The Suicide Squad ist nicht besser als der erste Teil – und Marvel ist daran schuld

The Suicide Squad - Trailer 2 (English) HD
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© Warner Bros.
The Suicide Squad
07.08.2021 - 09:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Der neue Suicide Squad-Film hätte ein anarchisch-brutales Fest sein sollen. Leider lässt sich James Gunn zu sehr von seiner Marvel-Formel leiten und verweichlicht den DC-Exzess.

Achtung, es folgen Spoiler zu The Suicide Squad: Die erste Suicide Squad-Verfilmung von 2016 war ein Desaster. Das lag vor allem daran, dass die Vision von Regisseur David Ayer auf die Vorgaben des Studios prallte. Am Ende wurde ein komplett zerschnittener Film in die Kinos gebracht, der mehr Trailer-Mischmasch als zusammenhängendes Gesamtwerk war.

Die Freude war groß, als dann angekündigt wurde, dass ausgerechnet Marvel-Regisseur James Gunn die Regie für einen neuen Suicide Squad-Film übernehmen würde. Der Filmemacher hat mit den bisher zwei Guardians of the Galaxy-Teilen die ideale Mischung aus Verschrobenheit und Herz geschaffen, während seine Vergangenheit in der politisch unkorrekten Troma-Schmiede perfekt zum derben Ton der Suicide Squad-Truppe passt.

Umso größer war meine Enttäuschung, dass der Zusammenprall dieser beiden Welten (Marvel und DC) letztlich dafür gesorgt hat, dass The Suicide Squad ein extrem durchwachsener, unentschlossener Blockbuster geworden ist, der den ersten Teil kaum ausgleicht.

The Suicide Squad kann sich nicht zwischen Härte und Herzlichkeit entscheiden

Der neue DC-Film von James Gunn beginnt mit einem Paukenschlag, wenn die erste Antiheld:innen-Truppe auf einem Himmelfahrtskommando am Strand gleich in den ersten 15 Minuten brutal abgemetzelt wird.

Schaut hier noch einen deutschen Trailer zu The Suicide Squad:

The Suicide Squad - Trailer (Deutsch) HD
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Damit hat The Suicide Squad aber schon einen frühzeitigen zynischen Höhepunkt erreicht, an den der Rest des DC-Films kaum noch anknüpfen kann. Die vielen zerrissenen Körper, platzenden Köpfe und anderen Splatter-Einlagen verpuffen zunehmend in überzeichnetem Comic-Splatter. Dabei wird das finstere Herz der Suicide Squad-Comics zugunsten von sympathischen Antiheld:innen statt unberechenbar-verstörenden Psychos geopfert.

Gunn verlässt sich vielmehr auf die Marvel-Formel seiner Guardians of the Galaxy-Filme und verpasst den Figuren auch hier wieder möglichst emotionale Hintergrundgeschichten und viele sympathische Charaktereigenschaften.

Bloodsport (Idris Elba) bekommt eine Vater-Tochter-Geschichte angedichtet. Und mit Cleo Cazo aka Ratcatcher 2 (Daniela Melchior) hat er fast schon eine Art Ziehtochter im Team, während beide aufeinander aufpassen wollen. Selbst der Polka Dot-Man (David Dastmalchian), den James Gunn als dümmste DC-Figur aller Zeiten  bezeichnet hat, wird zum liebenswürdig-verschrobenen Außenseiter.

Schaut hier auch unser Spoiler-Video zu The Suicide Squad:

The Suicide Squad: Wer stirbt? Wer lebt? | Spoiler Talk
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Durch die bemühte Warmherzigkeit gegenüber den Figuren fühlt sich The Suicide Squad spätestens nach der obligatorischen Szene, in der alle zusammen in der Bar abhängen, so an, als würden wir hier guten, etwas abgefahrenen Freunden bei einem ausgelassenen Trip zuschauen. Von verstörenden Abgründen und moralischer Verkommenheit der DC-Vorlage bleibt nur noch wenig übrig.

James Gunn lässt sich zu sehr von seiner Marvel-Schablone leiten

Der Abschnitt, in dem das Team aus Versehen ein ganzes Lager friedlich gesinnter Rebell:innen abmurkst, ist zum Beispiel noch einer dieser zynischen Lichtblicke, die dem DC-Film sonst fehlen.

Stattdessen verlässt sich James Gunn auf das Erfolgsrezept seiner Guardians of the Galaxy-Filme, in denen "schwierige" Außenseiter möglichst sympathisch zu einem mehr oder weniger gut zusammen funktionierenden Team verschweißt werden. Am offensichtlichsten ist da auch King Shark, den Gunn mit der Stimme von Sylvester Stallone wie einen neuen Groot zur Instant-Kultfigur machen will.

King Shark in The Suicide Squad

Insgesamt fühlt sich The Suicide Squad sehr stark wie ein neuer Marvel-Film an. Nur, dass der von DC stammt und Massentauglichkeit gegen ein ultrabrutales R-Rating tauscht, bei dem die überzogene Gewaltdarstellung schnell ihre Wirkung verliert. Am Ende ist die aufregende Wahl des Regisseurs zum größten Problem des Blockbusters geworden.

Naja, vielleicht kommt ja irgendwann doch noch der Ayer-Cut von Suicide Squad.

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