Buffy-Schöpfer Joss Whedon kritisiert Binge Watching von Serien

14.03.2017 - 13:30 Uhr
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Joss Whedon auf dem Set von Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron
© Walt Disney
Joss Whedon auf dem Set von Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron
In einem Interview verriet Buffy-Schöpfer und Avengers-Regisseur Joss Whedon nun, warum er von Netflix' Serienkonzept und daraus resultierendem Binge Watching wenig hält.

In einem Interview mit The Hollywood Reporter  im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums seiner Kultserie Buffy - Im Bann der Dämonen sprach Joss Whedon (Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron) über das sogenannte Binge Watching, also der Seriensichtung in Marathon-Form. Besonders Netflix' Modell, die Folgen einer Serie nicht wöchentlich, sondern alle gleichzeitig zu veröffentlichen, hat diese Art des Fernsehens als eine beliebte Alternative beim Publikum etabliert. Für den Regisseur und Autor Joss Whedon stelle diese Form allerdings einen Verlust dar, sowohl für die Zuschauer als auch dem Format Serie als solche.

Der durch dynamischen Austausch gekennzeichnete Event-Charakter wöchentlichen Fernsehens ginge mit Netflix' Serienpolitik verloren, wie Joss Whedon erklärte:

Ich würde es nicht tun. Ich würde wollen, dass Leute jede Woche zurückkommen und die Erfahrung machen, etwas zur gleichen Zeit zu schauen. Wir haben [die Webserie] Doctor Horrible in drei Akten veröffentlicht. Wir taten es, in Teilen, weil ich damit aufwuchs, Miniserien wie Der Ruf des Adlers zu schauen. Ich habe Event-Fernsehen geliebt. Und als es auf der Strecke blieb, dachte ich: 'Lass es uns im Internet machen!' Im Laufe dieser Woche veränderte sich der Diskurs über die Serie immer und immer wieder. Das war aufregend zu beobachten.

Zwar bescheinigte Joss Whedon Netflix, "außergewöhnliches Zeug" zu machen, und würden sie ihm alles Geld der Welt und totale kreative Freiheit anbieten, würde er sie nicht in ihrer Veröffentlichungspolitik behindern. Allerdings sei er mehr "old-school", denn unter Binge Watching leide Publikum wie Autoren gleichermaßen, da der emotionale Wert einzelner Episoden verlorenginge, wenn die Zuschauer eine Folge nur noch als kleinen Teil betrachteten und nicht als für sich stehende Erzählung. Dieser ständige Zugang zu allem bereite ihm Sorgen.

Das Fernsehen verkomme daher, so Joss Whedon, mehr zu einer Art Lebensstil denn Erfahrung, das dadurch seine Kraft verliere, wenngleich er Serienmarathons nicht per se als den Teufel betrachtet sehen will:

Je körniger und weniger vollständig wir Dinge machen, desto mehr wird [das Fernsehen] zu einem Lebensstil anstelle einer Erfahrung. Es wird zum Umgebungsgeräusch. Es verliert seine Kraft und wir verlieren damit etwas. Wir verlieren unser Verständnis für Erzählung. Wofür wir zum Fernsehen gekommen sind. Wir kommen, um die Auflösung zu sehen. Ich bin naiv, darauf zu referieren, aber es ist: 'Angela Lansbury findet den Mörder'. Es wird ein bisschen schwerer, daran festzuhalten. Binge Watching, Gott weiß, ich habe es getan, ist anstrengend - aber es kann herrlich sein. Es ist nicht der Teufel. Aber ich mache mir darüber Sorgen. Es ist Teil eines größeren Ganzen.


Was sagt ihr zu Joss Whedons Kritik am Binge Watching?

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