Netflix' One Piece-Serie ist teurer als Game of Thrones, aber das ist nicht der Grund, warum sie den Anime-Fluch brechen wird

30.07.2023 - 11:00 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Der Start der One Piece-Serie von Netflix rückt immer näher. Je mehr wir davon zu sehen bekommen, desto mehr verfliegen meine Skepsis und Angst um eine weitere schlechte Anime-Verfilmung.

Am 31. August startet endlich die Realverfilmung One Piece. Die Netflix-Adaption hat das Zeug zur größten Blockbuster-Serie des Sommers zu werden. Oder zum größten Flop des Streamers überhaupt. Seit über 20 Jahren, über 1000 Anime-Folgen und über 100 Manga-Bänden feiern Fans die schrägen und oft sehr emotionalen Geschichten der Strohhut-Piraten. Die Erwartungen könnten nicht immenser sein.

Ihr denkt euch jetzt: "Das wird doch nur eine weitere grauenvolle Anime-Adaption" Dann könnte One Piece vielleicht die Überraschung eures Lebens sein. Denn das absolut abgedrehte Piraten-Fantasy-Abenteuer hat das Zeug, endlich den Anime-Fluch zu brechen. Lasst euch von mir überzeugen!

One Piece ist die teuerste Netflix-Serie des Jahres

Nicht kleckern, sondern klotzen. So lautet das Motto bei Netflix, wenn es um die Realfilm-Version von One Piece geht. Wie unter anderem Collider  berichtet, soll die Serie angeblich mit einem opulenten Budget von 18 Millionen Dollar pro Folge ausgestattet sein. Zum Vergleich: Die HBO-Serie The Last of Us verschlang um die 10 bis 15 Millionen Dollar pro Folge. Die 8. Staffel des Fantasy-Epos Game of Thrones kostete ebenfalls 15 Millionen Dollar pro Episode.

Schaut den deutschen Trailer zu über 140 Millionen Dollar teuren One Piece-Serie:

One Piece - S01 Trailer (Deutsch) HD
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Klar, Netflix kann noch so viel Geld auf einen Haufen werfen. Eine gute Serie muss dabei nicht zwangsläufig entstehen. Das 200 Millionen-Dollar-Desaster Jupiter's Legacy hat Netflix immerhin auch hervorgebracht. Im Falle von One Piece ist das Risiko für den Streaming-Riesen aber maximal. Anime und Manga besitzen eine massive Fanbase, die darüber urteilt, ob One Piece ein Erfolg oder ein weiteres Millionengrab für den Streamer wird.

Natürlich sind die Befürchtungen groß, dass One Piece sich in die Riege der grausigen Netflix-Realverfilmungen neben Cowboy Bebop und Death Note einreiht. Doch je mehr Details ich über die Produktion erfahre, desto mehr steigt meine Vorfreude. Ja, One Piece könnte richtig gut werden.

One Piece kommt nur mit dem Segen von Eiichiro Oda

Da wäre zum einen der starke Einfluss von One Piece-Schöpfer Eiichiro Oda. Er arbeitete eng mit den Showrunnern Matt Owens und Steven Maeda zusammen und achtete stets darauf, dass die Netflix-Version den Geist der Vorlage authentisch einfängt. Gegenüber Netflix erklären die Macher, dass es ihm besonders am Herzen lag, die Vorgeschichten, Motivationen und Träume der Hauptfiguren zu bewahren. Auch durften die Regeln seiner erdachten Welt und der Figuren-Fähigkeiten nicht gebrochen werden.

Jede Änderung oder Verschiebung der Story wurde von Oda-san abgesegnet, der wie ein strenger Vater die Produktion überwachte und bei Missfallen sogar maßregelte. In einem offenen Brief erklärt er:

Selbst nach Abschluss der Dreharbeiten war die Produktion bereit, viele Szenen nachzudrehen, weil ich sie für nicht gut genug befand, um veröffentlicht zu werden.

Wenn jemand One Piece versteht, dann Eiichiro Oda selbst. Nicht nur sein Einfluss sollte eine enorme Erleichterung für skeptische Fans sein. Denn mit jedem Interview und Auftritt der jungen Piraten-Besetzung wird klar, wie sehr auch sie One Piece liebten – und für die Serie sogar bis aufs Blut trainierten. Und solange sich diese Leidenschaft auf den Bildschirm übertragen lässt, bin ich zufrieden.

Echte Piraten-Schiffe und wenig CGI: One Piece setzt auf Liebe zum Detail

Was ich besonders an Fantasy-Serien liebe (und ja, One Piece gehört irgendwie auch zu diesem Genre), sind aufwändige Kostüme und opulent gestaltete Sets voller handgefertigter Requisiten, die mich in eine detailverliebte Welt eintauchen lassen. Und genau das scheint die One Piece-Serie von Netflix anzustreben.

Für One Piece wurde auch der Arlong Park nachgebaut

Dem Team hinter der Serie soll es enorm wichtig gewesen sein, so wenig CGI wie nur möglich zu verwenden. Das bedeutet: Es wurden mit großem Aufwand echte Piraten-Schiffe und riesige praktische Setbauten erschaffen.

Bei den humanoiden Schurken der One Piece-Welt wurde auf Masken und Prothesen statt Computeranimationen gesetzt. Und sogar animatronische Teleschnecken (in der Welt von One Piece dienen Schnecken als Telefone!) sollen zum Einsatz kommen.

Außerdem soll sich laut Netflix ein 70-köpfiges Team allein um die vielen Kostüme (und Strohhüte!) von Piraten, Marine-Soldaten und Eastblue-Bewohner:innen gekümmert haben. Diese Details klingen schon jetzt fantastisch.

Auch wenn der Look im One Piece-Trailer etwas zu clean und die CGI-Einsätze nicht nach Kino-Blockbuster-Niveau schreien, lässt mich die Hingabe, mit der die Serien-Welt kreiert wurde, leicht über kleinere Schönheitsfehler hinwegsehen.

One Piece will den Anime nicht verfremden – und hört sich sogar genauso an

Als ich den deutschen Trailer zu One Piece gesehen habe, hatte ich plötzlich Gänsehaut. Was ich zu hören bekam, klang äußerst vertraut. Denn für die deutsche Synchronfassung wurden die bekannten Sprecher:innen rund um Daniel Schlauch und Stefanie Kellner aus dem Anime verpflichtet. Die meisten der Stimmen hören Fans bereits seit 20 Jahren. Wer die Serie auf Deutsch schaut, kann sich also auf eine besonders nostalgische Seh-Erfahrung freuen.

Eine der emotionalsten One Piece-Szenen steht bevor

Aber verspricht das alles, dass One Piece ein Erfolg wird? Natürlich nicht. Am Ende zählt vor allem eines: Dass die Charaktere und die Geschichten das Publikum in ihren Bann ziehen, wie es auch die Vorlage seit mehr als zwei Jahrzehnten tut. Da sich die Serie sehr nah an die Handlung von Manga und Anime halten soll, habe ich hier wenig Bedenken.

Die erste Staffel von One Piece adaptiert die sogenannte Eastblue Saga und damit die ersten 61 Anime-Folgen (von über 1000!). Wir brauchen also nicht befürchten, dass auch nur eine einzige der acht Episoden über die Anfänge der Strohhüte zum handlungsleeren Füller wird. Für mich stellt sich dabei eigentlich nur eine Frage: Wird auch die Netflix-Version mein Herz brechen, wenn Nami die Worte "Ruffy, hilf mir" ausspricht?

Ich bin jedenfalls nicht nur darauf gespannt, wie die Serie auf Anime-Fans wirkt, sondern vor allem darauf, wie Menschen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit One Piece hatten, auf diese besondere Piratengeschichte und unglaublich kreative Welt reagieren. Die sind für Showrunner Matt Owens nämlich mit die wichtigste Zielgruppe der Netflix-Serie:

One Piece ist die fantastischste Geschichte, die je erzählt wurde. Und wenn ihr die Menschen als Realverfilmung eher eine Chance [als in animierter Form] geben, dann ist es das wert. Wenn die Botschaft von One Piece verbreitet wird, dann hat sich alles gelohnt.

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