Staffel 2 bei Netflix

The Expanse - Warum jeder Sci-Fi-Fan diese Serie sehen muss

The Expanse
© Syfy
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sciencefiction Andrea Wöger
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Netflix meint es derzeit sehr gut mit uns Science-Fiction-Fans. Nach dem feministischen Endspiel der Klon-Serie Orphan Black im August holt Netflix nun endlich die 2. Staffel The Expanse und in knapp zwei Wochen auch die erste Entdeckungstour von Star Trek: Discovery nach Deutschland. An Action im All mangelte es dieses Jahr im Kino dank Alien: Covenant, Guardians of the Galaxy Vol. 2, Life und zuletzt Valerian - Die Stadt der tausend Planeten ebenso keineswegs. Der Weltraum ist wieder in, Raumschiffe sind das neue Must-Have-Setting in jeder Studio-Kollektion. Nach den hyperrealistischen Ansätzen von Gravity und Der Marsianer schien es die letzten Jahre beinahe so, als traue sich Science-Fiction in Hollywood nicht mehr, Fiktion zu sein. Ein trotziges Kind, das endlich ernst genommen werden will. Mit der erfolgreichen Wiederbelebung der verspielten Welten von Star Trek und Star Wars ist Aufbruchsstimmung zu spüren, die auch The Expanse versprüht. Eine Serie, die jeder Sci-Fi-Fan gucken sollte.

Eine Welt, der man sich nicht entziehen kann

Nach dem Finale von Twin Peaks: The Return frage ich mich zwar, warum ich jemals wieder eine andere Serie schauen sollte. Die Messlatte ist eh zu hoch. Staffel 2 von The Expanse wird mein Wohnzimmer am Wochenende dennoch erhellen. Denn die 1. Staffel der Serie vollbringt etwas, das Science-Fiction, vor allem im Weltraum, nur selten in solchem Maße gelingt: spannendes World Building, eine originelle Zusammenführung von eingängigen Charakteren, komplexer Zukunftswelt, angereichert mit Horror-Elementen und einer Geschichte, die jederzeit unaufdringlich spüren lässt, dass erst an der Oberfläche gekratzt wird. Das ist zu weiten Teilen sicherlich der umfassenden Vorlage in Form von bisher sechs Romanen zu verdanken, die als The Expanse-Reihe zusammengefasst werden.

Der publizierende Verlag Orbit Books hat das Expanse-Autoren-Duo James S.A. Corey (Daniel Abraham und Ty Franck) für insgesamt neun Bände unter Vertrag. Stoff für über ein Dutzend Staffeln ist also vorhanden. Die 1. Staffel umfasst gerade einmal die Hälfte des 1. Buches Leviathan erwacht. Das Buch wird abwechselnd aus der Perspektive von Raumschiff-Captain Jim Holden und Detective Miller erzählt. Die Serie fügt in der 1. Staffel bereits als überaus spannend dritte Hauptfigur eine irdische Politikerin hinzu.

Zum Glück nicht wie Game of Thrones

Bevor ich The Expanse auf dem Schirm hatte, wort- und sprichwörtlich, hörte ich Dinge wie, die Serie sei ein Game of Thrones im Weltraum und das machte mir Angst. Ich erwartete übermäßig unnötiges Fan-Pleasing und unangenehm überspitzte Bösewichte. Ja, in The Expanse wird viel geredet und ja, ab und an wird auf den Schockeffekt abgezielt, getreu der Buchvorlage, doch ansonsten ist es lediglich das epische Ausmaß der zugrunde liegenden Romane, das sich wie bei (den ersten sechs Staffeln) Game of Thrones in jedem Dialog und Set-Piece erfühlen lässt. The Expanse konzertriert sich aber auf eine überschaubare Anzahl an Figuren, auch wenn sich die Serie Zeit lässt damit, sich in die Karten schauen zu lassen.

Vom Look her schwankt die Hard Sci-Fi-Verfilmung zwischen Pulp-Magazin und Hochglanz-Zeitschrift. Das Geld für die ganz beeindruckende Kulisse war sichtbar nicht immer vorhanden. Das führt zu so halbgaren Faziten wie "Die Serie muss sich nicht verstecken". Ich würde zusätzlich sagen, die beinahe schmierige Künstlichkeit schmiegt sich an die unvorhersehbare Erzählweise, die zwar ab und an einen roten Faden durchscheinen lässt, doch rundherum wuchern die Ideen. Sie wuchern unaufhaltsam wie die mysteriöse Gefahr aus den Untiefen des Alls, die in Staffel 1 in Atem hält.

Vordringen ins Ungewissen

Um noch einmal auf Twin Peaks: The Return zu sprechen zu kommen. David Lynchs Revival driftete diesen Sommer in angehender Unerreichbarkeit ins Unbewusste ab und erforschte eine Welt, die befremdlicher und andersartiger nicht sein könnte. Insofern trifft er den Nerv der Zeit, auf seine ganze eigene Art. Wie auch bei jeder guten Science-Fiction-Serie muss ins Ungewisse vorgedrungen werden, das man irgendwann nur noch intuitiv verstehen kann. Ganz selbstverständlich entfaltet sich auch der Plot von The Expanse, der - nicht immer greifbar - Persönlichkeiten, ihre inneren Dämonen und das Drama, das sie mit sich bringen, einfängt. Zusammengeführt zu einer sehr persönlichen Krimi-Rache-Geschichte, zumindest anfänglich, die sich über mehrere Planeten erstreckt, mit einer guten Portion Brutalität. Bei aller Erzählung und Welt-Etablierung fühlt sich die Serie nie überladen oder aufdringlich an, die Faszination des Fremden ist allgegenwärtig, treibt den Plot und unsere Neugier voran, auch wenn The Expanse in formaler Eigentümlichkeit gern noch zulegen darf.

Ob die ungenannten Monster, die in The Expanse in allen Schatten und dem stummen Weltall lauern, aus uns heraus kommen und in uns hineinwollen, bleibt ungewiss, zumindest vorerst. So ist die 2. Staffel The Expanse die perfekte Serien-Ergänzung zum baldigen Start von Star Trek: Discovery, ein Franchise, das immer schon am Guten im Menschen und einem positiven Entdeckergeist als Berufszweig festhielt. Bunt und progressiv. The Expanse gibt sich gern düster, als Ort, wo politisch angespannte Welten kaum noch einen Funken Andersartigkeit vertragen und kleine Leute in eine viel zu große Sache stolpern. Sowohl Bücher als auch Verfilmung teilen eine Geschichte, die man in Wort und Bild gleichermaßen aufsaugen kann. Science-Fiction-Fans sollten beides tun.

Wie fandet ihr die 1. Staffel von The Expanse? Kennt ihr die Bücher?

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