Corona-Virus

Inferno, Outbreak & Co. - Wie viel Wahrheit steckt in Seuchenfilmen?

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Outbreak
17.02.2020 - 16:10 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Das Corona-Virus rückt Pandemien-Filme wieder in den Fokus. Vor diesem Hintergrund werfen wir einen Blick auf die großen Märchen, die wahren Hintergründe und die echten Gefahren der Viruspandemien.

Update: Dieser Artikel erschien vor einigen Jahren als "Eine Biologiestudentin schaut Filme"-Special zum Kinostart von Inferno. Aus gegebenem Anlass hat die Autorin den Artikel noch einmal überarbeitet und aktualisiert.

Das Corona-Virus hält die Welt in Atem und nicht zuletzt aus Sorge und Neugier steigt das Interesse an Filmen, die sich mit dem Thema beschäftigen. In den letzten Wochen wurden Filme wie Contagion so oft geschaut wie schon lange nicht mehr. Doch die darin gezeigten Inhalte sind mit Vorsicht zu genießen.

Eine drohende oder ausgebrochene Virusepidemie wird in Seuchenthrillern wie Contagion und Outbreak gern thematisiert und in Dan Brown-Verfilmung Inferno zur drohenden Apokalypse erklärt. Welche Märchen dem Zuschauer hierbei erzählt werden, wer mit gutem Beispiel vorangeht und warum Viren wirklich eine globale Bedrohung sind, soll euch dieser Artikel zeigen.

Outbreak lügt: Die Märchen der Seuchenfilme

Zunächst einmal ein paar Beispiele, welche Filme auf keinen Fall als Wissensquelle genutzt werden sollten, wenn es um Virusepidemien geht.

In Filmlabors wird viel durch Lichtmikroskope geschaut, um Viren zu untersuchen. Aber, wie in Der Sinn des Lebens von Monty Python erklärt wurde: "Ein Virus ist, was wir Fachleute als sehr, sehr klein bezeichnen." Viren sind nur einen winzigen Bruchteil so groß wie die ohnehin schon winzigen Bakterien und lassen sich nur unter speziellen Elektronenmikroskopen oder mittels Kernspinresonanz sichtbar machen.

Outbreak

Auch lässt sich mithilfe eines Elektronenmikroskop-Bildes ein Virus noch lange nicht analysieren. Dustin Hoffman und Kevin Spacey vergleichen am Wendepunkt von Outbreak zwei Bilder (im Übrigen einfach nur Ebola-Aufnahmen). Dabei stellen sie fest, dass die Ränder des neueren Virus fransiger sind als die des älteren.

Das muss eine mutierte Proteinstruktur sein! Ja, Viren mutieren schnell. Allerdings sind sie auch so klein, dass selbst elektronenmikroskopische Aufnahmen sehr vage sind und gerade einmal zur groben Einordnung taugen. Dieser "Erkenntnisgewinn" ist in etwa mit CSI: Miami zu vergleichen, wenn auf einem schwammigen Überwachungskamera-Bild plötzlich bei fünfmaligem Zoomen ein Nummernschild sichtbar wird. Eine veränderte Proteinstruktur ist ein Unterschied, der mittels chemischer Analysen und spezieller Methoden nachgeprüft werden müsste.

Wer einen annähernd korrekten Labor-Film sehen will, sollte niemals zu Virus Outbreak - Lautloser Killer greifen. In dem hat ein Virus eine Inkubationszeit von zehn niedlichen Minuten (die 24 Stunden in Outbreak sind schon schnell), was nicht viel mit der Realität zu tun hat.

Virus Outbreak - Lautloser Killer

Die größte Lüge des Films ist jedoch das angerührte Heilmittel, für das lediglich 40 Minuten benötigt werden. In einem technisierten Verfahren in der Fabrik mag das eventuell möglich sein. Aber bei organischer Chemie von Hand dauert so etwas schon erheblich länger. Wer schon einmal einen Kuchen gebacken hat, weiß, dass man selbst hier mindestens eine Stunde braucht. Im Labor muss jedes Milligramm genau abgewogen, Verhältnisse berechnet, bestimmte Temperaturen beachtet und der Versuch oft ständig überwacht werden.

Als Orientierungshilfe: Aspirin bzw. dessen Wirkstoff Acetylsalicylsäure per Hand herzustellen nimmt bei gründlicher Arbeit ca. drei Stunden in Anspruch. Für ein Krebs- bzw. Virusheilmittel dürfte da noch erheblich mehr Zeit benötigt werden, zumal dessen Wirkung ausgiebig getestet werden muss. Auch in Outbreak ist innerhalb von gefühlt einer Stunde ein Heilmittel geschaffen. Eine Woche käme eher hin.

Musterschüler Steven Soderbergh

Contagion von Steven Soderbergh stellt einige Film-Märchen der Virenwelt richtig. Wissenschaftlich korrekt erklärt z.B. Kate Winslet in Contagion, dass ein Virus nicht jeden befallen muss, der damit in Kontakt kommt. Genauso wird berücksichtigt, dass nicht nur Leute ansteckend sind, die bereits Symptome zeigen. Bis ein Virus im menschlichen Körper eine Reaktion hervorruft, vergeht eine gewisse Zeit - weitergegeben werden kann das Virus währenddessen aber trotzdem. Auch die Herstellung des Impfstoffes nimmt realistisch viel Zeit in Anspruch und ist hervorragend erklärt.

Contagion

Zudem ist das Virus im Film rundum durchdacht: Es ist eine Neukombination aus Fledermaus- und Schweinevirus. Gerade bei Grippeviren ist eine Übertragung und Neukombination vieler Säugetier-Erreger gut möglich. Schweine sind eine Hauptgefahrenquelle, weil sie für Tierviren anfällig sind, die auf den Menschen übertragen werden können, sogenannte Zoonosen. Fledermäuse wiederum bilden eines der größten natürlichen Virenreservoirs überhaupt und dürften laut aktuellen Vermutungen auch Urwirt des Coronavirus sein.

Contagion orientiert sich also an der Schweinegrippe, was auch zur Beschreibung der Gestalt des Virus passt: Seine Morphologie (= äußere Form) wird als rundlich und umhüllt beschrieben. All diese Merkmale treffen auch auf Grippeviren zu. Ebenso stimmig sind die Symptome, die die Befallenen im Film zeigen und der langsame Anlauf der Grippewellen. Denn ein Virus verbreitet sich, falls nicht kontrolliert, zwar schnell, aber sicherlich nicht innerhalb von zwei Tagen über die ganze Welt mit Tausenden von Opfern. Die anfänglichen zwei, drei Toten bei Soderbergh malen da ein realistischeres Bild.

Contagion

Warum die Virusapokalypse trotzdem keine ferne Zukunftsvision ist

Bis ein Walking Dead-Virus die Menschheit in Zombies verwandelt, dürfte die Tollwut noch ein paar millionen Mutationen durchmachen müssen. Dass es aber eines Tages irgendein Virus schaffen wird, die Menschheit in eine ernsthafte Krise zu stürzen, ist keine Fiktion.

Viren bereiten der Wissenschaft jetzt schon Schwierigkeiten. Großes Problem ist die Globalisierung: Touchscreens überall erhöhen das Infektionsrisiko, Virustragende können innerhalb weniger Stunden um den Globus reisen, beispielsweise von China aus. Die Vernetzung der Welt bewirkt zudem, dass Tierviren durch die Verschleppung oder den Verkauf von exotischen Tieren an den Menschen gelangen, inkusive Rekombination und Mutation - Coronavirus lässt grüßen.

  • Wer übrigens eine gute Übersicht zur Natur des Coronavirus sucht, dem sei ein äußerst informativer Artikel der Zeit  ans Herz gelegt.

Der Klimawandel sorgt für die Vermehrung von Wirtstieren wie Moskitos und stört gleichzeitig die Krankheitsresistenz von Wildtieren. In den boomenden Städten nimmt die Plage durch den Krankheitsüberträger namens Ratte zu, riesige Tiermärkte wie in China fördern den Austausch der Viren unter verschiedenen Tiergruppen.

Viele gefährliche Viren konnten bereits ausgerottet werden, indem der Impfstoff weltweit verfügbar gemacht wurde. Doch Impfgegner und Dritte-Welt-Länder stellen große Sicherheitslücken dar.

Wo sich ein Virus ungehindert vermehren kann, kann es auch mutieren und sich an neue Bedingungen anpassen. Das alles ist keine Vorhersage des Weltuntergangs, sondern vielmehr eine Warnung, dass wir uns viele Probleme selbst zuzuschreiben haben. Wenn uns Filme, egal wie akkurat, an etwas erinnern, ist es das: Die Wissenschaft macht täglich Fortschritte und sichert uns weitestgehend ab, aber der Mensch muss sich dennoch deutlich verantwortungsbewusster verhalten.

Passt auf euch auf, geht vorsichtig mit Informationen um und bleibt gesund!

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