Besser als Fast & Furious: Transformers 2 ist ein Geschenk für jeden Autofan

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Transformers 2: Die Rache
18.03.2020 - 17:30 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Transformers 2 mag filmisch nicht so gut sein, wie die anderen Transformers-Filme. Trotzdem weiß Michael Bay die Faszination des Autos zu würdigen. Die Sichtweise eines KFZ-Fans.

Wer Benzin im Blut hat, der muss dieser Tage leiden. Das Auto ist nicht einmal mehr ein Guilty Pleasure, als Besitzer wird man bereits als Umweltsünder gehandelt. In Zeiten von Klimawandel, Dieselgate und Mobilitätswende erleidet nicht nur die Industrie einen massiven Bruch, auch der Autofan fristet ein Schattendasein.

Im Kino findet er Trost, denn da darf noch ordentlich ins Gas getreten und aus dem Auspuff gequalmt werden. Ganz ohne CO2-Ausstoß. Mit überdimensioniertem Pickup über den Highway cruisen und den verschwenderischen V8-Motor maßlos wie lebenslustig zum Singen bringen - was sich im deutschen Straßenbild kaum einer trauen würde, sorgt auf der Leinwand für ein wohliges Gefühl. Außerhalb der Transformers-Reihe aber auch nur selten.

Die Transformers-Reihe weiß das Auto noch zu schätzen

Auch das Medium Film denkt um und hat die Faszination für den Verbrenner irgendwie vergessen. Daniel Craig alias James Bond hätte im neuen Ableger Keine Zeit zu sterben doch fast die Schlüssel für einen Elektro-Flitzer erhalten und in der Watchmen-Serie sind sämtliche Fahrzeuge selbstverständlich auf E-Motor umgerüstet, selbst der olle Truck.

Liebeserklärung ans Auto: Le Mans 66

Was Motor oder Akku unter der Haube hat, ist halt Nische. Nicht umsonst findet sich das Automobil in den Tageszeitungen auf der vorletzten Seite. Hollywood traut sich ohnehin nur selten, eine Geschichte eigens dem Brummer auf vier Rädern zu widmen - etwa mit dem grandiosen Motorsport-Werk Le Mans 66 - Gegen jede Chance, worin sogar jedes noch so kleine technische Detail wie die richtige Öl-Viskosität oder die Belüftung der Bremsen eine Rolle spiel.

Trotzdem: Ikonische und leidenschaftlich präsentierte Karossen, die sich jeder nur zu gern in seine Garage stellen würde, sucht der Kinogänger heute vergeblich.

Einen DMC DeLorean wie aus Zurück in die Zukunft oder Dodge Challenger von Fluchtpunkt San Francisco sieht man zwar auch in den Transformers-Filmen nicht, dennoch stechen diese in einer Disziplin heraus: Regisseur Michael Bay liebt Autos noch mehr als seine Pyro-Eskapaden und diese Leidenschaft überträgt sich auch auf die Leinwand.

Camaro-Prototyp: Bumblebee probiert sich in der Reihe an diversen Baureihen des Musclecars

Natürlich verwandeln sich die titelgebenden Roboter zum Großteil in Autos, schließlich hört eine der Parteien auf den Namen Autobots. Und natürlich nutzen die Macher diesen Kniff auch für einiges an Product Placement. Michael Bay setzt seine spritgetränkten Spielzeuge jedoch weitaus mehr als nur werbetauglich in Szene.

Die Autos werden hier Teil der Geschichte, schließlich sind sie auch lebendig, da die Transformer zur Tarnung ihr Erscheinungsbild annehmen. Optisch immer wieder erstaunlich, wie sich die Maschinen dann in andere Maschinen verwandeln. Die Metamorphose vom Roboter zum Auto wird so genial animiert, dass der Eindruck entsteht, sie sei ein absolut natürlicher Prozess.

Jedes Transformer-Auto hat seine eigene Geschichte

Die meisten Modelle, die in den fünf Filmen der Hauptreihe zu sehen sind, sind PS-geladene Zweisitzer, aber auch charmante Klassiker wie der 1977er Chevrolet Camaro genießen ihre Auftritte. Im Chevy versteckt sich sogar zum Unwissen seines neuen Besitzers Sam Witwicky (Shia LaBeouf) Fanliebling Bumblebee. Die Merkmale des gewachsenen Muslecars passen auch perfekt zu denen des knallgelben Transformers: bockig, dennoch elegant und ein echter Camarade eben. Dem französischen Wort für Freund soll der Name Camaro gewidmet sein.

Automobiler Patriotismus: Die Autobots stehen vor allem auf US-Modelle

Welchen Wagen welcher Charakter verkörpert, avanciert in jedem Teil aufs neue zum Faszinosum. Der in Bays Filmen häufig so schmerzlich vermisste Tiefgang versteckt sich somit ausgerechnet zwischen Felgen und Federn.

Querköpfe wie Bee oder die frechen Zwillinge Mudflap und Skids fahren Camaro, besonders extrovertierte und aggressive Kämpfer dagegen Mercedes. Wenn sich der schönste Wagen aus Transformers 3, ein Benz SLS AMG, plötzlich als fieser Decepticon Soundwave entpuppt, zieht das einem sogar gerne mal den Boden unter den Füßen weg.

Selbst Fast & Furious hat weniger PS

Das Spiel muss aber nicht immer Sinn ergeben. Etwa wenn in The Last Knight ein Autobot namens Hot Rod die ganze Zeit mit französischem Akzent spricht, weil er den so mag, aber mit einem Lamborghini Centenario unterwegs ist, also der größtmöglichen Portion italienischer Exzentrik.

Lambo mit französischem Akzent in The Last Knight

Vor allem jedoch hat Bay verstanden, was Autos ausmacht. Neben ihrer spannenden Technik nämlich auch ihre pure Schönheit. Akustisch wie visuell gönnt der Regisseur seinen Film-Fahrzeugen eine Maximal-Inszenierung, die fast an Pornografie grenzt.

Was in Avengers und James Bond einfach nur nervt, weil da die Audis und Fords eben dann doch offensichtlich der Werbung dienen, weiß Bay virtuos wie kompetent vor der Kamera einzufangen. Dass die Autos in seinen Filmen nicht nur Nutz-Objekte sind, spiegelt sich auch darin wider, dass einige der Modelle dem umstrittenen Filmemacher sogar selbst gehören. Der Porsche 911 Turbo aus Bad Boys etwa entstammt persönlich der Garage des 55-Jährigen.

Typisch Bayhem: Untersichtige Kamera, der Porsche füllt nahezu das gesamte Bild (Bad Boys)

Wer diese Passion teilen kann, wird in anderen Franchises heute kaum noch fündig. Selbst die Auto-Filmmarke schlechthin, Fast & Furious, hat schon lange nichts mehr mit gepflegten Gummis am Hut. Vin Diesel, Dwayne Jonson und Co. konzentrieren sich lieber auf möglichst spektakuläre und am Computer erschummelte Stunts, die Vehikel, in denen sie sitzen, sind da nur Mittel zum Zweck.

Sind Autos eben doch nur Gebrauchsgegenstände oder gar Mobilität von gestern? Wenigstens bei den Transformers zum Glück nicht.

Transformers: Die Rache läuft am heutigen Mittwochabend, dem 18. März 2020, um 20:15 Uhr auf ProSieben.

Welche Filme haben euer Meinung nach besonders viel Benzin im Blut?

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