Promis unter Palmen beweist: Das Dschungelcamp gehört abgesetzt

26.03.2020 - 13:00 UhrVor 4 Tagen aktualisiert
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Das Trashfest der Z-Promis
© Sat.1
Das Trashfest der Z-Promis
TV-Trashformate wie das in Sat.1 gestartete Promis unter Palmen zeigen, wie Reality-TV krawallig erzählt werden sollte. Das Dschungelcamp wirkt dagegen wie ein klappriger Tattergreis.

Schon die erste Folge Promis unter Palmen hatte so viele Konflikte, so viel Drama und so viele unangenehme Momente wie manche späte Staffel des Dschungelcamps nicht. Promis unter Palmen hat die richtigen Charaktere, eine noch nicht bis zum Erbrechen durchgekaute Location, in der die Bewohner tatsächlich etwas zu tun haben und eine pointierte Erzählweise, die uns die Ereignisse stark verdichtet zeigt, ohne für allzu viel Leerlauf zu sorgen.

Promis unter Palmen: Das Trashformat, das uns durch die Krise führt

Promis unter Palmen und Das Sommerhaus der Stars zeigen uns, wie ausgelutscht der Genre-König Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! mittlerweile ist. Wir haben wunderbare Dschungelmomente erlebt, aber jetzt wird es langsam mal Zeit das Camp dicht und die Manege frei für diese fantastischen neuen TV-Trashformate zu machen.

Warum gucke ich Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! überhaupt noch? Nein, das soll keine Sinnkrise sein, bei der ich jetzt erkläre, dass ich plötzlich meinen guten Geschmack gefunden habe und mich künftig lieber ukrainischen Tanzperformances mit gelben Untertiteln auf ARTE widme. Der Zug ist bei mir schon längst abgefahren.

Dschungelcamp: Australien wurde durchgespielt

Die Frage ist viel mehr, warum ich mich jedes Jahr erneut vom Hype mitreißen lasse, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich schon nach maximal vier Tagen gelangweilt vor der Glotze sitze. Alle Gags wurden getwittert, alle Kängurupimmel gegessen und alle dramatischen Geschichten TV-gerecht vergangenheitsbewältigt. Die Hoffnung darauf, dass doch noch irgendwas passiert, wird immer wieder enttäuscht.

Über 200 Folgen lang lief das Dschungelcamp nun schon. Während die Prominenten in den ersten Staffeln noch unbedarft nach Australien geflogen und mit ihrer Naivität ins offene Messer des Reality-TV gelaufen sind, weiß inzwischen längst jeder, was ihn oder sie erwartet. Die meisten Kandidaten fahren mittlerweile diese Masche: Füße stillhalten und am Ende hoffen, als bekanntere Persönlichkeit dem Trash-Format zu entsteigen. So funktioniert Entertainment nicht.

Im Camp selbst gibt es auch nicht viel zu tun. Hier mal das Feuer überwachen, dort mal das Klo putzen, dann ab zur Prüfung und sich von Getier und Schleim vollschlotzen lassen, fertig ist der klassische Dschungeltag. "Alles schon gesehen, alles schon gewohnt, alles schon erlebt, Unterhaltung, los!", um es in Caspers Worten zu sagen (noch nicht ARTE-Niveau, aber ich komme langsam in die Richtung).

Das Sommerhaus der Stars: Trash at its best

Das Sommerhaus der Stars hat, besonders in der vergangenen Staffel, gezeigt, wie Unterhaltung geht. Promipaare sind in wunderschöner Urlaubskulisse mehrere Wochen eingepfercht in einem - da kommt ihr nicht drauf - Sommerhaus und müssen sich in Spielen beweisen.

Wir Zuschauer brauchen uns allerdings nicht live durch jeden Tag quälen, sondern bekommen handverlesen die besten Momente in einer handvoll Episoden mundgerecht serviert. Statt all you can eat gibt es das überschaubare, aber sättigende Drei-Gänge-Menü.

Die Auswahl der Promipärchen in der letzten Staffel war zum Niederknien. So viele Wendungen und Intrigen hätte sich nicht einmal Shakespeare in eins seiner Stücke zu schreiben getraut. Am besten ließe sich die Staffel wohl mit Elena Miras' legendärem Ausspruch "Wo ist die Fairness geblieben, wooo??" zusammenfassen.

Désirée Nick vs. Claudia Obert: Der Trash-Fight des Jahres

Der Sat.1-Neustart Promis unter Palmen ist im Grunde eine Kopie des RTL-Sommerhauses. Die Villa steht nicht in Portugal, sondern in Thailand. Nicht Pärchen duellieren sich, sondern einzelne Promis, die sich in Teams zusammenfinden. Man isst gemeinsam, säuft gemeinsam, gelästert wird in Grüppchen.

Désirée Nick in Promis unter Palmen

Schon die erste Folge zeigt, dass die Macher ein verdammt gutes Händchen beim Casting bewiesen haben.

Désirée Nick, von Sat.1 als spitzzüngige Diva bezeichnet, hat sich direkt vorgenommen, alles und jeden böse in Grund und Boden zu kommentieren. Das ist eigentlich die Aufgabe von Twitter, da können wir jetzt also getrost dicht machen.

Apropos dicht, ein Garant für die Verursachung künftiger Nervenzusammenbrüche ihrer prominenten Mitmenschen ist die allseits angesäuselte Modelady und Instagram-Meme  Claudia Obert. Hier deutet alles auf einen großen Knall zwischen ihr und der Nick hin.

Ronald Schill aka "Richter Gnadenlos" versorgt die Runde mit allerlei notgeilen Sprüchen, was äußerst unangenehm, letztlich leider auch sehr unterhaltsam ist.

Matthias Mangiapane, vor allem bekannt aus dem Dschungelcamp, reiht sich elegant in die Läster-Riege um Désirée Nick ein. Und dann ist da auch noch Bastian Yotta, der aufgepumpt und vor allem sich selbst motivierend wie ein aussortiertes Terminator-Modell durch die thailändische Villa streift.

Der Rest des Trash-Casts ist, wie in allen Shows, die "Star-" oder "Promi-" im Namen haben, mit Persönlichkeiten aufgefüllt, die von Der Bachelor bis Big Brother überall mal Klinken geputzt haben. Das ist auch okay. Absinth verdünnt man auch mit Wasser, sonst ist man viel zu schnell völlig fertig.

Wenn das hohe Niveau dieser ersten Folge gehalten werden kann - die Vorschau deutet das bereits mit einem spektakulären Fight zwischen Nick und Obert an - dann steuern wir geradewegs auf das Trash-Highlight des Jahres zu. Hello Thailand, goodbye Australia.

Was haltet ihr von Promis unter Palmen? Trash-Overkill oder genau die richtige Ablenkung aktuell?

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