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Meine Lieblings-Serienintros

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Mad Men
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Mad Men
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Filme für mich, Filme für euch, Filme für alle! Manchmal schreibe ich auch darüber...

Mad Men

Mad Men ist eine amerikanische Dramaserie die von 2007 bis 2015 auf dem Kabelsender AMC lief und spielt im Umfeld einer fiktiven Werbeangentur, die im New York der 60er Jahre ansässig ist. Die Welt von Mad Men ist eng an ihren geschichtlichen und sozialen Kontext gebunden, wobei immer wieder Motive wie Geschlechterrollen und Hierarchien aufgegriffen werden. Auch werden zahlreiche popkulturelle und zeitgeschichtliche Ereignisse und Personen aufgegriffen und reflektiert (JFK, Kubakrise, Koreakrieg, Marilyn Monroe, The Rolling Stones). Im Mittelpunkt steht Don Draper, ein kettenrauchender Macho der zu den erfolgreichsten Werbefachmännern gehört. Seine Konkurrenzkämpfe innerhalb der Firma, die ehelichen Konflikte, der Hang zum Alkoholismus und Affären und die inneren Dämonen der Figur werden schon im Intro angedeutet.

https://www.youtube.com/watch?v=NJ5-sdHP0YQ


Die Welt um Donald Draper herum bricht zusammen und er fällt in die Tiefe, vorbei an allerlei Motiven und Objekten die innerhalb seines Lebens eine große Rolle spielen. Die Ambivalenz aber auch die Instabilität die seinen Charakter auszeichnen steht konträr zum damaligen Männerbild des harten und maskulinen Mannes der immer alles im Griff hat. Der Schein nach außen wird gewahrt deswegen sitzt er am Ende des Intros auch wieder in selbstbewusster Pose auf seinem Sessel. Die 38 Sekunden des Einspielers lassen aber schnell erahnen dass diese Serie sehr viel tiefer reicht und sich nicht nur an seiner Ästhetik erfreut.

Die Ästhetik des Intro ist ebenfalls einfach fabelhaft. Die gezeichneten Animationen, die entsättigten Farben, der Schnitt und zu guter letzt das fabelhafte Instrumental von RJD2, welches mit seinen Streichern den dramatischen Part unterstreicht und mit den Uptempo Jazzdrums einen längst vergessene Spirit wiederaufleben lassen, bilden ein kleines Meisterwerk für sich.

Um es kurz zu sagen, Netflix kann sich hier den "Intro überspringen"- Button sparen.


True Detective Season 1

True Detective war für mich ein Wendepunkt im Bereich Serienunterhaltung. Diese Serie hat die Autorenserie in den 2010ern auf ein komplett neues Level gehoben. Die Idee, die Drehbücher, die Regie, die Kameraarbeit, die Settings, die Darsteller, DIE DARSTELLER sind alle auf höchstem Niveau.

True Detective wäre von der ersten bis zur letzten Sekunde perfekt inszeniertes Kino gewesen, wobei diese Serie besser ist als 99,9% aller Filme die in den letzten fünf Jahren auf die Leinwände dieser Welt projiziert wurden. Die Rede ist natürlich von der ersten Staffel der Anthologieserie, wobei auch die zweite sträflich unterschätzt wird und ebenfalls ein schönes Intro besitzt.

https://www.youtube.com/watch?v=FxXRkqXfhYM


Nach diesem 96-sekündigem Vorspann aus einer anderen Welt, wird einem sehr schnell klar - An dieser Serie wird man keine große Freude haben. Die Figuren verschmelzen mit ihrer Umgebung zu fast transzendentalen Wesen die ihr Glück und Leid in der verbitterten Sumpflandschaft Louisianas suchen. Nihilistische Weltanschauungen treffen immer wieder auf metaphysische Diskurse, meist gesponnen vom Misanthropen Rust Cohle, addiert mit der schwül-fiebrigen Klima und verlorenen Seelen die hier porträtiert werden, wird schnell klar. Es ist kein sonderlich großer Spaß True Detective zu gucken und sicherlich keine Serie zu nebenbei gucken. Und genau das sagt uns der fantastisch choreographierte Vorspann auch, es wird mysteriös, düster und verdammt nochmal großartig. Dass das Lied "Far From Any Road" von The Handsome Family wirkt als wäre es nur für dieses Intro geschrieben worden ist wohl ein Glücksfall, es harmoniert mit der Serienkiller-Thematik der Serie und schweift ebenso in den Eskapismus ab wie die beiden Hauptdarsteller.

This place is like somebody's memory of a town and the memory is fading.

Ein Intro kann natürlich immer nur so gut sein wie die Serie die darauf folgt, hier bedingt sich beides gegenseitig, so einhellig wurde der Clip von Kritikern und Zuschauern gelobt. Der Vorspann und die Serie ist wie Liebe auf den ersten Blick, es passt einfach, von der ersten Sekunde an. Ich kann jetzt nicht viel mehr sagen als: Wenn ihr True Detective noch nicht gesehen habt, dann lasst jetzt alles liegen, sagt eure Termine ab und dann heißt es sehen und nicht nur schauen.

Danken könnt ihr mir später.

Dexter

Bei Dexter, welche jahrelang das Flaggschiff des Pay-TV Senders Showtime war, handelt es sich wieder mal um eine Serie die mit einigen Tabus brach und dieses auch unverkenntlich offen getan hat. Dexter Morgan ist Forensiker bei der Polizei von Miami, der sich vorallem auf die Analyse von Blutspritzern bei Mordfällen spezialisiert hat, und ganz nebenbei auch noch ein Serienkiller. Damit begibt sich die Serie auf einen schmalen Pfad und versucht das alltägliche Leben eines Mörders darzustellen, diesen zu psychologisieren und zu erklären. Dabei findet die Serie meistens den richtigen Weg und moralisiert nicht direkt alles was in der Serie geschieht, sondern bietet uns mit schwarzem Humor und zynischen Charakteren eine unterhaltsame Krimiserie, welche ihren Hauptcharakter fast schon zu gut wegkommen lässt.

https://www.youtube.com/watch?v=ej8-Rqo-VT4


In dem ausschweifenden Intro von Dexter werden ganz normale und alltägliche Handlungen gezeigt, die jedoch durch die geschickte Inszenierung so hochglorifiziert werden, dass sofort Assoziationen zu Dexters nächtlichen Morden geknüpft werden. Beim schneiden der Blutorange spritzt der Saft nur so aus der Frucht wie aus den Arterien seiner Opfer, das Blut durch den Schnitt beim Rasieren verwandelt sich direkt in eine Blutlache. Das Frühstücksei wird zerschlagen, der Schinken zerschnitten und verschlungen. Und spätestens als Dexter sich zuerst die Schuhe und danach das Shirt anzieht, weiß man - Der Typ ist ein Soziopath. Geschickt verweisen die Showrunner damit darauf, dass sich hinter jeder gutbürgerlichen Fassade irgendein Abgrund befindet.

Dies ist natürlich ein Intro welches mit einer Länge von fast 2 Minuten schon eher unter die Kategorie "skipbar" fällt. So ist es trotzdem einer der besten und vor allem kreativsten Anfänge überhaupt.

Narcos

Der ehemalige Boss des Medellinkartells und wahrscheinlich berühmtester Drogendealer aller Zeiten, Pablo Escobar, ist in den ersten beiden Staffeln einer der Protagonisten der Netflixserie Narcos, auf der anderen Seite des Gesetzes stehen ihm die beiden DEA-Agenten Javier Pena und Stephen Murphy gegenüber. Narco ist umgangssprachlich für narcotraficante (spanisch für Drogendealer), in den USA werden die Agenten der DEA (Drug Enforcement Administration) auch als Narco oder Narc bezeichnet. Somit kann man den Titel der Serie auf alle Protagonisten beziehen.

Narcos ist eine weitere Serie die einen oder mehrere "difficult men" als Protagonisten oder eben Antagonisten hat. Mit "difficult men" sind eben jene Männer gemeint die zwar die Hauptrolle spielen aber nicht eindeutig dis Sympathie des Zuschauer gewinnen können oder sollen. Sie agieren oft außerhalb der Legalität oder dehnen das Gesetz so wie es ihnen gerade passt und sie handeln moralisch höchst fragwürdig. Durch die Charaktertiefe die ihnen gegeben wird, werden diese Männer damit stark diffenrenziert dargestellt und lässt sie nicht mehr als Monster darstehen, sondern als ganz normale Menschen. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn man auf die Historie des Serienformats zurückblickt. So konnte man durch diese neue Art von Antiheld nun auch im Fernsehen neue, kreative Geschichten erzählen, denn diese waren vorher im Fernsehen kaum bis gar nicht zu sehen. Durch kreative und mutige Drehbuchautoren und Showrunner war es dann möglich z.B. den Alltag eines Serienkillers über sieben Staffeln zu zeigen, eben weil man dutzende Stunden hat um einen Charakter einzuführen und zu entwickeln. Man kann also sagen das Serienformat ist dadurch "erwachsen" geworden. Da gerade bei älteren Serien vermehrt darauf geachtet wurde, dass es immernoch ein Spaß für die ganze Familie ist und auch Krimiserien eher moderat, konservativ und ohne langen Spannungsbogen erzählt wurden. So wurde auf einmal geflucht, gemordet, deutliche Gewalt und explizierter Sex inszeniert. Es wurden zwielichtige Milieus und Geschichten aus der Unterwelt auf unterhaltsame Weise dargestellt, also Geschichten die für den gemeinen Zuschauer meilenweit entfernt sind aber eine düstere Faszination ausüben. Durch diese Serien können wir für 45 Minuten eben in diese fremde Welt eintauchen. Eben so eine Welt ist auch die von Narcos, hier sind die DEA-Agenten nicht die eindeutigen Sympathieträger, auch sie haben jede Menge Blut an ihren Händen und handeln oft in schmalen Grauzonen des Gesetzes. Escobar wird allerdings mit all seinen Facetten gezeigt, brutaler Boss eines Drogenimperiums, Wohltäter für die Armen und Hilfsbedürftigen seiner Heimatstadt Medellin und liebevoller Familienvater. Es ist also am Zuschauer wie er eine solche Serie in seinem moralischen Kompass einzuordnen hat.

https://www.youtube.com/watch?v=PtJ6yAGjsIs


So, dass ich oben ein wenig vom eigentlichen Thema abgeschweift bin hat einen Grund. Ich bin zu dem Punkt gekommen, dass das einzige was mir an dem Intro so gut gefällt, das Lied ist. Rodrigo Amarante hat das Lied "Tuyo" extra für die Serie geschrieben und komponiert. Deswegen finden sich auch hier textliche Parallelen zu Escobars Leben wieder.

Tuyo heißt übersetzt dir/deine(r,s) lässt sich aber besser mit dem englischen yours übersetzen. El castillo, könnte das selbstgebaute Gefängnis Escobars sein das einem Schloss glich. La espada, ist das Schwert welches ein widerkehrendes Symbol in der Serie ist. Aus wessen Sicht das Lied zu deuten ist und wessen der Ich-Erzähler denn nun ist, ist natürlich sehr unterschiedlich zu interpretieren. Davon mal abgesehen ist das Lied auch einfach ein verdammter Ohrwurm und auch für eine absolute Spanischlaie wie mich recht gut zu verstehen.

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