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Aufreger der Woche

Wie aus Tom Hanks ein Drogensüchtiger wurde

10.12.2011 - 09:00 Uhr
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Die Drogen des Tom Hanks
© UPI/moviepilot
Die Drogen des Tom Hanks
Tagtäglich bekommen wir Schlagzeilen vorgesetzt, die die kleinsten Äußerungen zum Skandal aufbauschen. Auch diese Woche gab es wieder so ein Beispiel, bei dem aus nichts viel gemacht wurde.

Illusionen wurden uns in dieser Woche geraubt, die Weltbilder ganzer Generationen von Menschen wurden auf den Kopf gestellt, alles was richtig schien ist in Frage gestellt worden! Die blütenreine Weste eines Idols hat einen ganz dunklen Fleck bekommen!

Aber worum geht es denn eigentlich? Um Vergewaltigung, Mord, Terrorismus? Nein, Tom Hanks hat in seiner Jugend kurzzeitig gekifft. Wenn das nicht mal ein Aufreger der Woche ist!

Tom Hanks in den Klauen der Sucht(?)
Anfang nächsten Jahres kommt Tom Hanks mit Extrem laut und unglaublich nah in die deutschen Kinos. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Jonathan Safran Foer ist ein heißer Oscar-Anwärter und dementsprechend im Mittelpunkt steht der Hollywoodstar in letzter Zeit wieder. Jetzt verriet er in einem Interview mit dem Playboy, dass er früher einmal Drogen genommen hat! Die tollsten Schlagzeilen förderte dieses Geständnis zu Tage: „Tom Hanks suchte Halt in Drogen und Alkohol“, „Verkiffte Jugend: Die dunkle Seite des Tom Hanks“, „Tom Hanks verrät: Nach den Kinderbüchern kamen die Drogen“, „Als Scheidungswaise griff er zu Drogen“. Meine Güte, wie dramatisch! Mr. Saubermann höchstpersönlich in einem Sumpf aus Rauschgift und tiefer Trauer, der Gosse nah und auf der Liste von Gevatter Tod ganz oben!

Alles halb so wild
Genau dieser Eindruck entsteht bei diesen Schlagzeilen. Das ist alles in Wahrheit aber nur halb so wild. Tom Hanks lag nie mit einer Spritze im Arm und einer Schnapsflasche in der Hand in einer Seitengasse, sondern er hat als Jugendlicher ein paar Mal Haschisch geraucht, es aber wieder schnell bleiben lassen, weil es ihn nach eigener Aussage „richtig blöde im Kopf gemacht“ hat. Aber warum hat Tom Hanks eigentlich angefangen, Drogen zu nehmen? Da seine Eltern sich trennten, als er fünf Jahre jung war, fühlte er sich oft einsam. Er las viel, kiffte irgendwann und hat dann auch mal offenbar zuviel getrunken. Das war alles in seiner Teenagerzeit, die in die liberalen 1970ern fiel. Nichts Besonderes also.

Ordentlich aufgebauscht
Mal abgesehen davon, dass die „Beichte“ von Tom Hanks, dass er als Teenie in den 70ern gekifft hat, ungefähr so spektakulär ist wie das Geständnis des Papstes, dass er dem katholischen Glauben anhängt, ist es faszinierend, was in der Presse aus einem Nebensatz gebastelt wird. Einem der wohl saubersten Stars der ganzen Welt, einem, der so skandalfrei ist, dass es schon anödet, wird eine Drogenvergangenheit angedichtet, die, von den Schlagzeilen ausgehend, fast an Kurt Cobain oder Sid Vicious erinnert. Entweder ist da die berühmte zum Elefanten gemachte Mücke im Spiel – oder aber Tom Hanks hat es darauf angelegt. Das macht ihn schließlich etwas interessanter und PR bringt es auch.

Wie dem auch sei, es ist manchmal einfach nur bescheuert, was aus manchen Aussagen gebastelt wird. Klar ist es verführerisch, Tom Hanks in die Richtung von exzessivem Drogenmissbrauch zu rücken, seine Geschichte so zu schreiben, dass es aussieht, als ob eine Läuterung ihn aus dem Verderben an die Spitze geführt hat, aber die Realität ist viel einfacher: Tom Hanks hat als Jugendlicher das getan, was viele junge Menschen in dieser Phase des Lebens machen. Daraus dann eine Sucht oder gar eine „Dunkle Seite“ abzuleiten, ist reichlich lächerlich und damit ein Aufreger der Woche.

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