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Birds of Prey schon jetzt im Stream: Corona wird fürs Kino zur Katastrophe

Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn
© Warner Bros. Pictures
Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn
17.03.2020 - 17:45 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Studios wie Warner preschen in den USA vor und wollen wegen der Corona-Krise Kinofilme früher per Stream veröffentlichen. Die Filmverwertungskette wird sich dadurch massiv verändern.

Die Kinos in Deutschland müssen aufgrund der Corona-Krise schließen. Auf Filme muss aber niemand verzichten, denn es gibt Netflix, Amazon, Sky und bald auch Disney+. Allerdings wird sich nach Corona viel verändert haben, denn aus den USA erreichen uns für die Fans sehr gute, für die Kinos eher schlechte Nachrichten.

Warner Bros.-Plan mit Harley Quinn: Früher im Stream wegen Corona

NBC Universal kündigte laut dem Hollywood Reporter  an, dass das Studio aktuell im US-Kino bereits gestartete Filme wie Der Unsichtbare, The Hunt und Emma sowie den noch nicht gestarteten Familienfilm Trolls World Tour per Video on Demand zur Verfügung stellen wird. Für 19,99 Dollar sollen sie auf verschiedenen Diensten angeboten werden. So sagt Jeff Shell, der CEO von NBCUniversal:

Universal Pictures hat ein breites und vielfältiges Angebot an Filmen, wobei 2020 keine Ausnahme bildet. Anstatt diese Filme zu verzögern oder sie in einer schwierigen Vertriebslandschaft zu veröffentlichen, wollen wir den Menschen eine Möglichkeit bieten, diese Titel zu Hause anzusehen, die sowohl zugänglich als auch erschwinglich ist.

Warner Bros. geht ähnliche Wege: Birds of Prey soll früher als geplant per Video-on-Demand verfügbar sein, wie Variety  berichtet. Für den 24. März 2020 sei der Veröffentlichungszeitpunkt festgesetzt, obwohl der DC-Film erst seit dem 7. Februar in den Kinos zu sehen ist. Das Kino-Auswertungsfenster beträgt damit gerade einmal knapp 6 Wochen. Das Disney-Studio hat bereits vorher angekündigt, Die Eiskönigin 2 ebenfalls früher auf den hauseigenen Streamingdienst Disney+ zu veröffentlichen.

Katastrophe für die Kinos vs. Freude für die Fans

Fans dürften sich natürlich über diese Nachrichten freuen, denn somit haben sie die Chance, jene Filme zu sehen, die sie jetzt im Kino nicht schauen konnten. Aber wer bei diesen Entscheidungen nur auf die Perspektive der Zuschauer zu blickt, verkennt die deutlich größere Herausforderung.

Das Verwertungsfenster für Filme gerät damit nachhaltig unter Druck. In der Regel beträgt die Zeitspanne zwischen Kinostart und VoD-Veröffentlichung in den USA ca. 12 Wochen. In Deutschland sind es mit ca. 20 Wochen sogar noch mehr . Kinos kämpfen schon länger für den Erhalt dieser Fenster-Dauer, denn Streamingdienste machen ihnen mehr und mehr Konkurrenz.

Die Corona-Krise zeigt nun, wie schnell das Verwertungsfenster ausgehebelt werden kann, womit die Kinos noch mehr unter Druck geraten.

Was ist die Filmverwertungskette?

Die Filmverwertungskette beschreibt, wie ein fertiggestellter Film Einnahmen erzielt und in welcher Reihenfolge. Naturgemäß steht die finanziell ertragreichste an erster Stelle. Für jede Einnahmemöglichkeit gibt es ein Zeitfenster, welches zwischen den verschiedenen Parteien vertraglich geregelt ist, damit sich die Einnahmen verteilen.

Eine vollständige Filmverwertungskette sieht wie folgt aus:
  • Kino
  • DVD/Blu-ray im Verleih / VoD im Kauf
  • Blu-ray/DVD im Verkauf / VoD als Teil eines Abos
  • Pay-TV
  • Free-TV
Seit Jahren kämpfen Kinobetreiber für das traditionelle Verwertungsfenster für Filme. Viele Studios wollen aber deutlich früher mit Streamingdiensten und Premium-Streaming-Angeboten experimentieren. Dagegen haben sich bisher Kinobetreiber in den USA erfolgreich gewehrt. Ob dies auch weiterhin der Fall sein wird, müssen wir abwarten.

Deutschland und frühere Streaming-Veröffentlichung von Kinofilmen

Wie es in Deutschland mit den genannten Warner Bros.-, Disney- und Universal-Filmen aussieht, können wir derzeit nicht beantworten. Wir haben Anfragen an die Verleiher geschickt, um euch darüber zu informieren. Aktuell sind noch keine Antworten verfügbar.

Für deutsche Filme ist es allerdings nicht so einfach, aus der Filmverwertungskette auszubrechen. Wenn nämlich Filme mit deutschen Fördermitteln produziert worden sind, regelt das Filmförderungsgesetz die Verwertungskette. Wir haben bei der Filmförderanstalt nachgefragt. Pressesprecher Jens Steinbrecher:

Es ist aber möglich, das Verwertungsfenster zu verkürzen oder ganz entfallen zu lassen. Das entscheidet der FFA-Vorstand und das FFA-Präsidium. Wir entwickeln aktuell Lösungen für die Krise. Wir wollen hier größtmögliches Entgegenkommen unter Beachtung der Interessen der Kinos.

Wahrscheinlich werden bald weitere Verleiher nachziehen und auch Filme, die mit deutschen Fördermitteln produziert wurden, könnten bald in der Diskussion für frühere Streaming-Veröffentlichungen sein. Wir halten euch auf dem Laufenden.

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In der neuen Folge Streamgestöber - auch bei Spotify - prüfen wir die angesagten spanischen Serien Elite und Haus des Geldes:

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