Schön unverständlich

Mein erstes Mal ... mit nichts kapiert

Mein erstes Mal ... mit nichts kapiert
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Mein erstes Mal ... mit nichts kapiert

Anspruchsvolle Filme sind ja das eine. Wenn wir konzentriert der komplexen Erzählung folgen müssen, um am Ball zu bleiben, hat das durchaus seinen Reiz. Doch das Gefühl, dass wir irgendetwas verpasst haben, obwohl wir eigentlich sicher sind, nichts verpasst zu haben, kennen sicherlich die meisten von uns. An diesem Montag beschäftigen wir uns mit unseren prägenden Erlebnissen zu dem in unserer Erinnerung haftenden Film, bei dem wir am Ende mit hoch gezogener Augenbraue vor der Leinwand oder dem Bildschirm saßen und uns sämtliche Fragen durch den Kopf schossen: Bin ich während der aufklärenden Szene eingeschlafen? Hat der Regisseur da nicht etwas vergessen? Oder bin ich einfach nur zu blöd?

Sebastian fühlte sich nach David Lynch um sein Filmverständnis betrogen
Es gab – als ich kleiner war – natürlich den einen oder anderen Film, bei dem ich nicht alles, was ich da sah, verstanden habe. Das ist in einem gewissen Alter noch ganz normal. Bei einigen Filmen schlug ich später nach und bemerkte, dass mir tatsächlich etwas entgangen war. Doch als ich im Studium mit Eraserhead vom Meister der Verwirrung, David Lynch, konfrontiert wurde, war ich mit meinem Latein am Ende. Emotionen hat der Film geweckt, es ging mir nicht besonders gut während des Schauens. Doch inhaltlich? Was sollte dieser tote Hase? Welche Botschaft hatte dieser Film? Erst in verschiedenen Gesprächen danach, bekam ich eine Ahnung vom Sinn des Ganzen: Es gibt keinen! David Lynch wollte verwirren, experimentieren und Unwohlsein erzeugen. Das hat er geschafft!

Jenny hat sich in einen kryptischen Antonioni verliebt
BlowUp – Ekstaze ’67. Im Fernsehen. Irgendwann nachts. So wie immer eigentlich bei entscheidenden Filmoffenbarungen. Zu einem Zeitpunkt, als mein Vokabular von A wie Armageddon – Das jüngste Gericht bis Z wie Zurück in die Zukunft reichte, also nicht sehr weit, habe ich zufällig das Kontrastprogramm eines Films von Michelangelo Antonioni erlebt. Die Betonung liegt auf “erlebt”, denn Blow Up ist höchstens zu 50 Prozent ein Film zum Verstehen. Dazu lässt Antonioni in der Geschichte über einen Fotografen, der glaubt, einen Mord beobachtet zu haben, zu viel lose Enden, zu viele Szenen, in denen scheinbar nichts passiert und doch einiges gezeigt wird. Blow Up ist ein Symbol dafür, dass Wörter wie Unterhaltung und Handlung das Kino nicht erschöpfend umschreiben, sondern es im schlimmsten Falle einschränken. Kino ist auch und vor allem zum Erleben da und Blow Up muss man erlebt haben.

Orlindo kann nicht zwischen Realität und Fiktion unterscheiden
Einen meiner ersten WTF??-Momente hatte ich mit einem Schwarzenegger Film. Zweifellos fand ich Die totale Erinnerung – Total Recall aufgrund seiner Action, Mutanten und nicht zuletzt wegen meiner Kindheitsikone Arnie grandios. Aber er überforderte mich auch gnadenlos. Was war nun Realität und was Fiktion? War die ganze Handlung auf dem Mars nur Einbildung? Das war das für den damals zehnjährigen Orlindo definitiv noch eine Nummer zu groß. Von den drei Brüsten ganz zu schweigen…

Bei Ines produzieren Romanzen Happy Ends regelmässig Kopfschütteln
Ihr kennt das bestimmt. Da streiten sich zwei, lieben sich wieder, streiten sich usw. usf. und eigentlich ist allen klar: Sie passen nicht zueinander; besser wäre es, wenn sie auseinandergehen würden. Aber dummerweise gibt es massig Filme, in denen sie dann doch zusammenkommen und die Geschichte im klischeehaften Happy End ihre Flucht sucht. Regelmässig denke ich dann, dass ich was verpasst habe: In welcher Lücke verschwand die entscheidene Charakteränderung? Als neuere Beispiele mögen hier Er steht einfach nicht auf Dich, Beim ersten Mal, Die nackte Wahrheit oder 27 Dresses gelten. Wann die ganze Sache angefangen hat, weiß ich allerdings nicht mehr, vielleicht ist sie ja so alt wie die Liebe und/oder das Kino selbst.

Paul kam mit Shyamalan nicht klar
Klar ging es mir als kleines Kind wie Sebastian, und David Lynch treibt mich auch jetzt noch in den Wahnsinn der Verwirrung. Aber ein Film prägte mich vielmehr. Einstiges Regiewunderkind hin oder her, ich hatte meine Probleme mit dem Film Signs – Zeichen von M. Night Shyamalan. Gut, es war das Jahr 2002 und ich 18 Jahre alt. Grund war aber nicht die Absurdität der Story oder das mieserable Schauspiel, sondern eher meine weibliche Begleitung im Kino. Wie es sich für junge Menschen gehört, konzentrierte man sich weniger auf den Film als auf das Objekt der Begierde, mit dem man die letzte Reihe des Kinos besetzte. Gut, das Kino war eh nicht sonderlich voll. Habe mir den Film irgendwann dann doch noch mal in Ruhe angeschaut. Dann habe ich es auch verstanden, obwohl es dessen nicht wert war. Aber das ist ein anderes Thema.

Bei welchem musstet ihr am Ende verzweifelt feststellen: Ich kapier’s nicht!?

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