Netflix' The Old Guard: Solch brutale Superhelden-Action traut sich das MCU nicht

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The Old Guard
10.07.2020 - 16:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Heute startet die MCU-Alternative The Old Guard bei Netflix. Der brutale Superheldenfilm mixt X-Men und Highlander, wenn Charlize Theron mit ihrem Team in den Kampf zieht.

Charlize Theron und KiKi Layne prügeln sich in einem klapprigen Schmuggler-Flugzeug. Füße treten gegen Arme, Knochen brechen, Schmerzensschreie ertönen und der Pilot schüttelt die beiden mit einem kurzen Schlenker nochmal durch.

Das Superheldendasein ist eine schmerzende Last in The Old Guard. So verwundert es nicht, wie sich Laynes Neuling Nile gegen ihre eigene Bestimmung - und damit gegen Therons Figur Andy - wehrt. Denn die Highlander-artigen Helden des neuen Netflix-Films besitzen Selbstheilungskräfte à la Wolverine. Sie werden uralt, führen aber auch eine zutiefst einsame Existenz.

Mit reichlich Tragik, brutaler Action und einem diversen Figurenkabinett schickt Netflix einen Ersatz für die abgesagte Blockbuster-Saison an den Start. Der zeigt in seinen besseren Moment, was bei der großen Superhelden-Konkurrenz des Marvel Cinematic Universe (MCU) fehlt.

3 Dinge, die ihr über den Netflix-Film wissen solltet:

  • Was ist die Old Guard? Jahrhundertealte Kämpfer, die allein im Verborgenen leben und sich nur dann treffen, wenn sie für das Gute in den Kampf ziehen.
  • Der Netflix-Film startet unverhohlen ein Franchise wie das MCU und wenn auch die Story vorhersehbar bleibt, machen die Figuren in der Tat Lust auf mehr.
  • In der Graphic Novel-Reihe The Old Guard könnt ihr die Geschichte auf Deutsch * weiterlesen.

The Old Guard bei Netflix: Gruftige Krieger für das Gute

Bei einem Einsatz in Afghanistan wird Marine-Soldatin Nile die Kehle durchgeschnitten. Trotzdem wacht sie wenig später unversehrt im Lazarett-Zelt auf. Auftritt: Andy, die äußerst schlecht gelaunte Anführerin der Old Guard.

Schaut euch den deutschen Trailer für Netflix' The Old Guard an:

The Old Guard - Trailer (Deutsch) HD
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Sie hat schon alles gesehen und eine neue Rekrutin könnte ihr kaum ungelegener kommen. Denn die im Untergrund lebende Old Guard wurde von Ex-CIA-Mann Copley (Chiwetel Ejiofor) aufgespürt. Er will mithilfe ihrer DNA Krankheiten heilen.

Über Copley wird Pharma-CEO Merrick (Harry Melling) auf die Helden aufmerksam. Passend besetzt mit dem Darsteller von Dudley Dursley aus der Harry Potter-Reihe stellt sich Merrick als unausstehlicher Hauptbösewicht heraus. Ihm geht es nicht um das Wohl der Mehrheit, sondern ausschließlich um den eigenen Profit. Und der ließe sich mit "Exklusivrechten" an den wundersamen Körpern der Old Guard enorm steigern.

The Old Guard ist ein Superheldenfilm - mit etwas Gedärm

Die Stärken des Films liegen allerdings nicht bei dem flachen Schurken. Sie entspringen dem brutalen Teamwork. Aus der Perspektive von Nile lernen wir die Truppe kennen, die seit Jahrhunderten Seite an Seite kämpft. Wie alt Andy wirklich ist, weiß niemand. Ihr vollständiger Name Andromache deutet auf über Tausend Geburtstage hin.

KiKi Layne in The Old Guard

Joe (Marwan Kenzari) und Nicky (Luca Marinelli) kämpften bei den Kreuzzügen auf gegnerischen Seiten, bevor sie sich verliebten. Und Booker (Matthias Schoenaerts) erlebte seinen ersten "Tod" in den Napoleonischen Kriegen. Egal wie viele Kugeln nämlich ihre Körper durchsieben, die Wunden verheilen und die ziemlich jung aussehenden alten Recken stehen wieder auf.

Würden diese Kugeln und Granaten nicht blutig-matschige Wunden hinterlassen, könnte man sich glatt in einem X-Men-Film wähnen. Mit Nile in der Rogue-Rolle und der Old Guard als Wolverine-Tag-Team.

Einflüsse von John Wick statt CGI-Monstrositäten wie im MCU

Entsprechend ruppig fällt die Action-Choreografie aus, in der fleißig Gliedmaßen malträtiert und Kopfschüsse verteilt werden.

Weil sich die Superkräfte auf Selbstheilung beschränken, bleiben die Kämpfe bodenständig. Statt der CGI-Blähungen der jüngeren MCU-Blockbuster erfrischt die poppig untermalte Frau-gegen-Mann-gegen-Mann-Action.

Das Team in The Old Guard

Stunt-Koordinator Daniel Hernández arbeitete zuvor an zwei John Wick-Filmen mit und deren Symphonie aus Waffen und Fäusten hallt auch durch die Actionszenen in The Old Guard. Bringt Charlize Theron ihre massigen Gegner mit ein paar Handgriffen zur Strecke, kommen sogar wohlige Erinnerungen an ihren viel zu selten gelobten Agenten-Klopper Atomic Blonde auf.

Eine furiose Charlize Theron in tänzerischen Actionszenen

Dank der hervorragenden Besetzung um Aladdin-Bösewicht Marwan Kenzari, Arthouse-Liebling Matthias Schoenaerts, Shooting-Star Luca Marinelli, der empathischen KiKi Layne und der furiosen Charlize Theron interessiert sogar, wie die Kämpfe ausgehen.

Regisseurin Gina Prince-Bythewood, die zuvor das bessere A Star is Born-Revival vorlegte (Beyond the Lights), wirft ihre Schauspieler mit popmusikalischem Gusto in die Action. In den besten Actionszenen nähert sich der Film einem fließenden Gruppentanz an.

KiKi Layne kämpft gegen Charlize Theron

Die Bewegungen der einen gehen in die der anderen über, sodass eine elegante Schönheit zwischen Granatwerfern und gebrochenen Genicken entsteht. Für die Old Guard bedeutet das Leben Einsamkeit - außer sie kommen zusammen, um zu töten.

Während andere Superheldenfilme das Spektakel als Überbieten des einen Bildes durch das nächste verstehen, koppelt sich die Action im neuen Netflix-Film gewissermaßen direkt an die DNA seiner Helden.

The Old Guard zeigt auch die Nachteile des Franchise-Starts

Diese Tragik tritt im Drehbuch von Comic-Schöpfer Greg Rucka hervor. Der ziemlich generische Superhelden-Plot wechselt Action mit längeren Gesprächen über die berührenden Hintergründe der Old Guard ab.

Das geschieht zu Lasten von KiKi Laynes Nile, die auf dem Papier nicht halb so interessant ist wie Layne sie spielt. Über weite Strecken des Films hört sie tieftraurigen Lagerfeuergeschichten zu, in denen Grausamkeit und Verluste langer Lebenszeiten zum Vorschein kommen.

Harry Melling als Bösewicht in The Old Guard

Als ziemlich offensichtlicher Start eines neuen Franchise leidet der Superheldenfilm deswegen unter dem Ballast der Informationsvermittlung. Mehr Genuss, weniger offensichtliche "Drehbucharbeit" hätte dem Film gut getan.

Im Vergleich zu Netflix-Filmen wie Bright, 6 Underground und Tyler Rake: Extraction unterbreitet The Old Guard allerdings das bisher überzeugendste Angebot für eine Filmreihe, denn mit dem ersten Film wird das Konzept nicht ausgereizt. Was auch an den Ermüdungserscheinungen des Superhelden-Mainstreams im Kino liegt.

Anders als die dominanten MCU-Filme richtet sich The Old Guard an ein erwachseneres Publikum. Das Fehlen ironischer Brechung à la Deadpool bringt ebenfalls Abwechslung. Wenn Nicky und Joe in einer der schönsten Szenen des Films ihren jahrhundertealten Liebesschwur erneuern, kann Disney mit seinen lachhaften "schwulen Momenten" sowieso einpacken.

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Tyler Rake: Extraction ist ein Riesen-Hit auf Netflix. Und auch das wenig später dort erschienene Kriegsdrama Operation: 12 Strong von 2018 erfreut sich großer Beliebtheit beim Streamingdienst. Das haben unsere Kollegen von FILMSTARTS einmal zum Anlass genommen, die beiden Actioner mit Marvel-Star Chris Hemsworth in ihrem Podcast Leinwandliebe  genauer unter die Lupe zu nehmen.
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Ich durfte mit den Kollegen darüber diskutieren, ob der Hype um das Hemsworth-Doppel berechtigt ist.

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