Mein Herz für Klassiker

Der General - Die stumme Symbiose von Action und Comedy

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Buster Keaton in Der General
29.11.2016 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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In diesem Herz für Klassiker erkläre ich, warum Buster Keatons Der General das Mad Max: Fury Road der Stummfilmära ist und wie der Film Action und Humor perfekt vereint.

Der Grund, warum ich mein heutiges Herz für Klassiker an Der General vergebe, liegt etwa eineinhalb Jahre zurück. Mad Max: Fury Road war gerade im Kino angelaufen und ich war absolut begeistert. Dabei ist George Millers Materialschlacht eigentlich nicht mehr als eine Verfolgungsjagd von A nach B und wieder zurück. Wer hätte denn ahnen können, dass mich ein Film mit diesem Grundkonzept so von den Socken haut? Doch dann klingelte es bei mir. Ja klar, ich hätte es ahnen können, denn ich hatte schon mal einen Film gesehen, der diese Prämisse in Perfektion umsetzte. Mit Der General schuf Buster Keaton schon vor 90 Jahren seinen ganz eigenen Mad Max: Fury Road, zugegebenermaßen mit einigen gravierenden Unterschieden. Der General ist nicht mad, sondern lustig. Er ist nicht bunt, sondern grau und er ist nicht laut, sondern stumm. Doch diesen Film mit Mad Max zu vergleichen, wird ihm ohnehin nicht gerecht. Der General ist das Meisterwerk des vielleicht einflussreichsten Leinwandkomikers aller Zeiten und ein Muss für jeden, der nicht gleich verstummt, wenn er das Wort Stummfilm hört.

Marion Mack und Buster Keaton in Der General

Buster Keaton spielt in Der General einen sympathischen Loser, den Zugführer Johnnie Gray. Für den jungen Mann gibt es auf der Welt nur zwei Dinge von Bedeutung: Seine prachtvolle Lokomotive namens General und die hinreißende Annabelle Lee (Marion Mack). Mit der einen läuft es gut, mit der anderen eher nicht. Der Amerikanische Bürgerkrieg bricht aus und Annabelle fordert, dass sich Johnnie als Soldat beweist. Voll entschlossen das Herz seiner Geliebten zu erobern, meldet sich der etwas klein geratene Mann zum Militärdienst, wird dort allerdings sofort ausgemustert. Annabelle will nun nichts mehr mit dem armen Johnnie zu tun haben und alles, was ihm noch bleibt, ist sein Zug. Ein Jahr später steht er kurz davor, auch diesen für immer zu verlieren. Als Unionssoldaten die treue Lok des Südstaatlers stehlen, rechnen sie allerdings nicht mit Johnnies Entschlossenheit. Erst zu Fuß, dann mit diversen anderen Fortbewegungsmitteln und letztendlich mit einer weiteren Lokomotive folgt er seinem Ein und Alles bis tief hinein ins feindliche Gebiet und stellt dort fest, dass sich an Bord seiner Lok auch seine zweite große Liebe befindet.

Ein Actionspektakel auf Schienen

Obwohl Buster Keaton vor allem für sein komödiantisches Talent zur Legende wurde, ist Der General mehr als nur eine Komödie. Sein wohl persönlichstes Werk ist eine Liebesgeschichte auf zwei Schienen: Action und Comedy. In beiden Aspekten ist der Film brillant. Die Action ist für damalige Verhältnisse extrem aufwendig inszeniert. Die spektakulären Stunts, die der Stummfilm-Clown persönlich ausführte, wirken zwar locker, leicht und lustig, hätten ihn aber ein ums andere Mal das Leben kosten können. Auch finanziell ging Buster Keaton auf volles Risiko. Die kurze Einstellung, in der eine Dampflok durch eine brennende Brücke in einen Fluss kracht, war gar die teuerste Szene der gesamten Stummfilmära.

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Doch nicht nur was der Film zeigt, ist entscheidend, sondern auch wie er es zeigt. Statische Einstellungen gibt es nur selten. Stattdessen sorgen aufwendige Kamerafahrten parallel zum Zug für die stringente Rasanz, die sich auch in der Story wiederfindet. Nach einer kurzen Exposition startet die Verfolgungsjagd in die eine Richtung, trifft in der Mitte des Films auf den Wendepunkt, fährt mit einer weiteren Verfolgungsjagd in die entgegengesetzte Richtung fort und kommt schließlich zum großen Finale. Buster Keaton fackelt nicht lange und schreitet im hohen Tempo voran. Wie ein Zug folgt er zielstrebig der Handlung und lässt daher keine Langeweile aufkommen.

Der Meister der physischen Komödie

Kommen wir nun zu den humorvollen Aspekten des Films. Hier ist Buster Keaton heimisch, dieses Metier beherrscht er wie kaum ein anderer seiner Zeit. Auch für Der General hat sich der Hauptdarsteller, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Stuntman und Filmeditor in Personalunion einiges einfallen lassen. Ein ums andere Mal spielt der Filmemacher mit unseren Erwartungen. Wenn er eine Kanone anzündet, die sich durch ein Missgeschick auf seinen eigenen Zug ausrichtet, fürchten wir schon das Schlimmste. Während wir zusammen mit Johnnie schon zusammenzucken, nimmt die Strecke aber im entscheidenden Moment eine Wendung und die Kanone trifft wie durch ein Wunder das eigentliche Ziel.

Buster Keaton in Der General

In diesen Momenten ist der Film unglaublich sympathisch. Zwar sind die Gags selten zum Schreien komisch, aber doch stets amüsant. Am erstaunlichsten ist jedoch, wie perfekt diese mit der Action verschmelzen. In einer Zeit ohne Ton gab es eben keine flapsigen Oneliner, die aus einem stinknormalen Actionfilm eine Actionkomödie machten. Buster Keaton war auch kein großer Fan von Texttafeln und so ließ er den gesamten Humor auf der physischen Ebene stattfinden. Das Schöne dabei: Jeder Gag ist in die Handlung integriert und erfüllt einen dramatischen Zweck. Buster Keaton fusioniert in Der General Action und Comedy in Perfektion.

Eine Ode an die Dampflok

Der General ist nach der Lokomotive benannt, der Johnnie hinterherjagt, und das aus gutem Grund. Wie bereits erwähnt ist der Film, nebst all seiner spektakulären Stunts und humorvollen Slapstickeinlagen, eine Liebesgeschichte. Doch ist es nicht die Beziehung zwischen Johnnie und Annabelle, die den Kern des Films darstellt, sondern das innige Verhältnis zwischen Zugführer und Lokomotive.

Buster Keaton in Der General

Als Johnnie seine Annabelle verliert, ist er nur traurig, nimmt aber keinerlei Anstrengungen auf sich, um sie zurückzuerobern. Doch in dem Moment, in dem sich jemand an seinem Zug vergreift, wird Johnnie zum Helden, der sich alleine gegen eine ganze Armee stellt. Der Rettungsakt des Außenseiters ist, wie der Film selbst, eine Liebeserklärung an die Dampflok. Wer diesen Film gesehen hat, hat wohl auch alle Gags und Stunts gesehen, die aus einer Lokomotive herauszuholen sind. So schafft es der General mich auch 90 Jahre nach seinem Erscheinen mit einer Zugfahrt zu begeistern und dafür hat sich Buster Keatons Meisterwerk mein Herz für Klassiker redlich verdient.

Was ist eure Meinung zu Buster Keaton und Der General?

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