24 - Die Serie muss sich endlich von Jack Bauer befreien

Keiefer Sutherland als Jack Bauer in 24
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Nachdem das Spin-off 24: Legacy von 2017 die Erwartungen nicht erfüllt hat, soll das 24-Franchise mit zwei neuen Serien zurückkehren. Neben der schon seit letzem Jahr gemunkelten Strafjustiz-Serie mit weiblicher Hauptfigur bestätigte Fox-Chef Gary Newman auf der Pressetour der Television Critics Association in der letzten Woche auch, dass eine Prequel-Serie über Jack Bauers frühere Abenteuer in Arbeit ist, so Entertainment Weekly. Doch während ein Abstecher in die Welt der Anwälte und Prozesse vielversprechend klingt, zeigt das Bauer-Prequel die Innovations-Unwilligkeit der 24-Schöpfer.

24: "Nicht gut, niemals langweilig"

Eine derart packend auf Spannung, Überraschung und rücksichtslose Action getrimmte Serie wie 24 hatte ich noch nicht erlebt, als ich 2002 die 1. Staffel auf DVD sah. Zwar gewannen die nächsten Jahre der Grundkonstellation noch einige neue Facetten ab, doch wurde hier schon die Tendenz erkennbar, letztendlich lediglich auf die Kombination von Schema F und zunehmender Eskalation zu setzen. Während Jack Bauer an seinem ersten Tag "nur" Präsidentschaftskandidat Palmer vor dem Ermordetwerden beschützen musste, explodierte einige Jahre später mal eben eine kleine Atombombe in Los Angeles, und weiter ging's. Der von Staffel zu Staffel rücksichtsloser werdende Bauer opferte sich dabei für sein Land und dessen wenige ehrenhafte Lenker bis zur völligen Selbstaufgabe auf, fand immer mehr seine Erfüllung darin, nach getaner Arbeit die Konsequenzen zu durchleiden, und wurde zur Karikatur seiner selbst.

Die Versatzstücke der Handlung mit plötzlichen Seitenwechseln, schockierenden Toden und unmöglichen Entscheidungen wurden immer wieder aufs Neue recycelt und dabei bis weit über die Schmerzgrenze hinaus gesteigert, doch aus einem Puzzle mit drei Teilen lässt sich auch mit dem Holzhammer kein komplett neues Bild zusammensetzen. Nun wäre das ja alles kein Problem, schließlich kann ich als Zuschauer jederzeit abschalten und wurde nicht gezwungen, Jahr um Jahr zurückzukehren. Allerdings sind das Echtzeit-Grundkonzept von 24 und die Machart der Serie auch nach Jahren der Einfallslosigkeit trotzdem so fesselnd, dass es der Wahlspruch (zitiert z. B. in der New York Times) von Produzent Howard Gordon wie Jack Bauers Faust aufs Terroristen-Auge trifft: "Nicht gut, niemals langweilig" .

24 zeigt viel zu selten, dass es besser sein kann

Da konnte mich nicht einmal die im späteren Bonusmaterial der DVDs selbst eingestandene Einfallslosigkeit der Serienmacher ("Nächste Staffel machen wir mal was ganz anderes ... oder vielleicht auch wieder genau dasselbe."), ihre Verletzung der Fürsorgepflicht ihrer eigenen Schöpfung gegenüber daran hindern, Staffel um Staffel dranzubleiben. Was einstmals überwältigend neu und gewagt war, ist durch die stete Wiederholung allerdings zur Lachnummer verkommen. Aus Selbstschutz musste ich die Geschehnisse als puren Trash sehen, um mir nicht wieder und wieder an den Kopf zu greifen. Doch leider blitzten in all dem Quatsch von Zeit zu Zeit grandiose Momente der Reflexion auf, stille Miniaturen, in denen die ganze Wucht, mit der solcherlei Ereignisse auf ihre Beteiligten einwirken müssen, spürbar wurde. Nur um kurz darauf von einer neuen Albernheit abgelöst zu werden.

Nun also soll die 24-Saga nach der Originalserie samt TV-Film sowie den Miniserien Live Another Day und Legacy auch mit einer Prequel-Serie fortgesetzt werden, die zeigt, wie Jack Bauer zu dem Charakter der Original-Serie wird. Verantwortlich: die Original-Schöpfer Joel Surnov und Robert Cochran, gemeinsam mit Original-Produzent Howard Gordon. Also wieder mehr vom Selben. Zwar müsste ein junger Jack Bauer sich nicht wie der spätere stets wie die Axt im Walde verhalten, doch werden dieselben Verantwortlichen im selben Rahmen wohl kaum plötzlich ihre Marschroute ändern.

Die 24-Prequel-Serie lässt nichts Gutes erwarten

Abgesehen davon, dass Jack Bauer im Intro der 1. Staffel davon spricht, er würde gerade den längsten Tag seines Lebens durchleiden, was bei 24-stündigen Extrem-Abenteuern schon in jungen Jahren recht merkwürdig daherkommt: Achteinhalb Staffeln Bauerscher Terrorismusbekämpfung sind schlichtweg mehr als genug. Beim Hinarbeiten auf den spätere Jack Bauer dürften einerseits kaum thematische Schwerpunkte jenseits von "Wie viele Gegner würdest du foltern/verletzen/töten, wenn die Uhr tickt?" gesetzt werden, und andererseits wird das Echtzeit-Konzept auch bei der filmischen Umsetzung wohl kaum für andere Dinge als actionreiche Schnitzeljagden dienen.

Bleibt also noch die Hoffnung auf das Strafjustiz-Spin-off. Diese "andere" 24-Serie dürfte immer noch im selben Universum spielen und könnte somit altgediente Gast-Helden und -Schurken einbinden, nur eben nicht mit dem Schicksal der ganzen Welt als Thema, sondern "lediglich" dem eines zum Tode Verurteilten, wie auf der TCA-Pressetour bestätigt. Dies böte auch Gelegenheit, mit einer Hauptfigur jenseits des Terrorbekämpfungs-Kontexts alte Fragen und Entscheidungen in einem ganz neuen Licht zu sehen. Und die Charaktere müssten auch nicht reihenweise das Zeitliche segnen, denn was einstmals tatsächlich überraschend und schockierend war, ist heutzutage ebenso eine verkrustete Konvention wie die frühere Gewissheit, dass so gut wie nie eine der Hauptfiguren einer Serie stirbt.

Freilich muss auch diese Chance nicht genutzt werden, vielleicht kann sie es gar nicht. Vielleicht funktioniert das Format von 24 auch nur als Krawall-Action. Denn wenn es so flexibel wäre, hätte es seit dem Debüt im Jahre 2001 wohl jede Menge Nachahmer geben müssen, die sich ein Stück vom Echtzeit-Kuchen abgeschnitten hätten.

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