Nach 10 Jahren

500 Days of Summer ist noch immer der perfekte (Anti-)Liebesfilm

500 Days of Summer
© 20th Century Fox
500 Days of Summer
Moviepilot Team
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Volontärin bei Moviepilot. Sozialisiert von Pippi Langstrumpf und 90er Jahre Anime. Immer auf der Suche nach packender, lustiger, schöner Filmmusik.

Passiv aggressiv macht die Anmerkung des Autors zu Beginn von 500 Days of Summer klar, dass der Film ganz und gar keine Ode an die glückliche Liebe ist:

Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig. Besonders mit dir, Jenny Beckman. Schlampe.

Erinnert ihr euch? Vor zehn Jahren erblickte der Liebesfilm, der eigentlich keiner ist, das Licht der Welt.

Vor 10 Jahren, als alles begann …

Vor zehn Jahren litten die Zuschauer das erste Mal mit Toms (Joseph Gordon-Levitt) Liebeskummer mit. Vor zehn Jahren begann in 500 Days of Summer alles mit dem Ende, als der liebeskranke Tom die Zeit mit seiner Geliebten Summer (Zooey Deschanel) Revue passieren lässt. Vor zehn Jahren saß auch ich gebannt im Kino und verliebte mich sofort in 500 Days of Summer.

Und ich liebe den Film bis heute – auch wenn er an manchen Stellen nicht gut gealtert ist. Und dennoch ist er es wert, ihn auch heute noch in den Blu-ray-Player zu schmeißen. Denn bis heute gibt es kaum ein vergleichbares Werk, in dem Liebe so realistisch und ehrlich dargestellt wird.

2009 war das Kinojahr für Liebesfilme

500 Days of Summer lief im gleichen Kinojahr wie Die Frau des Zeitreisenden, Love Happens und New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde und sticht dabei zweifellos heraus. Denn die Liebe in Marc Webbs Werk ist keine endlose, herzzerreißende, bis ans Ende deiner Tage dauernde Liebe, sondern eine Liebe in der harten Realität: unerwidert.

Webbs Werk reiht sich in eine Liste unterschiedlicher (annähernd) realistischer Liebesfilme ein, wie Peyton Reeds Trennung mit Hindernissen (2006) oder Vergiss mein nicht mit Jim Carrey und Kate Winslet (2004). Nach 500 Days of Summer erschienen aber kaum Hollywood-Filme, die Liebe auf eine ähnliche Weise, mit solch einem Herzschmerz und teils unsympathischen Figuren porträtieren, in die wir uns doch hineinversetzen können.

Das macht 500 Days of Summer gut

Der Anfang des Films erinnert an die ersten Minuten des brillanten Films Die fabelhafte Welt der Amélie, wenn die Hauptfiguren von einem Sprecher vorgestellt werden. Im Anschluss folgen Videoaufnahmen aus Kindertagen von Tom und Summer, untermalt von Regina Spektors Us. Und schließlich beginnt die erste Szene, die uns Zuschauer direkt in das Geschehen voller Herzschmerz schmeißt – in ein Ich-will-Teller-zerstören-Stadium.

Wir sind sofort mittendrin und lassen Toms Beziehung zu Summer mit ihm Revue passieren, um zu sehen, an welchen Punkt sie gescheitert ist.

Wir Zuschauer erkennen schnell, warum alles in die Brüche gegangen ist. Tom trauert einer Beziehung hinterher, die es nie gab. Denn Summer erklärt ihm von Anfang an, dass sie nicht an der Liebe interessiert ist. Und an dieser Stelle zeigen sich sowohl die Stärken als auch die Schwächen des Films.

Verliebt, beharrlich oder besessen?

Summer kommuniziert Tom ganz klar und mehrmals, dass sie nicht auf der Suche nach einer ernsten Beziehung ist. Und Tom lässt sich lieber auf etwas Lockeres mit ihr ein, als sich ganz von ihr abzuwenden, was womöglich besser für ihn und seine Gefühle gewesen wäre.

Er wählt also den Weg, der sich für den Moment leichter und weniger schmerzvoll anfühlt. Er glaubt stets, dass er sie noch "rumkriegen" kann, womit er Summers Worte nicht ernst nimmt. Das ist problematisch.

Da wir nur Toms Perspektive kennen, empfinden wir die Situation mit Summer auch bald als gemein. Denn es könnte doch so schön sein: Summer hört ihm zu, die beiden haben viel Spaß zusammen und führen tiefsinnige Gespräche.

Zwischendurch könnten auch wir fast vergessen, dass Summer zuvor klargemacht hat, dass sie wirklich nur an Spaß und Freundschaft interessiert ist; und Tom ihr sagte, dass er einverstanden damit ist.

Problematisch aber ehrlich

Summer stellt zwar klar, was sie will, wirkt aber dennoch auf eine Weise unfair, weil sie die lockere Beziehung mit Tom aufrechterhält, obwohl ihr klar sein muss, dass er weit mehr für sie empfindet als sie für ihn. Andererseits hört sie lediglich auf das, was er ihr kommuniziert.

Tom hingegen blendet Summers Worte, dass sie immer noch nicht an einer festen Beziehung interessiert ist, weiterhin aus, weil er sich nicht vorstellen kann, dass es ihr anders gehen könnte als ihm. Und letztendlich ist er dann wütend auf sie.

Das ist – vor allem aus heutiger Sicht – das Problematische am Film. Und gleichzeitig das Gute: Die Figuren sind nicht perfekt, sie machen Fehler und treffen Entscheidungen, die sich nur für den Moment schön für sie selbst anfühlen – so wie im richtigen Leben.

So wirkt 500 Days of Summer nach zehn Jahren

So sehr ich 500 Days of Summer also liebe und so sehr ich die Ehrlichkeit im Film schätze, so wenig kann ich leugnen, dass es doch einige Punkte gibt, die vor allem angesichts der heutigen stärkeren Aufmerksamkeit gegenüber Grenzüberschreitungen nicht gut gealtert sind.

Auch angesichts der Aufgeklärtheit gegenüber Klischees lässt sich das Werk aus heutiger Sicht stark kritisieren.

Die vielen Klischees aus heutiger Sicht

So gibt es so einige 08/15-Klischee-Sprüche und Annahmen im Film, wie:

  • Wenn eine Frau unglücklich ist, muss man ihr Gesagtes nicht ernst nehmen, sie hat höchstwahrscheinlich "nur" PMS.
  • "Hübsche" Frauen dürfen sich nicht das Recht herausnehmen, nicht mit Männern kommunizieren zu wollen.
  • Wenn es den Anschein hat, als hätte eine Frau kein Interesse, kann es nur bedeuten, dass sie lesbisch oder eine Schlampe ist.
  • Und wenn eine Frau sagt, sie habe keinen Freund, dann lügt sie oder ist lesbisch. Andere Optionen scheint es nicht zu geben.

Dies sind Punkte, die den Kinogängern heute (hoffentlich) sauer aufstoßen oder zumindest auffallen würden.

Doch immerhin bricht das Werk auch mit vielen Klischees. So ist es zum Beispiel nicht die Frau, die nach der großen Liebe sucht, sondern Tom als Mann, der glaubt, nur glücklich sein zu können, wenn er die Frau seines Leben trifft - was zweifellos bei Menschen jedes Geschlechts eine problematische Annahme ist.

Trotzdem bleibt 500 Days of Summer fantastisch

Liebe ist Scheiße. Liebe tut weh. Liebe zerstört. Das zeigt 500 Days of Summer 95 Minuten lang. Er nimmt uns mit auf eine Reise voller Liebeskummer. Je nachdem, in welchem Lebensabschnitt wir selbst uns gerade befinden, offenbart uns der Film, welche Qualen wir schon einmal durchlitten haben oder er begleitet uns durch unseren eigenen Herzschmerz. Und er zeigt vor allem, wie blind wir manchmal sein können, wenn wir verliebt sind.

500 Days of Summer ist zwar nicht in jeder Hinsicht gut gealtert, doch dafür ist der Schmerz einer unerwiderten Liebe derselbe geblieben. Und die Fehler, die Menschen machen, werden nicht unter den Teppich gekehrt. Das macht den Liebesfilm besonders.

Es gibt ein Happy End, auch wenn es kein Happy End für Tom und Summer gibt. Denn der Film entlässt uns mit dem "Herbst" und dem Gefühl, dass jedem Ende ein neuer Anfang folgt. Und auch das ist durchaus echt und gilt damals genauso sehr wie heute.

Was haltet ihr von 500 Days of Summer? Welche Filme, die Liebe realistisch darstellen, kennt ihr?

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