Sucker Punch - Now fight!

09.11.2013 - 08:50 UhrVor 10 Jahren aktualisiert
Sucker Punch - Now fight!
moviepilot/Warner Bros.
Sucker Punch - Now fight!
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Kaum ein Film spaltet die Gemüter auf dieser Seite bis heute so sehr wie Sucker Punch. Der heutige Kommentar der Woche gehört zu jenen, die Zack Snyders Overkill etwas abgewinnen können.

Im Kommentar der Woche versuchen wir jede Woche einen eurer zahlreichen Kommentare zu feiern, egal ob kurz oder ausführlich, alt oder neu, zu einer Person, einem Film, einer Serie oder einer News – die Voraussetzungen für den Kommentar der Woche kann theoretisch jeder Kommentar erfüllen. Wenn ihr über einen gestolpert seid, der euch besonders gut gefallen hat, schlagt ihn uns vor, am besten per Nachricht.

Der Kommentar der Woche
Oh, Zack Snyder! Du Slow-Motion-Fan und großer Spalter! Sucker Punch ist dein vielleicht polarisierendster Film. Grimalkin hast du jedenfalls begeistert, aber lass dir das am besten direkt von ihm sagen:

Hallo Zack, mein alter Freund, vorweg, leichtere SPOILER VORAUS, aber was red’ ich? Du als Regisseur kannst natürlich bedenklos weiterlesen. Nun zum Wesentlichen: Erinnerst du dich noch an unsere erste Begegnung? Es war 300, eine Schlachtplatte voller Action, ein Stylefest, eine Coolness-Orgie. Dieser Stil hat dich in deiner Laufbahn geprägt, aber vor allem hat er bei mir, dem Zuschauer Spuren hinterlassen. Ich habe mir nun “Sucker Punch” angesehen. Ich kannte den Trailer schon seit langer Zeit und dachte mir, dass ich wegen der herausragend inszenierten Action gekommen sei und dass ich genau das geboten bekomme…

Wie habe ich mich getäuscht; wie bin ich in deine Falle getappt. Ich, der Filmfreund, der sich auch gerne hin und wieder mit Hirn-aus-und-ab-die-Post-Filmen berieseln lässt. Doch dann triffst du mich ganz unvermittelt in die Magengrube und stößt mich mit der Nase in meine eigene Dekadenz, der ich mir nicht in diesem Maße bewusst war. Du lockst mich hierher und zeigst mir schöne Bilder, doch plötzlich erkenne ich. Ja, ich sehe, was du meinst. Es ist der Overkill. Sexy Mädchen, Katanas, Samurai, Zombiesoldaten, Maschinengewehre, Orks, Drachen, Roboter; immer mehr, immer schneller, immer stylischer! Du zeigst mir Prinzipien wie “Everything looks cool in slow motion!” und “Cool guys (hier: girls) don’t look at explosions!” Du treibst es auf die Spitze, haust mir ein Klischee nach dem anderen um die Ohren und fütterst mich in diesen fantastischen Episoden, während Babydoll tanzt, mit mehr Kuchenstücken als ich schlucken kann, um mir die eigene Völlerei bewusst zu machen.
Und auf einmal wache ich auf und sehe sie: Die Wahrheit.

Es sind kalte Wände und verschlossene Türen. Doch was bin ich? Ich pflanze mich tagein, tagaus in den Sessel und sehe mir Filme zum Genuss an wie der Bürgermeister die tanzenden Mädchen der Anstalt. Wie konnte ich nur die Übersättigung nicht bemerken? Die Shows, die auf der Bühne stattfinden, das sind die Filme, die Mädchen sind gut, doch sie müssen sich fügen, denn der schmierige Blue hat sie in seiner Hand. “It’s business”, sagt er wie ein Produzent. Junge Talente sind seine Produkte. Triff den Geschmack der Kunden und das Geld fließt.

Doch da ist ja noch Babydoll. Auf den ersten Blick ein Mädchen wie jedes andere und doch steckt irgendetwas Besonderes in ihr. Ich blicke in ihre Augen und erkenne dich, mein lieber Zack, denn auch du tanzt; auch deine Tänze sehen sich viele Leute an, um anschließend mit leichteren Brieftaschen nach Hause zu gehen. Jeder Auftritt ist für dich ein kleines Stückchen Freiheit, während du in Wahrheit immer noch in einer Anstalt hockst, die so liebevoll Traumfabrik genannt wird. Dort träumst du von Zombieepidemien, vom letzten Widerstand Spartas, von tapferen Eulen und von ambivalenten Superhelden. Auch du hattest einen Fluchtplan. “Sucker Punch” sollte dieser Ausweg heißen.

Am Ende (SPOILER!) jedoch wird mir bewusst, dass es dir nicht darum geht. Es ist nicht deine Geschichte, es ist unsere. Du musst das Opfer erbringen und in einem letzten Traum spricht der High Roller, der Lobotomist, von einer Sehnsucht nach Wahrheit, einer Abkehr vom Fake um des Publikums willen. Ironischerweise ist genau diese mehr als fünf Minuten lange Szene in der Kinoversion nicht vorhanden – um des Publikums willen.
Danach ist es vorbei. Dann erwischt es dich und während ich diese Worte schreibe, hat dich die Traumfabrik endgültig lobotomisiert. Mit leerem Blick und gefügigem Lächeln geht dein trauriger Alltag weiter. Dein nächster Bühnenauftritt steht bald an, er heißt Man of Steel. Mensch, was werden die Leute klatschen.

Und Augenblicke bevor der Abspann läuft, fragst du mich:
“Who sends monsters to us and at the same time sings that we’ll never die? Who teaches us what’s real and how to laugh at lies? Who decides why we live and what we’ll die to defend? Who chains us and who holds the key that can set us free?
It’s you.
You have all the weapons you need. Now fight!”

Den Kommentar findet ihr übrigens hier.

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