DSDS geht mit Dieter Bohlen weiter: Es ist nur noch zum Verzweifeln

04.04.2023 - 09:00 UhrVor 11 Monaten aktualisiert
DSDS bleibt, Dieter Bohlen bleibt
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DSDS bleibt, Dieter Bohlen bleibt
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Deutschland sucht den Superstar bleibt nun doch bestehen – mit Dieter Bohlen. Solange er dabei ist, sind Frauenfeindlichkeit und die Abwertung von Schwächeren die Regel in der Show.

Am Samstag verkündete Dieter Bohlen während der Live-Show die "gute Nachricht": Deutschland sucht den Superstar geht auch 2024 weiter. Die Sendung wurde am 1. April ausgestrahlt und viele Zuschauende hielten die Ankündigung zunächst für einen Aprilscherz. Kein Wunder, denn diese Entscheidung ist keine Rolle rückwärts, sondern ein ganzer Salto. Im Sommer letzten Jahres hatte RTL noch das Ende der Casting-Show nach ihrer 20. Jubiläumsstaffel verkündet. Das bejubelte Versprechen hielt nicht mal 9 Monate.

Dieter Bohlen darf bei der neuen Star-Suche im Jahr 2024 natürlich auch mit dabei sein. Der Jury-Chef wurde vor der vorletzten Staffel entlassen, als sich RTL ein grundsätzlich positiveres Bild zulegen wollte – zu dem der obszöne und krawallige Bohlen nicht passte. Er sollte nur für die vermeintlich letzte Staffel der Show-Geschichte zurückkehren. Jetzt ist alles wieder beim Alten und sämtliche positiven Vorsätze über Bord geworfen. Was soll das? Wir hatten das doch alles schon hinter uns ...

Dieter Bohlen brachte Quoten und Sexismus zu DSDS zurück

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"Sowohl bei RTL als auch auf RTL+ lag der Zuspruch über unseren Erwartungen und deutlich über den Vorjahreswerten. Diese positive Resonanz hat uns dazu bewogen, auch in 2024 mit 'DSDS' weiterzumachen", sagte  Inga Leschek, die Programmgeschäftsführerin von RTL und RTL+. Übersetzt: Die Quoten waren so gut, dass RTL einfach nicht widerstehen konnte.

Und die Quoten, die brachte Dieter Bohlen zurück. Der Sender kapituliert jetzt unverhohlen vor dem Jury-Chef und allem, was er verkörpert. Das ist einerseits Reichweite. Als RTL es vor zwei Jahren mal ohne Bohlen in der DSDS-Jury und mit einem softeren Ansatz probierte, brachen die Zuschauerzahlen ein. Mit seiner Rückkehr stiegen die Quoten wieder – zusammen mit den üblichen Demütigungen von Teilnehmer:innen und teilweise grobem Sexismus. In der aktuellen Staffel warf Bohlen etwa der Kandidatin Jill Lange entgegen: "Hast du irgendwas Normales gemacht? Oder hast du nur Abi und dich durchnudeln lassen?" Jury-Kollegin Katja Krasavice gab Kontra, bald darauf entbrannte ein handfester Streit zwischen den beiden.

Der Sender verteidigte Bohlens Verhalten zunächst. Eher widerwillig schnitt RTL den Satz aus der Free-TV-Version, die komplette Szene war nur auf dem Streaming-Dienst RTL+ zu sehen. RTL gestand den "Fehler" später ein. Aber Verhalten dieser Art ist offensichtlich erwünscht.

Im Rückblick wirkt die Rückhol-Aktion von Dieter Bohlen wie ein Trojanisches Pferd: RTL schmuggelte den "Pop-Titan" unter dem Vorwand, es sei ja nur für die letzte Staffel, zurück in die Show. Was tut man nicht alles unter dem Einfluss von Sentimentalität. Jetzt ist er wieder da. Aber für immer.

In der DSDS-Zukunft droht die absolute Bohlen-Narrenfreiheit

Eine bessere Bestätigung als die Verlängerung der Show hätte sich der einst vom Hof gejagte Bohlen kaum wünschen können. Er darf sich nun als Retter von DSDS rühmen. Die Abfolge der Ereignisse festigt zudem die Narrenfreiheit des Mannes, den RTL vor zwei Jahren noch unbedingt hatte loswerden wollen. Und das ja vollkommen zurecht!

Bohlen hat sich nicht geändert und wird sich nicht ändern. Wie will RTL ihm in Zukunft Einhalt gebieten, wenn die Existenz der Show derart an seine Beteiligung und letztlich sein toxisches Verhalten geknüpft ist? Wie will der Sender ihn bremsen und sich künftig glaubhaft distanzieren, wenn er offenbar für ein paar Quotenbröckchen bereit ist, Bohlens Verhalten zu dulden? Wird RTL einschreiten, wenn 2024 die nächste Jill Lange vor Bohlen steht und sich Kommentare über ihr Sex-Leben anhören muss? Schwer vorstellbar. Solange Dieter Bohlen dabei ist, bleiben Frauenfeindlichkeit und die Abwertung von Schwächeren der Normalfall bei DSDS. Mit der Fortführung der Show in dieser Form sendet RTL ein entsetzliches Signal.

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Es stimmt natürlich: RTL füllt zwischen Januar und Mai, wenn die Show läuft, etliche Programmstunden mit DSDS. Der endgültige Ausfall würde ein gewaltiges Loch hinterlassen. In Zeiten generell sinkender Quoten ist die Entscheidung nachvollziehbar. Mittelfristig hilft DSDS dem Sender. Wie viel aber RTL für diese Entscheidung wirklich zurückbekommt, ist fraglich. Die Zuschauerzahlen der laufenden Star-Suche sind zwar höher als im Vorjahr ohne Dieter Bohlen. Sie liegen aber weit unter  allen anderen Bohlen-Staffeln davor.

Der Trend zeigt also auch mit dem sogenannten Pop-Titan nach unten. In die Zukunft schaut der Sender aber ohnehin nicht. Das hat er mit der Wiederbelebung des Show-Zombies DSDS eindrücklich bewiesen.

Derzeit läuft die 20. Staffel DSDS bei RTL und RTL+. Die Live-Shows haben begonnen. In der Jury neben Dieter Bohlen sitzen Pietro Lombardi, Katja Krasavice und die Sängerin Leony.

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