Wir schauen Breaking Bad - Staffel 5, Folge 9

14.08.2013 - 08:50 UhrVor 10 Jahren aktualisiert
I need you to believe this
AMC
I need you to believe this
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Das Warten hat ein Ende. Breaking Bad geht nach einer fast einjährigen Pause in die letzte Runde und wir laden euch ein, mit uns über jede Folge zu diskutieren.

Nach fast einem Jahr Breaking Bad -Entzug bin ich sicherlich nicht der Einzige, der sich so gefühlt hat wie Walter zu Beginn der neuen Episode Blood Money aussieht. Dass sich das Überleben dieser Durststrecke zweifellos gelohnt hat, beweisen Vince Gilligan und seine Crew jedoch mühelos. Aber fangen wir von vorne an.

Was ist passiert?
Wie schon in der ersten Folge der fünften Staffel steigen wir auch in Blood Money in der Zukunft ein. Abgesehen vom ranzigen Vollbart und ein für den Krieg gerüstetes Auto hat Walt (Bryan Cranston) offensichtlich nichts mehr. Sein altes Zuhause gleicht einer Geistervilla, im leeren Pool skaten ein paar Kids, die Nachbarin muss beim Anblick von Walt mit Schockzuständen kämpfen – die Dinge hätten für Heisenberg offensichtlich besser laufen können. Die darauf folgenden 40 Minuten verraten (natürlich) nicht, was genau passiert ist, aber so viel steht fest: shit gets serious. Während Jesse (Aaron Paul) alles tut, um sein Blutgeld loszuwerden, ahnt Walter, dass Hank (Dean Norris) ihm auf die Schliche gekommen ist. Gleichzeitig möchte Walts ehemalige Geschäftspartnerin Lydia (Laura Fraser) ihn zurück im Business haben, nur um von Skyler (Anna Gunn) harsch abgewiesen zu werden. Heisenberg wäre jedoch nicht Heisenberg, wenn er Konflikten ausweichen würde, und so macht sich Walter auf den Weg zu Hank, um mehr oder weniger direkt über das kleine Problemchen zwischen den beiden zu sprechen.

I am not in danger!
Walt schafft es tatsächlich zu Beginn der Episode, bei mir ein paar Sympathiepunkte wiederherzustellen, die unter anderem bei der Vergiftung von Kindern und dem Mord an Mike verloren gegangen sind. Immerhin konnte er seine familiäre Situation einigermaßen beruhigen und sich mit Skyler vertragen, was nicht zuletzt für seinen Sohnemann Walter Jr. (RJ Mitte) keine schlechte Sache ist. Dass ihm allerdings noch immer keine Lüge zu dreist ist, zeigt sich, als er Jesse versichert, Mike nichts getan zu haben. “I need you to believe this” ist dabei einer der ehrlichsten Sätze, die Walt in einer langen Zeit von sich gegeben hat. Damit fleht er Jesse fast schon verzweifelt an, ihm seine schäbige Lüge abzukaufen, denn mehr Feinde kann er sich auf seinem dünnen Eis sicherlich nicht leisten. Allerdings bleibt dies bei der vorerst einzigen Situation, in der Walter seine tief schlummernde Unsicherheit aufblitzen lässt, den Showdown mit Hank regelt er wieder mehr oder weniger souverän im Heisenberg-Style. Dort lässt er seinen Schwager spüren, dass Heisenbergs größte Stärke nichtmal die Herstellung von Meth ist, sondern die Konfrontation und Beseitigung von Problemen. Erschreckend genüsslich verweist er den DEA-Mann auf seinen Platz, ohne auch nur einen Funken Furcht zu zeigen.

Diese letzte Szene mit Hank demonstriert übrigens auch das brillante Storytelling, das Breaking Bad so besonders macht: Fast über die gesamte Laufzeit der Episode bauen sich die Spannung und Konflikte der einzelnen Figuren so gemächlich auf, dass sich der Zuschauer auf ein über mehrere Folgen erstreckendes, subtiles Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hank und Walt einstellt. Stattdessen wird drei Minuten vor Schluss das Garagentor geschlossen, Fäuste durch den Raum geschickt und somit unsere Erwartungshaltung mal wieder vollkommen über den Haufen geworfen. Großartig.

Heisenberg auf dem Fersen
In den letzten Folgen von Breaking Bad ist Hank solch eine wichtige Figur, dass auch seine Person gesonderte Betrachtung verdient. Die Erkenntnis, dass sein scheinbar harmloser und weicher Schwager der große Heisenberg ist, trifft Hank aus naheliegenden Gründen ziemlich hart. Sein psychischer Zusammenbruch während der Autofahrt resultierte mit Sicherheit nicht nur aus der bloßen Überraschung und Enttäuschung, dass Walter der Chrystal Meth-Kingpin ist, sondern viel mehr aus der damit einhergehenden Demütigung. Kaum eine Figur in der Serie hat schließlich ein solch großes Ego wie Hank. Stets belächelte er seinen Schwager als kranken, hilflosen Familienvater, den es zu beschützen gilt. Und dieser Mann hat ihn problemlos an der Nase herumführen, die Geschäfte quasi vor seinen Augen abwickeln und ihn nicht zuletzt am laufenden Band Erniedrigungen und Tiefschläge einstecken lassen können? Verständlicherweise kann das ein Macho, der Hank zweifellos ist, nur schwer verdauen. Das lässt ihn auch unwissend geradewegs auf den nächsten Schicksalsschlag zulaufen: Während der Aussprache mit Walter wird nämlich deutlich, dass Hank sich immer noch um Walts Familie sorgt. Wie tief wird es ihn erschüttern, wenn er herausfindet, dass Skyler mittlerweile Walts Geschäftspartnerin ist?

You either run from things, or you face them
Ernsthafte Sorgen dürfen wir uns um Jesse machen. Im kompletten Gegensatz zu Walt machen ihm seine Taten wirklich zu schaffen. Er möchte nichts lieber, als seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und so fährt er durch heruntergekommene Gegenden und beschenkt die Leute mit seinem Blutgeld, in der stillen Hoffnung, sich von seinen Taten reinwaschen zu können. Dass das nicht gerade gut klappt, wird in jeder Geste von Aaron Pauls nach wie vor meisterlichem Schauspiel deutlich. Seine zutiefst depressiven, vollkommen verzweifelten Blicke prophezeien zudem eine beängstigende Zukunft – sie wirken stets wie rückwärts laufende Sekundenzeiger einer Zeitbombe. Noch läuft er vor seiner Vergangenheit davon. Noch toleriert er Walts Lügen. Doch er wird handeln. Mit Sicherheit.

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