschlichkeit und sein Serienkiller-Tod in diesem Moment kollidieren, könnte kaum tragischer sein. Es gibt Dexters zweitem Ende aber die entscheidende Wucht. Auch wenn uns das endgültig einer der besten Serienfiguren überhaupt beraubt und wir alles Recht der Welt haben, Dexter noch eine Weile hinterherzutrauern.

Dexter New Blood: Der Podcast zur neuen Serie und dem zweiten Finale

Viele alte Serien kehren gerade mit Revivals nach langer Abwesenheit zurück. Dexter tat das bei Sky mit Dexter: New Blood und wir diskutieren im Streamgestöber, ob das Wiedersehen mit Michael C. Halls Serienkiller gelungen ist oder nicht.

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Nachdem schon das Staffel 8-Finale von Dexter als eines der schlimmsten Serienenden in die Geschichte einging, wurde auch das neue Finale von Dexter: New Blood wieder sehr kontrovers aufgenommen. Doch ist die teils harsche Kritik wirklich berechtigt?

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Wie steht ihr nur neuen Serie Dexter: New Blood? Habt ihr das neue Ende schon verarbeitet?

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