Der andere Junge auf ARD

Pubertät endet in brutaler Gewalt

Der andere Junge
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Der andere Junge

Für Autor Lothar Kurzawa und Regisseur Volker Einrauch hatten die Amokläufe an Schulen maßgeblichen Anteil an dem Film Der andere Junge unter anderem mit Peter Lohmeyer und Andrea Sawatzki in den Hauptrollen.

Dabei fängt die Geschichte wie ein Bilderbuch an. In einem Hamburger Vorort leben die Morells und Wagners, je Vater-Mutter-Sohn, Durchschnittsfamilien auch auf den zweiten Blick. Seit Jahren sind die Väter befreundet, arbeiten in der gleichen Firma, einem Vertrieb für schwedische Fertighäuser. Regelmäßige Doppelkopfpartien der Erwachsenen runden das Bild familiärer Ordnung ab. Was die Eltern nicht wissen: Zwischen ihren pubertierenden Söhnen besteht eine brutal-verzweifelte Feindschaft. Robert, der jüngere und auch kleinere, wird von Paul regelmäßig abgezogen. Eines Tages sieht er sich von seinem sadistischen Peiniger soweit in die Enge getrieben, dass er ihn blindwütig erschießt. Als die Eltern daraufhin die Leiche des Nachbarjungen vergraben und alles dran setzen, die Tat zu vertuschen, ist dies der Beginn einer Tragödie, wie sie verzweifelter und drastischer nicht sein könnte.

Sarah Mühlberger von der Berliner Zeitung sieht die Gewaltspirale bis in die letzte Biegung ausgelotet und dennoch fehlt es an Ideen: “Es ist ein trotz aller Tragik irgendwie sehr nüchterner Film geworden, der durch die trüben, regnerischen Kamerabilder noch düsterer wirkt. Und bei aller erkennbar guten Absicht, derartige Gewaltspiralen bis in die letzte Biegung auszuloten, macht es sich dieses Drama stellenweise auch zu einfach und greift auf Klischees zurück. Und nicht zuletzt, weil Der andere Junge mit einem dramaturgischen Paukenschlag beginnt, fällt die Spannung im weiteren Verlauf etwas ab. Auf optimistische Ausblicke sollte man auch nicht hoffen, Thema und Film erlauben keine.”

Der andere Junge könnte laut dem Artikel auf Der Westen für gute Quoten sorgen: “Der 90-Minüter glänzt nicht nur mit einer brillant erzählten Geschichte, sondern auch mit einer hochkarätigen Besetzung, darunter Peter Lohmeyer, Andrea Sawatzki, Barbara Auer und Christian Berkel.”

Zu viele unbeantworteten Fragen gibt es Karolin Jacquemain vom Abendblatt nach dem Sehen des Films: “Keine befriedigende Erklärung, kein nachvollziehbarer Tat-Hergang. Das ist fürs deutsche Fernsehen nun fast schon revolutionär, das sich immer so ins Zeug legt, damit der Zuschauer selbst sich nicht anstrengen muss beim Verstehen und Mitempfinden. Hier steht es den ganzen Film über im Raum: ein riesengroßes Fragezeichen. […] Es ist die Stärke von Der andere Junge, der Ausgangssituation das Absurde, Unbegreifliche nicht zu nehmen, sondern es hervorzuheben – und so den Schmerz sichtbar zu machen.”

Der andere Junge ist heute Abend ab 20:15 Uhr auf ARD zu sehen. Wie immer bietet Euch unser Fernsehprogramm weitere Empfehlungen – nicht nur für heute Abend.

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