Lange Zeit wirkte es, als würde Francis Ford Coppola nie den einen großen Science-Fiction-Film drehen, von dem er fast seine gesamte Karriere über erzählt hat: Megalopolis. Bereits Ende der 70er formulierte der Regisseur hinter Meisterwerken wie Der Pate und Apocalypse Now erste Ideen für das wagemutige Projekt.
Geldgeber konnte er damals jedoch keine finden. Immer wieder versuchte Coppola, die ambitionierte Unternehmung auf die Beine zu stellen. Am Ende wartete stets eine Niederlage, bis nur noch eine Möglichkeit übrig war: Selbstfinanzierung. Über 120 Millionen US-Dollar soll Coppola in die Umsetzung gesteckt haben.
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Francis Ford Coppolas großes Sci-Fi-Epos bei Netflix: Megalopolis stellt sich eine Utopie vor
Megalopolis zeigt uns eine alternative Version unserer Welt, in der eine Stadt existiert, die New York gar nicht so unähnlich ist. Viele markante Bauwerke ragen aus der Skyline, darunter auch das Chrysler Building, auf dessen Dach der visionäre Architekt Cesar Catilina (Adam Driver) balanciert und sich eine bessere Zukunft vorstellt.
An Idealismus mangelt es Catilina nicht. Ihm schwebt eine Utopie vor, die er mithilfe des von ihm entwickelten Baustoffes Megalon Wirklichkeit werden lassen will. Sein Megalopolis soll in goldenen Farben strahlen und den Menschen eine Oase bieten. Der konservative Bürgermeister teilt diese Vorstellungskraft allerdings nicht.
Franklyn Cicero (Giancarlo Esposito) würde Catilina am liebsten direkt aus dem Weg schaffen. Als dieser sich jedoch in dessen Tochter Julia (Nathalie Emmanuel) verliebt, verkompliziert sich die Lage und die beiden Männer müssen einen Weg finden, um über ihre Differenzen hinwegzukommen. Nur dann kann etwas Neues entstehen.
Sci-Fi-Wagnis bei Netflix: Megalopolis ist ein sonderbarer Film, wie ihr ihn noch nie gesehen habt
Etwas Neues entstehen lassen – das hat sich auch Francis Ford Coppola zur Aufgabe gemacht. Sein komplett unabhängig produzierter Film muss sich an keine Studiovorgaben halten, sondern kann sich hemmungslos in der vom Römischen Reich inspirierten Sci-Fi-Vision austoben, die viele Fans des Regisseurs kalt erwischt hat.
Kein neuer Der Pate und auch kein zweiter Apocalypse Now: Megalopolis ordnet sich neben Filmen wie Twixt und Tetro als weiteres eigenwilliges Ungetüm in Coppolas Spätwerk ein. Doch genau das macht den Film so aufregend. Jede der 138 Minuten Laufzeit ist aufgeladen mit einer Idee, die vor unseren Augen verhandelt wird.
Inszenatorisch mag sich der Film nicht mehr so flüssig und rund anfühlen wie Coppolas Klassiker. An starken Bildern mangelt es Megalopolis jedoch keineswegs – von Schatten, die sich in Titanengröße an Wolkenkratzern vorbeischleichen bis zu Statuen, die aus ihrer Versteinerung ausbrechen, um die Zukunft zu formen.
Adam Driver und Nathalie Emmanuel tänzeln in schwindelerregenden Höhen über die Stahlträger der neuen Welt, während in den tiefen Hallen ein Ciricus Maximus zu neuem Leben erwacht. Megalopolis ist eine filmische Utopie, die mit sich selbst hadert und trotzdem zu keiner Sekunde daran denkt, mit dem Träumen aufzuhören.
Dieser eigentümliche Film ist ein Wagnis, das man ruhig mal eingehen kann.