Promis unter Palmen: Das Horror-Haus des Trash-TV

02.04.2020 - 00:44 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Streit unter Promis
© Sat.1
Streit unter Promis
Die zweite Folge von Promis unter Palmen war Folter für die Sinne. Schreiende Menschen, fliegende Koffer und eine Sackrasur. Willkommen in der Unterwelt der Hochkultur.

Das Coronavirus zwingt uns alle sehr viel Zeit zu Hause zu verbringen, im schlimmsten Falle allein. Menschlichen Kontakt sind wir schon gar nicht mehr gewohnt, echte Konflikte erst recht nicht. So vegetieren wir dahin, unsere Sinne drohen auszutrocknen.

Wie gut, dass uns Sat.1 mit Promis unter Palmen einmal wöchentlich die volle Ladung Promi-Psychoterror um die Ohren haut. Schon die erste halbe Stunde fühlt sich an, wie ein Sprung in eiskaltes Wasser. Man bereut es erst, alles tut weh, aber plötzlich kommt da dieses belebende Gefühl. Schmerz und Freude könnten in dieser Sendung nicht näher beieinander liegen.

Promis unter Palmen und die Kammer des Schreckens

Für reichlich Schmerz in den Ohren sorgte der grotesk ausufernde Streit zwischen Lästerkönigin Désirée Nick und Promille-Promi Claudia Obert. Angestachelt vom Leuchtgebiss Matthias Mangiapane ging die Nick wie eine alte Weltkriegsbombe urplötzlich in die Luft. Warum genau, lässt sich im Nachhinein gar nicht mehr so richtig rekonstruieren.

Désirée Nick

Die Historiker werden später vermutlich sagen, dass es sich um einen Mix aus Claudia Oberts Dialekt, der schiefen Stimmfarbe und der beknackten Sprüche gehandelt haben muss. Fakt ist, dass dieser nicht enden wollende Streit ziemlich einseitig war. Nick hat geschrien, geflucht und geschubst, Obert schockiert eingesteckt. Die Kammer des Schreckens wurde geöffnet und nicht mehr geschlossen.

Matthias Mangiapane versuchte derweil, mit Blick auf sein zeterndes Vorbild, sich auch etwas Luft zu verschaffen und rumzupöbeln ("Ich krieg schon wieder die Kotze"), wirkte dabei aber eher wie Dr. Evils Mini Me oder Mr. Burns Arschkriechergehilfe Smithers.

Schließlich platzte Nick dermaßen das Botoxgesicht, dass sie Oberts Klamotten in ihren Koffer feuerte und die Treppe runterschmiss ("Ich hab dir packen geholfen"). An dieser Stelle waren bald 45 Minuten vergangen und bisher bestand die Folge fast ausschließlich aus Gebrüll. So fühlt sich verkatert sein ohne Alkohol an.

Claudia Obert

Inmitten dieser skurrilen Auseinandersetzung befand sich Ronald Schill, der inzwischen freiwillig die Rolle des Zuschauers eingenommen hatte und wie ein Sportkommentator das Geschehen analysierte. Seine akademische Wortwahl erzeugte zumindest für einen Moment die Illusion wir würden uns hier gemeinsam etwas Hochkulturelles ansehen.

Erst der Streit, dann die Sackrasur

Dass diese Sendung so weit entfernt von Hochkultur ist, wie Claudia Obert von alkoholfreiem Champagner, war wenige Minuten nach dem Jahrhundert-Streit klar. Wir sahen den blanken Arsch von Bastian Yotta, der vorne wiederum mit einer intensiven Sackrasur beschäftigt war. Als Teilnehmer einer Show in Thailand, eingepfercht in einem Horror-Haus zusammen mit acht weiteren Prominenten, beobachtet von zahlreichen Kameras, scheint eine Intimrasur das einzig richtige zu sein.

Nachdem die erste Hälfte der Folge sämtliche Energie aus unseren Körpern saugte, blieb die zweite zum Verschnaufen. Die Spiele waren zäh und langweilig, aber ganz ehrlich: Im Vergleich zur ersten Stunde wäre sogar die Übertragung der Mondlandung zum Einschlafen gewesen.

Am Ende war es wieder einmal Tobi, der Joey Heindle von Promis unter Palmen, dessen Stimme über den Rausschmiss einer Person entschied. Wie wir war auch er völlig fertig mit den Nerven und entschied sich schließlich für seine Ex-Freundin Janine Pink und gegen Eva Benetatou. Ist ja eigentlich auch egal, Hauptsache Désirée und Claudia sind noch dabei.

Diese beiden Terrortanten, die Promis unter Palmen regieren. Die uns jede Woche aus unsere Apathie schreien, unsere Sinne foltern. Aber viel wichtiger: Bei der Beobachtung dieses anstrengenden Gesellschaftsschauspiels der Z-Promis in diesem Horror-Haus erscheint Social Distancing in der realen Welt plötzlich wie eine Erholung und gar nicht mehr so schlimm. Naja, zumindest bis zur nächsten Woche.

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