Community

Peter Pan - Die vielfältigen Versionen des Kinder-Stars

Peter PanAbspielen
© Disney/Warner Bros./Sony Pictures
Peter Pan
28.04.2018 - 17:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
13
6
In dieser Woche kommt mit Pan ein neue Vorgeschichte für Peter Pan in die Kinos, des Jungen, der nicht erwachsen werden wollte. Wir schauen deshalb, wo die literarischen Ursprünge des Charakters liegen, und wie er schon zuvor adaptiert wurde.

Heute um 20:15 Uhr zeigt Sat. 1 Pan zum ersten Mal im Free-TV. Dafür haben wir diesen alten und noch immer relevanten Text wieder hervorgeholt.

Mit Pan ist in dieser Woche mal wieder ein Film im Kino gelandet, der sich J.M. Barries berühmteste Schöpfung Peter Pan als Ausgangspunkt seiner Geschichte nimmt. Allerdings erzählt Pan, ganz dem heutigen Zeitgeist entsprechend, nicht erneut die altbekannten Abenteuer, sondern eine frisch entworfene Vorgeschichte des von Levi Miller verkörperten Jungen, der nicht erwachsen werden wollte. Auch wir gehen zurück zum Anfang, allerdings schauen wir uns in diesem Zusammenhang zunächst einmal die literarischen Ursprünge Peter Pans an, die durchaus ein wenig verwickelt sind.

Karrierestart mit sieben Tagen

Peter Pan hatte seinen ersten Auftritt nämlich nicht erst 1911 in dem Kinderbuch Peter and Wendy, oder sieben Jahre zuvor in dem Theaterstück Peter Pan, or The Boy Who Wouldn’t Grow Up, das dem Buch zugrunde liegt, sondern schon 1902 in einigen Kapiteln des Romans The Little White Bird, der sich an Erwachsene wendete. Dessen Mittelteil spielt nämlich in einer magischen Version des Londoner Parks Kensington Gardens, wo nach Toresschluss allerlei Fantasiegestalten herumtollen. Zu diesen gehört auch Peter Pan, der hier allerdings kein altersloser Junge wie in späteren Abenteuern ist, sondern ein erst einwöchiges Kind. Als - wie alle Kinder - ehemals halber Vogel kann Peter allerdings schon als Säugling fliegen und entkommt dergestalt auch seinem Kinderzimmer, um später einmal kein Leben als Erwachsener führen zu müssen.

In Kensigton Gardens trifft er auf die vierjährige Maimie Mannering, eine Vorläuferin von Peters späterer Bekanntschaft Wendy Darling, die es eines Tages nicht rechtzeitig aus dem Park geschafft hat und nun dort eingeschlossen ist. Die beiden freunden sich an, aber schließlich kehrt Maimie, im Gegensatz zu Peter, wieder nach Hause zurück.

Wiedergeburt auf der Bühne und im Park

Seinen nächsten Auftritt sollte Peter Pan dann 1904 auf der Theaterbühne haben. Peter Pan, or The Boy Who Wouldn’t Grow Up ist aber keine direkte Fortsetzung der Abenteuer in Kensington Gardens, sondern eher so eine Art Reboot bzw. Reimagening, wie wir heute sagen würden. Peter ist jetzt ein Junge (obwohl er hier wie auch zumeist später von einer Schauspielerin verkörpert wurde) und kein einwöchiger Säugling mehr, altert aber immer noch nicht und kann abermals fliegen. Dergestalt trifft er auch auf das Mädchen Wendy Darling und nimmt sie und ihre beiden Brüder mit nach Nimmerland, wo er sie mit seiner Bande, den Lost Boys, bekannt macht; sie besteht aus Kindern, die in Kensington Gardens verloren gegangen sind. Prinzessin Tiger Lily und die Fee Tinkerbell sind ebenfalls mit von der Partie, außerdem kommt es zum Kampf mit Kapitän Hook und seinen Piraten.

1911 erschien die Geschichte des Theaterstücks dann kaum verändert unter dem Titel Peter and Wendy als Roman. Dieser enthält auch ein letztes Kapitel über die erwachsene Wendy, dem eine zusätzliche Szene des Theaterstücks, When Wendy Grew Up. An Afterthought, zugrunde liegt. Soweit der literarische Peter Pan. Schon im Jahre 1912 machte er dann gewissermaßen seinen ersten Schritt von der Theaterbühne bzw. aus einem Buch heraus in die echte Welt, denn J.M. Barrie ließ über Nacht eine Peter Pan-Statue des Bildhauers George Frampton in Kensington Gardens errichten. In den 1920er-Jahren wurden weitere sechs Statuen in Parks rund um die Welt aufgestellt.

Flug über die Leinwand und die Mattscheibe

Während es nach Peter Pan, or The Boy Who Wouldn’t Grow Up zahlreiche weitere Theater- und Musical-Adaptionen gab, hat sich Peter Pan auf der Kinoleinwand hingegen eher rar gemacht. Zwar erschien bereits 1924 eine Stummfilmversion mit Betty Bronson in der Hauptrolle, hierzulande als Peter Pan, der Traumelf bekannt, der nächste Kinofilm ließ allerdings bis 1953 auf sich warten.

Disneys Peter Pan ist dann wohl die Version, die die meisten Menschen mit der Geschichte im Nimmerland verbinden dürften. Hier wurde Peter, entgegen der Tradition, von einem Jungen gesprochen, Bobby Driscoll. Erst 1991 kehrte Peter Pan dann in Fleisch und Blut ins Kino zurück, in Steven Spielbergs Hook war er in Form von Robin Williams allerdings erwachsen geworden und musste seine eigenen Kinder aus den Klauen von Captain Hook befreien.

Es sollte bis 2003 dauern, dass es mit P.J. Hogans Peter Pan schließlich die erste Real-Tonfilm-Adaption der Originalgeschichte gab. Hier wurde Peter auch abermals von einem Jungen gespielt, dem damals 13-jährigen Jeremy Sumpter. Schon ein Jahr zuvor hatte Disney die Zeichentrick-Fortsetzung Peter Pan: Neue Abenteuer im Nimmerland in die Kinos gebracht, seit 2008 erschienen zudem zahlreiche Direct-to-DVD-Abenteuer der Fee Tinkerbell.

Präsenter war Peter Pan hingegen schon seit den 50er-Jahren im Fernsehen: Eine Theaterfassung wurde 1955 erstmals live auf NBC inszeniert, die bislang letzte von mehreren Live-Neuauflagen wurde 2014 mit Allison Williams als Peter Pan und Christopher Walken als Captain Hook ausgestrahlt. Mehrere Zeichentrickserien erzählten alte und neue Abenteuer, die Realfilm-Miniserie Neverland dachte sich wie nun auch Pan eine Vorgeschichte für Peter aus.

Aber nicht nur im Reich der reinen Unterhaltung hat es Peter Pan zu Ruhm gebracht. Der Psychologe Dr. Dan Kiley veröffentlichte 1983 das populärwissenschaftliche Buch The Peter Pan Syndrome: Men Who Have Never Grown Up, in dem er sich mit (meist) männlichen sozial unreifen Erwachsenen befasste. Und auch wenn ewiges Jungendasein hier nicht als erstrebenswert erachtet wird, scheint es doch etwas an sich zu haben, das in seiner Verkörperung durch Peter Pan auch nach über 100 Jahren nichts von seinem Reiz verloren hat.

Welche Peter Pan-Version mögt ihr am liebsten?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News