Chaos Walking: Das Kino meldet sich mit einem seltsam faszinierenden Sci-Fi-Blockbuster zurück

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Chaos Walking
19.06.2021 - 08:30 UhrVor 15 Tagen aktualisiert
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Der Science-Fiction-Blockbuster Chaos Walking mit Daisy Ridley und Tom Holland hat eine extrem chaotische Entstehungsgeschichte hinter sich. Das Ergebnis ist dafür umso faszinierender geworden.

Nach und nach öffnen in Deutschland die Kinos wieder. In den kommenden Wochen kommen wir endlich in den Genuss der Filme, auf die wir seit Monaten warten, angefangen beim Mega-Monster-Brawl Godzilla vs. Kong über den Marvel-Nachschlag Black Widow bis hin zum jüngsten Leinwandausflug der Fast & Furious-Familie. Und dann wäre da noch Chaos Walking, der größte Außenseiter der Blockbuster-Welle, die auf uns zurollte. Seit Donnerstag läuft er in vereinzelten Kinos.

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Eine Dekade lang schmorte der Science-Fiction-Film mit Daisy Ridley und Tom Holland in der Entwicklungshölle. Es gleicht einem Wunder, dass er es hierzulande überhaupt noch auf die große Leinwand schafft. Dort gehört er definitiv hin: Chaos Walking ist sicherlich kein perfekter Film, dafür aber ein umso faszinierender. Gerade nach einer langen Kinopause wie dieser, bereitet es unheimlich viel Freude, sich in eine dermaßen eigenwillige Filmwelt zu stürzen.

Chaos Walking ist eine ungewöhnliche Kinoerfahrung

Auf den ersten Blick wirkt das Sci-Fi-Abenteuer wie ein typischer Hollywood-Blockbuster: Chaos Walking wartet mit zwei Stars auf, die aktuell nicht mainstreamiger sein könnten. Daisy Ridley führte als Rey Skywalker in den vergangenen Jahren die neuen Star Wars-Trilogie an. Tom Holland schwingt regelmäßig als Spider-Man durchs Marvel Cinematic Universe. Um einen Geheimtipp kann es sich bei solch großen Namen nicht handeln.

Hier könnt ihr euch den Trailer zu Chaos Walking anschauen:

Chaos Walking - Trailer (Deutsch) HD
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Die Eigenwilligkeit von Chaos Walking kommt erst zum Vorschein, wenn wir in die Welt des Films eintauchen. Plötzlich finden wir uns auf einem fremden Planeten in einer weit entfernten Zukunft wieder. In der Ortschaft Prentisstown leben nur Männer – und wir können jeden einzelnen ihrer Gedanken hören. Mehr noch: Chaos Walking visualisiert die Gedanken als schimmernde Schleier, die aus den Köpfen hervorkommen.

Das Konzept geht auf die gleichnamige Romanvorlage von Sieben Minuten nach Mitternacht-Autor Patrick Ness zurück und erfordert einiges an Offenheit und Gewöhnung. Bereits die Einführung des Helden Todd Hewitt (Tom Holland) ist eine Herausforderung an sich. Ununterbrochen kommentiert er seine Erlebnisse aus dem Off, während der Gedankenschleier pulsierend seinen Körper erweitert.

Als Todd auf die geheimnisvolle Viola (Daisy Ridley) trifft, kann er seine Gedanken gar nicht mehr ordnen. Noch nie in seinem Leben hat er ein Mädchen gesehen. Frauen existieren in Prentisstown nicht. Violas Ankunft setzt eine Reihe unerwarteter Ereignissen in Gang.

Chaos Walking ist sehr seltsam – und sehr konsequent dabei

Chaos Walking entpuppt sich somit gleich zu Beginn als nervöse Kinoerfahrung. Die Bild- und Tonebene des Films wartet mit gleich zwei irritierenden Elementen auf, die völlig entfesselt in die gewohnten Seh- und Hörgewohnheiten grätschen. Dadurch prasseln zahlreiche zusätzliche Eindrücke auf uns ein. Hingebungsvoll verschreibt sich Chaos Walking dem ungewöhnlichen Konzept – und das ist bemerkenswert.

Chaos Walking

Wundersame Science-Fiction-Welten gibt es viele im Kino zu entdecken. Selten werden die Eigenheiten dieser Welten dermaßen konsequent durchgezogen wie in Chaos Walking. Bis zum Schluss hält der Film an seinen kreativen Entscheidungen fest und findet seinen eigenen Rhythmus. Nach anfänglicher Irritation ermöglicht der Lärm eine geradezu immersive Erfahrung: Auch als Zuschauenden können wir ihm nicht entkommen.

Für Edge of Tomorrow-Regisseur Doug Liman sind die ausgesprochenen und abgebildeten Gedanken mehr als ein Gimmick: Er nutzt sie als erzählerisches Mittel, um uns mehr über die dystopische Welt zu verraten. Die Stimmung der Bevölkerung von Prentiss kommt nicht nur durch misstrauische Blicke zum Vorschein. Die Gedanken, die die Männer verzweifelt verstecken wollen, offenbaren stückweise noch ganz andere Abgründe.

Tom Holland wuselt sich durch eine spannende Sci-Fi-Vision

Wir können tief in die Seelen dieser verlorenen Männer blicken, die sich anstelle des erhofften Paradieses in einer schlammigen, freudlosen Feudalgesellschaft wiederfinden und jeden Tag ums Überleben kämpfen. Aufgrund ihres entblößten Inneren versinken sie in einem tiefen Loch aus Scham und Erbärmlichkeit. Und obwohl sie niemand verheimlichen kann, wagt es keiner, die Wahrheit auszusprechen.

Chaos Walking

Umso unheimlicher ist es, wenn der Bürgermeister Prentiss (Mads Mikkelsen) seinen persönlichen Lärm kontrollieren kann und somit die anderen Menschen der Siedlung im Dunkeln über seine wahren Absichten lässt. Hier gestaltet sich Chaos Walking als Film voller Geheimnisse, der entschlüsselt werden will. Aber auch als ein Film, der es versteht, aus Kontrasten große Spannung zu erzeugen.

Der größte Kontrast kracht in Form von Daisy Ridley in den Film. Die von ihr verkörperte Viola ist die einzige Überlebende eines Raumschiffs, das in der Nähe von Prentisstown abstürzt, und sie bringt die Kolonie gewaltig durcheinander. Viola ist eine Frau, was bedeutet, dass sie nicht vom Lärm betroffen ist. Ohne Probleme kann sie ihre Gedanken für sich behalten – ein Umstand, der den Männern sehr viel Angst bereitet.

Daisy Ridley sprengt die Sci-Fi-Welt von Chaos Walking auf

Allein ihre blonden Haare und die orange-rote Jacke sprengen die Trostlosigkeit von Chaos Walking auf. Wenn Tom Hollands Todd ihr das erste Mal begegnet, kann er keinen klaren Gedanken formulieren. Chaos Walking ist in diesem Momenten extrem unterhaltsam, charmant und reflektiert sich durch den ungefilterten Gedankenstrom selbst. Zumindest eine Hälfte der unausgesprochenen Gefühle steht nun wie ein Elefant im Raum.

Chaos Walking

Es bereitet großen Spaß, Tom Holland und Daisy Ridley zu beobachten, wie sie sich schauspielerisch durch Chaos Walking manövrieren. Holland redet sich um Kopf und Kragen. Ridley feuert ihm einen verwirrte Blick nach dem anderen entgegen. Wenn die beiden das erste Mal aufeinandertreffen, könnte es nicht seltsamer sein. Mit der Zeit entsteht aus ihren unangenehmen Gesprächen aber eine liebenswürdige Dynamik.

Was zwischen Ridley und Holland im Kleinen passiert, trifft auch auf den Film als Ganzes zu: Zuerst irritiert dieser verspätete Nachfolger von Dystopien wie The Hunger Games, Divergent und Maze Runner. Sobald man sich aber auf die Eigenheiten der Geschichte einlässt, ist Chaos Walking ein herrlicher Film, der einen das Kino durch seine außergewöhnliche Aufmachung richtig spüren lässt.

Chaos Walking läuft seit dem 17. Juni 2021 in den deutschen Kinos.

Mehr Meinung zum Sci-Fi-Blockbuster Chaos Walking

Auch unsere Kolleg:innen von Filmstarts haben Chaos Walking bereits gesehen und diskutieren im Podcast über den Science-Fiction-Blockbuster.

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In der neusten Folge von Leinwandliebe geht es um die Stärken und Schwächen des Films. Überzeugt das Konzept? Wie gut ist die Action? Und wie schlagen sich Daisy Ridley und Tom Holland? Alle diese Fragen werden im Podcast geklärt.

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