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Sexskandalfilme im Wandel der Zeit - Teil 3

Softpornos und Perversion in den 1980ern

29.11.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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© MGM
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Letzte Woche sind die 1970er als ein sexuell befreites und tabuloses Jahrzehnt vorbeigezogen, diese Woche sieht das schon ein bisschen anders aus. Die 1980er waren ein kontrastreiches Jahrzehnt, in dem sowohl Softpornos als auch härtere sexuelle Gangarten im Kino gut ankamen.

Anders als die 1970er waren die 1980er Jahre zwar auch von massiven gesellschaftlichen Einschnitten und Umwälzungen bestimmt, allerdings zerstreute sich allmählich der Optimismus und Liberalismus des vorangegangen Jahrzehnts. Während in den USA ab 1981 die Politik unter Ronald Reagan eine konservative Leitlinie anstrebte, sah sich das geteilte Deutschland noch immer an unmittelbarer Front dem Kalten Krieg ausgeliefert. Das damit einhergehende atomare Wettrüsten auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs und die Kernkraftwerk-Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 schürten vermehrte Unsicherheiten in der Bevölkerung.

Mit dem Aufkommen von AIDS als lebensbedrohliche Krankheit wurde der vorangegangen sexuellen Freizügigkeit ein massiver Dämpfer verpasst und die Paranoia vor Ansteckung machte sich breit. Während sich bei der Jugend ein zweigeteilter Trend in Richtung koksende Yuppie-Dekadenz oder desillusionierte „No Future“-Attitüde beobachten lassen konnte, waren die 1980er jedoch auch eine Sternstunde der Popkultur. Am 1. August 1981 erblickte MTV das Licht der Fernsehwelt und krönte seinen fulminanten Auftritt mit „Video Killed the Radio Star“ von den Buggles, das als erster Clip von dem Sender ausgestrahlt wurde. Auch PCs und Spielekonsolen erfreuten sich zunehmender Popularität und Verbreitung. Ähnlich ging es modischen Innovationen wie gigantischen Schulterpolstern, Pudel-Dauerwellen und Nackenspoilern, die heute allerdings nur noch bei Bad-Taste-Parties wieder aufgegriffen werden.

Ein Revival der Zärtlichkeit
Nachdem durch das Rückbesinnen auf konservative Werte die Sexploitation-Welle der vorangegangenen Dekade wieder abgeflaut war, setzte das Mainstreamkino zunächst auf eine Bildsprache der neuen Zärtlichkeit. Während Erotikkomödien und Softpornos wie Eis am Stiel oder Emanuelle – Alle Perversionen dieser Welt aus den 1970ern sich weiter fortsetzten, kam 1980 mit Die blaue Lagune ein softpornografischer Meilenstein in die Kinos: Emmeline (Brooke Shields) und Richard (Christopher Atkins) stranden im Kindesalter auf einer einsamen Insel und machen in ihrer späteren Pubertät gemeinsam ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Obwohl die beiden Hauptfiguren als Cousin und Cousine eingeführt werden, sorgte der Film nach seiner Veröffentlichung bei vielen Heranwachsenden für feuchte Träume und Unterhosen. Ebenfalls 1980 erschien außerdem Dressed to Kill von Brian De Palma, der für seine Vorliebe für Dusch-Erotik bekannt ist und seine Hauptdarstellerin Angie Dickinson in der Eingangsszene lustvoll masturbieren ließ.

Stalking und Besessenheit
Das Thema der sexuellen Abhängigkeit, das wir bereits in der vergangenen Woche angeschnitten hatten, wurde 1986 mit 9 1/2 Wochen von Adrian Lyne wieder aufgegriffen. Eine überaus attraktive Kim Basinger und ein damals noch nicht durch zahlreiche Boxkämpfe entstellter Mickey Rourke lassen sich auf ein sexuelles Verhältnis ein, bei dem eindeutig er alle Fäden in der Hand hält. Obwohl der Film damals nur mäßigen Anklang fand und sogar für die Goldene Himbeere nominiert wurde, haben die Bilder von ausschweifender Lebensmittelerotik und einer zu „You Can Leave Your Hat On“ tanzenden Kim Basinger heute Kultcharakter.

Regisseur Adrian Lyne knüpfte bereits ein Jahr später an das Motiv des sexuellen Machtgerangels an und legte mit Eine Verhängnisvolle Affäre nochmal ordentlich nach, als der treusorgende Ehemann Dan Gallagher (Michael Douglas) mit seiner Arbeitskollegin Alex (Glenn Close) ein Verhältnis beginnt. Als er die Affäre beenden will, entpuppt sich Alex zu seinem Pech jedoch als wahnsinnige Stalkerin, die ihm fortan das Leben zur Hölle macht.

Von Mutterkomplexen und Nekrophilie
Noch psychotischer und sexuell gewalttätiger ging es 1986 allerdings in David Lynchs Klassiker Blue Velvet zu: Der brave Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) lässt sich auf die Prostituierte Dorothy (Isabella Rossellini) ein und gerät dabei ins Visier ihres durchgedrehten Freiers Frank (Dennis Hopper), der hauptsächlich auf ödipale Rollenspiele abfährt. Unvergessen bleibt dabei der Moment, als Dennis Hopper sich im Rausch der Ekstase die Atemmaske überstülpt, während er mit Blick auf Isabella Rossellinis gespreizte Schenkel nach seiner „Mommyyyy“ winselt.

Ein Jahr später gelang es allerdings dem deutschen Filmemacher Jörg Buttgereit die Darstellung abnormer Sexualpraktiken noch zu toppen. In Nekromantik zelebriert das Paar Robert und Betty seine Liebe zum Tod, als Robert zunächst immer wieder Leichenteile nach Hause bringt und bald darauf sogar eine ganze Leiche anschleppt, mit der sich schließlich eine bizarre Dreiecksbeziehung entspinnt.

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