Bad Banks auf Netflix: Paula Beer nimmt es mit der abartigen Finanzwelt auf

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© ZDF/Arte/Berlinale
Bad Banks
10.12.2018 - 11:20 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Im Rahmen der Berlinale Special Series feierten das deutsch-luxemburgische Thriller-Drama Bad Banks seine Premiere. Darin verliert sich Paula Beer als ehrgeizige Investmentbankerin im Schlund der skrupellosen Finanzwelt.

Update, 10.12.2018: Unseren Serien-Check zu Bad Banks haben wir bereits anlässlich der Berlinale-Premiere der Serie geschrieben. Seit heute ist die komplette 1. Staffel auf Netflix. Daher haben wir den Text nochmal hervorgeholt.

Aufruhr herrscht in den Straßen. Panisch rennen die Menschen durch die graue Kulisse und drängen sich in die Ecke zu einem Geldautomaten, der fleißig am Rattern ist. Kaum hat der erste Begierige der Schlange seine EC-Karte in den Schlitz geschoben, flattert die größtmögliche Anzahl an Scheinen heraus - das Prozedere wiederholt sich so oft wie möglich. Dann streikt der sonst so treue Geldspender und die Menge tobt. Fünf Mal so Schlimm wie der Niedergang von Lehman Brothers lautet die apokalyptische Ansage im Hintergrund, während die Polizei ausrückt, um mit schwerem Gerät wieder für Ordnung zu sorgen. Doch diese ist in den ersten Minuten von Bad Banks längst verloren, sodass lediglich ein gleichermaßen klagendes wie machtloses "Wofür?" durch die Gegend hallt. Aufregender hätten die zwei ersten Episoden der deutsch-luxemburgischen Thriller-Serie auf der Berlinale 2018 kaum beginnen können.

Der Auftakt von Bad Banks lässt den Atem stocken

Während in den ersten Minuten von Bad Banks der Atem stockt, verlieren sich die Opening Credits in hypnotisierenden Kamerafahrten, die sich in Wolkenkratzern und Glaskästen schlängeln, bis sich der Pulsschlag wieder beruhigt hat. Die Neugier ist geweckt. Etwas Unheilvolles muss passiert sein. Um was es sich dabei genau handelt, werden wir wohl erst im Verlauf der nachfolgenden Episoden erfahren. Dementsprechend holt die Erzählung erst einmal tief Luft und blickt acht Wochen in die Vergangenheit zurück. Dort lernen wir Jana Liekam (Paula Beer) kennen, die sich als Investmentbankerin in der Finanzwelt behaupten will. Nicht lange dauert es, da hat sie ihre Hausaufgaben gründlicher als der eigene Vorgesetzte, Luc Jakoby (Marc Limpach), gemacht, und wird daraufhin vor die Tür gesetzt. Nach allen Anstrengungen und Bemühungen droht das vorzeitigen Karriereende. Die dreiste Ungerechtigkeit entpuppt sich allerdings nur als erste Lektion.

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Im Augenblick der Niederlage muss Jana nicht nur ihr - durchaus naives - Weltbild infragestellen, sondern ebenfalls lernen, dass sich im unwahrscheinlichsten Moment Verbündete offenbaren können. Zu diesen gehört die einflussreiche Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch), die ihr im Handumdrehen einen neuen Job bei einer namhaften Bank in Frankfurt verschafft, bei der erst kürzlich der Risk Taker Gabriel Fenger (Barry Atsma) die Leitung übernommen hat. Fast zu einfach rutscht Jana von einer Station zur nächsten - Bad Banks spielt jedoch stets mit der Gewissheit, dass die vermeintlich transparenten Bauten schon bald ihre hässliche Fassade entblößen werden. Nicht zuletzt betont Regisseur Christian Schwochow in seiner Inszenierung die Kontraste zwischen Janas gemütlichem Heim und der distanzierten Kälte der sterilen Finanzwelt, die anfangs zwar mit luxuriösen Vorzügen verführt, später aber bloß als Scherbenhaufen dasteht.

Kein Finanz-Thriller ohne Intrigen, Machtspiele und Verrat

Zu Hause verwöhnt Jana verspielt den Freund und die Tochter mit der Frage, ob es zum Frühstück etwas Süßes oder etwas Gesundes geben soll. Kaum tauscht Jana den Pyjama gegen ihr Business-Kostüm aus, verwandelt sie sich in einen kühlen, kalkulierenden Menschen. Auch diese Lektion gehört dazu: Lasse dich niemals in einem ungeschützten Augenblick ertappen, sondern wahre stets ein messerscharfes Antlitz, denn um dich herum befinden sich nur Konkurrenten. Bad Banks, geschrieben von Head-Autor Oliver Kienle und seinem Autorenteam, spielt genüsslich die Kontraste zwischen der heilen Familienwelt mit dem unerbittlichen Büroalltag aus. Leider fehlen vorerst die vielen Zwischentöne, die das Geschehen richtig aufregend und unangenehm machen. So manövriert sich Jana durch ein Labyrinth aus Standardsituation, die trotz einiger Problemstellungen viel zu schnell den Erfolg in Aussicht stellen und somit das Konfliktpotential deutlich schmälern.

Dabei fußt Bad Banks auf einem perfekten Grundgerüst, um sich fortan über mehrere Episoden hinweg in einem spannenden Spiel aus Intrigen, Machtansprüchen und Verrat auszuprobieren. Ideale Voraussetzungen also für das große, tragische Drama - vor allem im Hinblick auf die gnadenlose Welt, in der sich Jana genauso zielstrebig wie orientierungslos bewegt. Einerseits setzt sie alles daran, um als Investmentbankerin den nächsten Durchbruch zu erlangen. Andererseits bringt sich ein unscheinbares "Wofür?" komplett aus der Fassung, ähnlich wie die entsprechende Nachfrage im düsteren Prolog die Erde erschüttert. Die Rastlosigkeit der Protagonistin resultiert aus reißerischen Ansprachen, um den Ehrgeiz des Individuums zu steigern, wenngleich am Ende ausschließlich die Summe ohne ihre einzelnen Teile zählt. Seid hungrig, seid aggressiv, seid ambitioniert! Bissig wirft das Drehbuch noch ein "und arbeitet mit eurem Herzen" hinterher.

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Bad Banks suhlt sich in der Skrupellosigkeit der Finanzwelt

Nachdem der Auftakt von Bad Banks viel Zeit investiert, um die unerträgliche Skrupellosigkeit der Finanzwelt zu demonstrieren und vorzuführen, beginnt Jana später, die Dinge endlich selbst in die Hand zu nehmen. Ihre Reise führt sie von jenem Punkt, an dem sich sich bedingungslos dem System unterworfen hat, zum Augenblick der Erkenntnis, dass sie selbst zur Spielerin werden muss, wenn sie gewinnen will. Zwar mag sie keiner reichen Familie angehören, dennoch steht Jana dem elitären Kreis der Mächtigen in puncto Raffinesse keineswegs nach. Eher im Gegenteil: Wenn sie bereits in Luxemburg ihren Vorgesetzten mit Leichtigkeit übertreffen konnte, sollte ihr das ebenfalls in Frankfurt gelingen. Entscheidend ist bloß, herauszufinden, wie sich die spitzen Angriffe fortan geschickter tarnen und durchführen lassen. Während sich der abgebrühte Gabriel Fenger von seinem coolen Business-Sprech ablenken lässt, greift Jana entschlossen durch.

Bad Banks erzählt dabei die Geschichte einer Außenseiterin, die sich mühsam hocharbeitet, ehe sie beginnt, ihre eigenen Prinzipien von Fairness etc. über den Haufen zu werfen und damit den Erfolg erzielt, den sie sich so sehr wünscht. Tief in ihrem Inneren schlummert dieses Verlangen - doch wofür? Die immer wieder auftauchende Frage kann und will Bad Banks bisher gar nicht beantworten. Stattdessen spiegelt sich in Janas Leere die Leere der gesamten Finanzwelt wieder, die unersättlich nach mehr strebt und bereit ist, alles aufs Spiel zu setzen, um dieses Mehr zu erreichen, wenngleich es davon kein Ende gibt. Begeistert rast Bad Banks auf den Moment zu, an dem dieses System (erneut) kollabiert. Bisher fehlt jedoch das Subtile, das Unerwartete, sodass nach den ersten zwei Episoden ein durchschaubares Unterfangen und die Hoffnung bleibt, dass die Serie genauso wie ihre Protagonistin einen cleveren Plan in der Hinterhand hat.

Die 1. Staffel von Bad Banks umfasst insgesamt sechs Episoden und startet am 01.03.2018 auf Arte. Ab 03.03.2018 wird die Thriller-Drama-Serie im ZDF gezeigt und erscheint darüber hinaus am gleichen Tag auf DVD und Blu-ray. Schon jetzt sind alle sechs Folgen in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Eine Übersicht über alle Serien, die auf der Berlinale 2018 laufen, findet ihr hier. Weitere Texte zur Berlinale werden auf unserer Themenseite gesammelt.

Habt ihr beriets einen Blick in die 1. Staffel von Bad Banks geworfen?

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