Mutafukaz - Depression, miserabel, Chaos

Anime-Action im Kino: So coolen Shit hab ich selten im Kino erlebt

Mutafukaz (Poster)
© peppermint anime
Mutafukaz (Poster)
moviepilot Team
Amon Sven Raabe
folgen
du folgst
entfolgen
What? No chit-chat or monologue? Just gettin' right to the point, huh?

Willkommen in Dark Meat City, in dem jeder Tag einem Überlebenskampf gleichkommt. Wenn ihr die falsche Person schief anguckt, euch im falschen Viertel aufhaltet oder eure Klamotten einfach nur die falsche Farbe haben, könnte dies euer Leben vorzeitig auf unnatürliche Art und Weise beenden. Dies ist Angelinos Alltag, der in dieses verkommene Stück Scheiße einer Stadt hineingeboren wurde und laut eigener Aussage sehr wahrscheinlich auch dort sterben wird. Gar nicht mal so abwegig, angesichts des kranken Shits, der in D.M.C. abgeht.

Die Story ist nicht Mutafukaz' Kernkompetenz

Angelino hält sich mit kleinen Jobs über Wasser und teilt sich gemeinsam mit seinem Kumpel Vanz eine heruntergekommene Wohnung, in der es vor Kakerlaken nur so wimmelt. Die scheinbar schicksalhafte Begegnung mit einer wunderschönen, engelsgleichen jungen Frau namens Luna stellt das Leben unseres Protagonisten jedoch gehörig auf den Kopf, denn anschließend ist er nicht nur seinen Job los, darüber hinaus hängen zwielichtige Gestalten ihm und seinen Kumpels Vanz und Willy an den Fersen. Als dann auch noch ein bis an die Zähne bewaffnetes Spezialkommando seine Wohnung stürmt steht fest: Nichts wird je wieder so sein wie es einmal war. Doch was Angelino und Vanz noch nicht ahnen: Im Hintergrund lauert eine weitaus größere Gefahr und die ihnen so vertraute Welt scheint noch viel abgefuckter zu sein, als sie es jemals für möglich hielten.

Okay, ich möchte ehrlich mit euch sein: Die Story von Mutafukaz ist nicht unbedingt die Kernkompetenz des Anime. Die Geschichte ist ziemlich Banane und verschenkt im Laufe ihrer gut 94 Minuten leider viel von ihrem durchaus vorhandenen Potenzial. Dabei hat die Story absolut ihre Momente, was dem heimlichen Star des Films zu verdanken ist: Dark Meat City, D.M.C.. Das Leben am Rande der Gesellschaft sowie die Probleme, welche auf jemanden zukommen können, nur weil er anders ist und einer Gruppe nicht passt, werden eindringlich dargestellt. Wenn später jedoch eine Verschwörung ins Spiel kommt, Angelino zu einer Art Auserwählten wird und die globale Erwärmung bewusst herbeigeführt wurde, damit eine Gruppe schleimiger Monster die Welt übernehmen kann, dann stürzt die Handlung leider recht schnell in sich zusammen. Mit einem größeren Fokus auf Angelino und seine persönliche Geschichte wäre hier bedeutend mehr drin gewesen.

Mutafukaz fackelt ein audiovisuelles Feuerwerk ab

"So coolen Shit habt ihr noch nie im Kino erlebt!!", verspricht Mutafukaz in seinem Trailer und diese Aussage kann ich, mit kleinen Einschränkungen, auf jeden Fall bestätigen. Audiovisuell ist der Film ein echtes Erlebnis, das mit einigen tollen Einfällen auftrumpfen kann und in seinen besten Momenten fast schon unverschämt stylisch daherkommt. Besonders hervor sticht dabei der einzigartige visuelle Stil, der in Bewegung Dank kraftvoller, dynamischer Farben sowie einer großen Detailverliebtheit schlicht grandios aussieht. Darüber hinaus hatten die Macher einige wirklich coole Einfälle, etwa eine wahnsinnig rasante, musikalisch clever unterlegte Verfolgungsjagd im Pacman-Stil. Ebenfalls toll gelungen sind die Action-Sequenzen, die zwar teils irrsinnig brutal daherkommen und dennoch, aufgrund ihrer geschmeidigen Animationen sowie der hochwertigen Kamerafahrten, eine ungeheure Sogwirkung entfalten.

Untermalt wird dieser coole Shit auf der Leinwand von einem famosen Soundtrack, der stilsicher Hip-Hop sowie Dubstep miteinander kombiniert und den Boxen im Kinosaal einiges abverlangte. Eine meiner Lieblings-Szenen war dabei der Höhepunkt des ersten Akts, in dem bullige, hochgerüstete Spezialkommandos die Wohnung unserer unfreiwilligen Helden stürmt: Begleitet von einem schnellen Beat und einem harten, wummernden Bass setzt sich Angelino gegen die Eindringlinge zur Wehr. In Vierteln, die selbst von der Polizei gemieden werden, dominiert indes primär Hip-Hop, was gemeinsam mit dem dreckigen, von Graffitis dominierten visuellen Stil zu einem harmonischen Ganzen verschmilzt. Abgerundet wird der tolle auditive Eindruck von hochkarätigen deutschen Sprechern, etwa Kim Hasper, Thomas Nero Wolff oder auch Giuliana Jakobeit, die allesamt großartig performen. Am Sound und der Synchronisation gibt es nichts zu meckern.

Mutafukaz ist ein cooler Trip mit Hindernissen

Es stimmt, tatsächlich habe ich so coolen Shit wie in Mutafukaz bisher selten im Kino gesehen. Zudem hatte ich dieses Jahr auch nicht oft soviel Spaß im Lichtspielhaus, was an den teils aberwitzigen Absurditäten liegt, die ich auf der großen Leinwand zu sehen bekam. Wenn Wrestler Hitler die Fresse polieren, Kakerlaken einen Elitesoldaten überwältigen oder Gangster während eines intensiven Shootouts plötzlich Shakespeare rezitieren, zauberte mir dies nicht nur ein breites Grinsen ins Gesicht, darüber hinaus war all dies auch einfach wahnsinnig cool anzusehen. Leider verliert sich die Story in all dieser stilsicheren Coolness, denn es werden einige Subplots eingestreut, die in der Comic-Vorlage womöglich mehr Raum zur Entfaltung bekamen, im Film letztendlich jedoch im Nichts verlaufen. Dabei kann die Story durchaus clever sein, wenn sie es will, was anhand einer Vielzahl von Popkultur-Referenzen, mit denen die Macher smart gegenwärtige soziale Missstände ankreiden, deutlich wird. Doch am Ende schlägt Mutafukaz daraus viel zu wenig Kapital.

Trotz dieser Schwächen hatte ich eine wirklich tolle Zeit mit Mutafukaz und, kleiner Fun-Fact am Rande, während ich diese Zeile tippe, höre ich mir sogar den Soundtrack des Anime an. In seinen besten Momenten, und vertraut mir, es gibt so einige Highlights, ist Mutafukaz eine wilde, anarchische sowie verrückte Tour de Force - im positiven Sinne! Der Stil ist klasse, der Soundtrack ebenso, nur in der B-Note gibt es dann eben doch Abzüge. Sheesh, Mutafukaz war wirklich wahnsinnig cooler Shit und ein krasser Trip, wenn auch mit Hindernissen.

Was ist eure Meinung zu Mutafukaz?

moviepilot Team
Amon Sven Raabe
folgen
du folgst
entfolgen
What? No chit-chat or monologue? Just gettin' right to the point, huh?
Deine Meinung zum Artikel Anime-Action im Kino: So coolen Shit hab ich selten im Kino erlebt
F33109f2d61d4693b9dbcf7ddb47a177