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Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers ist eine riesige Enttäuschung

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© Disney
Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers
19.12.2019 - 18:30 UhrVor 10 Monaten aktualisiert
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Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers wurde heiß erwartet. Leider entpuppt sich der finale Teil der Saga als generischer, von Nostalgie abhängiger Blockbuster.

Endlich ist es soweit: Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers läuft in den deutschen Kinos. Der mit Spannung erwartete Blockbuster ist dabei nicht nur das Finale von Disneys Sequel-Trilogie, sondern auch der große Abschluss der Skywalker-Saga, die vor 42 Jahren mit Krieg der Sterne ihren Anfang nahm.

Für Disney war es ein prestigeträchtiges Projekt, das auf keinen Fall schief laufen durfte. Nachdem Rian Johnson mit Star Wars 8: Die letzten Jedi die Gemüter spaltete, ging der Konzern keine Experimente ein und engagierte nach einigem Hin und Her erneut J.J. Abrams als Regisseur. Ein Fehler, denn Star Wars 9...

  • ... bringt kaum frische Ideen ein und das Franchise zum thematischen Stillstand.
  • ... verlässt sich mal wieder zu sehr auf Fanservice und Blockbuster-Klischees.
  • ... schafft kein glaubwürdiges Umfeld für seine eigentlich sehr interessanten Figuren.

Star Wars kann so viel mehr sein als ein Unterhaltungsprodukt

Das Star Wars-Universum bietet in der Theorie schier grenzenlose Möglichkeiten. Es könnte eine Spielwiese für jeden Filmemacher sein und so ziemlich jedes noch so schwierige Thema ließe sich in hübscher Blockbuster-Aufmachung massentauglich verarbeiten.

Doch Star Wars 9-Regisseur J.J. Abrams erstarrt in Ehrfurcht vor der Saga. Anders als George Lucas oder sogar Rian Johnson besitzt er keine eigene Vision, sondern ist eher ein zahmer Dienstleister für Disney.

Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Was mich an George Lucas' Filmen schon immer fasziniert hat, waren die wertvollen philosophischen Ansätze, die in seinem eigentlich sehr simplen Weltraumepos verwoben waren. Seine Gedanken zwar nie sonderlich komplex, aber in ihrer Einfachheit genial. Die Prequels wurden dann erst so richtig politisch und verliehen der Reihe eine neue Deutungsebene.

Auch Rian Johnson brachte mit Episode 8 eine klare Haltung ein. Seine Dekonstruktion des Heldenmythos um Luke Skywalker ist eine wertvolle Reflektion über die taoistisch angehauchte Philosophie der Jedi, die uns George Lucas mit bunten Lichtschwerten leicht bekömmlich einfuchtelte. Außerdem dient sie als Kritik an einem Fantum, das sich nur an der Vergangenheit orientiert.

Star Wars 9 bietet keine neuen Motive

Star Wars 9 fehlen diese originellen Ansätze. Wie so oft seit der Übernahme Disneys und ganz besonders bei den Filmen von J.J. Abrams herrscht Stagnation statt Innovation. Alte Motive werden nur wiederholt, aber kaum erweitert. Der Aufstieg Skywalkers ist dabei so simpel wie die Original-Filme, doch bei einem neunten Teil einer Reihe sorgt dieser thematische Stillstand für Langeweile.

Die eigentliche Kernbotschaft des Films lautet: Erinnert ihr euch noch an Star Wars? Schaut her, wir machen das nochmal!

Der Fanservice von Episode 9 zerstört die Immersion

Ich fühle mich als Zuschauer nicht ernst genommen, wenn ich ständig mit substanzlosem Fanservice bombardiert werde. Einige dieser Momente funktionieren zwar sehr gut und beim Abschluss der Saga ist ein bisschen Schwelgen in der Vergangenheit erlaubt. Doch Star Wars 9 übertreibt es damit so sehr, dass ich als Zuschauer nicht in die Geschichte eintauchen kann, weil ich ständig merke, wie der Film versucht, mich mit billigen Tricks zu manipulieren.

Der Todesstern in Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Allein der Ausgangspunkt, also die Rückkehr des Imperators, ist so schlecht in die Handlung integriert (dazu später mehr), dass er wie ein willkürlicher Nostalgie-Trigger wirkt. Das strategische Kalkül von Disney dominiert den Film und lenkt von der eigentlichen Geschichte ab.

Episode 9 leidet aber nicht nur an typischen Star Wars-, sondern auch an allgemeinen Hollywood-Klischees, die es mir noch schwerer machen, mich auf das Abenteuer einzulassen. Bevor ich damit fortfahre, hier erstmal eine Spoiler-Warnung.

Achtung, ab jetzt folgen Spoiler zu Star Wars 9!

Der Aufstieg Skywalkers leidet an Blockbuster-Klischees

Im Verlauf von Star Wars 9 werden immer wieder vermeintliche Tode inszeniert, die dann aber doch nicht durchgezogen werden. Tatsächlich dachte ich kurz, Rey hätte durch ein Versehen ihren Freund Chewie getötet. Doch wagt es der Film nicht, ein solch charakterprägendes Ereignis voll durchzuziehen.

Anthony Daniels als C-3PO in Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Ähnlich verläuft es später mit dem gelöschten Gedächtnis von C-3PO, das dann doch durch R2-D2 wiederhergestellt werden kann, obwohl der goldene Droide diese Möglichkeit zuvor explizit ausgeschlossen hat. Welch tragische Figur C-3PO doch gewesen wäre, hätte er sich nicht mehr an all die Abenteuer mit seinen Freunden erinnert, die er seit Episode 4 erlebt hat.

Doch Star Wars 9 macht auch diese mutige Entscheidung rückgängig und lässt damit viel emotionales Potential liegen. Ich habe ja nichts dagegen, dass C-3PO und Chewie Star Wars 9 unversehrt überstehen.

Aber dass erst so getan wird, als würde ihnen etwas Schreckliches zustoßen, und dann ist doch wieder alles okay, ist einfach feige, manipulativ und für jeden, der schon eine hohe Anzahl an Hollywood-Blockbustern gesehen hat, mittlerweile nur noch nervig.

Star Wars 9 setzt den völlig falschen Fokus

Abgesehen von den oben genannten Momenten, geht Star Wars 9 sehr gut mit den einzelnen Helden um. Es macht grundsätzlich Spaß, Rey, Finn und Poe miteinander agieren zu sehen und ich wünschte mir so sehr, ihr Widerstand gegen die Erste Ordnung hätte mich emotional gepackt. Doch leider kümmert sich Star Wars 9 nicht darum, ein glaubwürdiges Szenario um seine Figuren herum aufzubauen.

Daisy Ridley in Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers

Die Helden verschwenden in einem ohnehin schon gehetzten Film viel zu viel Zeit damit, einem MacGuffin (Gegenstand, der nur dazu dient, die Handlung voranzutreiben) hinterherzujagen. Der Film vergisst dabei, zu erklären, wie der Imperator überhaupt überleben konnte und woher er all die schier endlosen Ressourcen und Mitstreiter hat, um seinen Angriff umzusetzen.

Die gesamte Bedrohung in Episode 9 kommt aus dem Nichts und wirkt nicht wie die logische Folge aus den Filmen zuvor. Wenn die wohl größte Flotte der Star Wars-Geschichte einfach so auftaucht, dann fällt es mir schwer die Bedrohung überhaupt ernst zu nehmen.

Star Wars 9 ist leider nur ein generischer Blockbuster, der dringend nötige Erklärungen vermissen lässt, die philosophischen Ansätze seiner Vorgänger nicht weiter denkt und sich verzweifelt an die Vergangenheit klammert. Vom großen Finale der Skywalker-Saga habe ich mir mehr erhofft.

Was haltet ihr von Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers?

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