Der junge Wallander: Für wen wurde diese Netflix-Serie gemacht!?

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Der junge Wallander
13.09.2020 - 08:30 UhrVor 7 Monaten aktualisiert
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In Der junge Wallander sehen wir die frühen Jahre einer Krimilegende. Doch müsst ihr für die Netflix-Serie die Romane von Henning Mankell kennen? Und könnte das der Serie nicht sogar schaden?

Der von Alkohol, Lebenskrisen und der Ungerechtigkeit der Welt geplagte Kurt Wallander gehört zu den beliebtesten Krimihelden der letzten Jahrzehnte. 12 Romane, eine Filmreihe und zwei TV-Serien wurden dem rauen Inspektor aus Ystad gewidmet. Mit Der junge Wallander beginnt die Schöpfung von Henning Mankell nun ihre Netflix-Karriere.

Nur fehlt in der sechs Episoden langen 1. Staffel jede Spur von Ystad und überhaupt den charakterlichen Markenzeichen, die wir mit Kurt Wallander assoziieren. Wie viel Vorwissen solltet ihr für die Serie mitbringen? Am besten gar keines. Je weniger ihr über Wallander wisst, desto besser ist Der junge Wallander.

Erst der junge Papst, jetzt Der junge Wallander

An den ersten Planungen einer Wallander-Prequel-Serie war Henning Mankell sogar selbst beteiligt. Nach dem Tod des schwedischen Autors 2015 strichen die Produzenten das Projekt. Vor wenigen Tagen erblickte die Vorgeschichte nun doch noch das Licht der Welt.

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Dieser Wallander allerdings ist ein Rookie in der schwedischen Polizei. Er wohnt in der Großstadt Malmö, nicht im kleinen Ystad. Noch wichtiger: Er steckt voller Idealismus.

Die britisch-schwedische Koproduktion erzählt nämlich, wie aus dem naiven jungen Cop ein vom Leben gezeichneter Inspektor mit romantauglichen privaten Problemen wurde. Neben seinen Wallander-Vorgängern Rolf Lassgård, Krister Henriksson und Kenneth Branagh sieht Adam Pålsson denn auch aus, wie aus dem psychologischen Ei gepellt.

Müsst ihr die bisherigen Wallander-Serien und -Filme gesehen haben?

Anders als vielleicht zu erwarten wäre, verlegt die Serie diese Vorgeschichte in die Gegenwart. Wir sehen also nicht das Malmö der 1970er, weshalb Der junge Wallander kein Prequel der bisherigen Serien und Filme darstellt. Diese müsst ihr also nicht kennen.

Nachdem die Wallander-Reihe mit Tenet-Schurke Kenneth Branagh auch im englischsprachigen Raum erfolgreich war, entstand mit Der junge Wallander eine Koproduktion. Adam Pålsson ist der einzige Schwede im größtenteils britischen Hauptcast. Gesprochen wird Englisch. Malmö wurde in Litauen nachgedreht.

Der junge Wallander: Wie nah ist die Serie an Henning Mankells Story?

Henning Mankell hat aus den jungen Jahren seines Helden berichtet. So spielen alle Geschichten in Wallanders erster Fall und andere Erzählungen * vor dem 8. Januar 1990, also dem Beginn der Wallander-Romane.

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In Wallanders erster Fall treffen wir den jungen Kurt, der anno 1969 in Malmö einen Wechsel in die Kriminalpolizei anstrebt. Diese Erzählung bildet allerdings nicht die Vorlage der Netflix-Serie.

Es gibt Parallelen. Auch dieser Wallander lebt in Malmö, erleidet einen Messerangriff und verliebt sich in eine Frau namens Mona (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). In Sachen Story handelt es sich allenfalls um eine lose Inspiration.

Mona-Darstellerin Ellise Chappell erklärt es gegenüber dem Guardian  so:

Mona unterscheidet sich in der Serie schon sehr von den Büchern. In den Büchern ist sie beispielsweise eine Friseurin. Und in der Serie arbeitet sie für eine Organisation, die sich für Flüchtige und Asylsuchende einsetzt.

Wer sich in der Vorlage Aufschluss über die Story von Der junge Wallander Staffel 1 erhofft, sucht vergebens.

Mankell-Vorwissen schadet der Netflix-Serie eher

Solltet ihr ohne Vorwissen in die Netflix-Serie gehen, seht ihr die vermutlich tragische Geschichte eines jungen Polizisten, dessen Idealismus nach und nach von der Realität auseinander genommen wird.

Der junge Wallander

So lautet zumindest das Versprechen der ersten sechs Episoden. Der junge Wallander glaubt an Gerechtigkeit, doch obwohl er den Fall löst, steht er am Ende vor den Scherben seiner Berufsträume.

Besitzt ihr etwas Vorwissen um Wallander, seine Eigenheiten und Biografie, erwartet euch in der Netflix-Serie eine Enttäuschung. Charakterlich ist der junge Mann so weit von dem geliebten Kommissar entfernt, die Verantwortlichen hätten ihm auch jeden anderen Namen geben können. Dass Adam Pålsson aussieht wie der schwedische Zwilling von Jonathan Groff aus Mindhunter, verschafft der Serie auch kein Eigenleben.

In erster Linie knickt die Netflix-Produktion jedoch angesichts der Erwartungshaltung ein. Wer Wallander-Romane liest oder -Serien schaut, tut dies nicht zuletzt wegen des ungewöhnlichen Hauptcharakters. Und der fehlt trotzt des gleichen Namens im Prequel.

Wann wird Der junge Wallander zu Wallander?

Die Serie bietet das seltsame Vergnügen, einem biografischen Autounfall in der Superzeitlupe zuzuschauen. Warum soll man mehrere Staffeln schauen, bis sich dieser Kurt irgendwann in Staffel 5 vom jungen zum nicht mehr ganz so jungen und schließlich zum geliebten alten Wallander entwickelt? Bis also das eigentlich reizvolle der Wallander-Figur zu Tage tritt?

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Zweifelsohne weckt die Entwicklung von Mona und Kurt Neugier, wenn man die Beziehung der beiden aus den Büchern kennt. Jedes Mal wenn der junge Mann in der Serie zum Alkohol greift, läuft einem als Wallander-Kenner ein Schauer über den Rücken. Das reicht bei weitem nicht aus, um die Produktion aus dem Krimi-Einerlei herauszuheben.

Der junge Wallander nimmt klassische Elemente aus Mankell-Romanen auf. Dazu gehören die soziale Ungleichheit in Schweden, der Einfluss rechter Kräfte und Wallanders intensive private Involvierung in seine Fälle. Ohne das ungemütliche charakterliche Zentrum der Romane wirkt der Krimi jedoch austauschbar. Neonlicht-Orgien zum Trotz.

Kennt ihr Wallander nicht, schaut ihr diese Netflix-Serie schnell weg und vergesst sie nach einer Woche. Habt ihr den Ystader Inspektor mit seinen Marotten ins Herz geschlossen, gerät Der junge Wallander zur verpassten Chance.

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