Marvel-Kracher bei Disney+: Deutschland sieht im MCU unglaublich hässlich aus

Captain America 3: Civil War - Trailer (Deutsch) HD
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© Disney
The First Avenger: Civil War
01.06.2021 - 09:10 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Die Filme aus dem Marvel Cinematic Universe legen überraschend oft einen Zwischenstopp in Deutschland ein, finden dort aber meist nur eine graue Einöde vor.

Dem Marvel Cinematic Universe sind keine Grenzen gesetzt. Obwohl Iron Man anfangs noch nicht in der Lage war, die Weiten des Weltraum zu erobern, stehen intergalaktische Abenteuer dank Figuren wir Thor und Thanos inzwischen fest auf der Tagesordnung. Trotz all der fantastischen Welten, die es zu entdecken gibt, kehrt das MCU aber überraschend oft an einen Ort zurück: nach Deutschland.

Deutschland ist im Marvel-Universum eine graue Einöde

Faszinierend daran ist gar nicht, wie oft die Avengers bei all den Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, einen Zwischenstopp in Deutschland einlegen. Vielmehr ist es der Umstand, wie Deutschland in den einzelnen Filmen und Serien präsentiert wird. Als Schauplatz könnte es kaum hässlicher sein. Egal ob München oder Berlin – hier herrscht vor allem eines: eine graue, austauschbare Einöde.

The First Avenger: Civil War zeigt das am eindrücklichsten. Dass Captain America eine Geschichte mit Deutschland verbindet, ist kein Geheimnis. Der erste Film rund um den Supersoldaten Steve Rogers spielt während des Zweiten Weltkriegs. In den Fortsetzungen wird Deutschland entweder namentlich erwähnt oder taucht direkt als Kulisse für wichtige Szenen auf, etwa in Form des Flughafens Leipzig/Halle.

  • The First Avenger: Civil War könnt ihr aktuell auf Disney+ * streamen. Neben dem Flughafen Leipzig/Halle wurde der Film auch an einigen Schauplätzen in Berlin gedreht (u.a. Potsdamer Platz, ICC, Olympiastadion und Regierungsviertel).

Hier liefern sich die gespaltenen Avengers einen epischen Kampf. Team Iron Man zieht gegen Team Captain America ins Feld zieht. Alle Superheld:innen lassen ihre Muskeln spielen, besonders Ant-Man, der sich in Giant-Man verwandelt. Ein aufregendes Ereignis, das epische Bilder verspricht. Doch Fehlanzeige: Der Flughafen Leipzig/Halle gehört mühelos zu den trostlosesten Schauplätzen im gesamten MCU.

Es sind nicht nur die fehlenden Farbakzente, die den Mega-Kampf zwischen grauen, und weißen Flächen so ermüdend machen. Auch die Inszenierung versagt vollständig darin, diese – durchaus spannende – Location filmisch zu erforschen. Am Ende ist es geradezu verblüffend, dass der dritte Captain America-Film tatsächlich vor Ort gedreht wurde. Es hätte ebenso eine Greenscreen-Umgebung im Studio sein können.

Wenn Detailarbeit an visueller Gleichgültigkeit zerschellt

Das MCU scheitert oft daran, Orte in interessante Bilder zu packen. Im Fall Deutschland wird die Schwäche jedoch von Film zu Film absurder. Vor allem wenn eine Stadt wie Cleveland für Stuttgart in Marvel's The Avengers herhalten muss oder The Falcon and The Winter Soldier eine x-beliebige Straße in der Nähe von Atlanta mit der Titeleinblendung "München" versieht. Dem MCU sind Orte genauso egal wie Bilder.

Erneut handelt es sich um eine furiose Actionszene. Genauso wie in The First Avenger: Civil War spielt es allerdings absolut keine Rolle, wo dieser Kampf stattfindet. Das MCU scheitert kläglich darin, Lokalkolorit abzubilden. Das Verrückte ist: Hinter dem Kampf auf den zwei Lastwägen in The Falcon and the Winter Soldier steckt unfassbar viel Detailarbeit, wie im Making-of zur Serie auf Disney+ verraten wird.

Gedreht wurde im Studio, vor Ort in Atlanta und Prag. Damit die Szene aussieht, als würde sie in München spielen, wurde der komplette Hintergrund durch eine digitale Umgebung ersetzt, angefangen bei den Bäumen am Straßenrand bis hin zu den Bergen, die am Horizont zum Vorschein kommen. Im direkten Vergleich sind die Veränderungen sichtbar - die fertige Szene wirkt trotzdem extrem eintönig und lieblos.

Das triste Deutschland ist Teil eines größeren MCU-Problems

Wenn wir uns intensiver mit den hiesigen Schauplätzen beschäftigen, die im Rahmen der einzelnen MCU-Filme besucht werden, wird schnell ein größeres Problem des gesamten Franchise deutlich: Ein aufrichtiges Interesse an der Erkundung von Orten und Landschaften fehlt. Die Bilder sind flach und leicht durchschaubar. Es gibt einen eindeutig definierten Vordergrund und einen schwammigen Hintergrund.

Dazwischen entstehen aber keine Ebenen und das macht die MCU-Filme aus visueller Perspektive auf Dauer frustrierend. Selbst ein einprägsamer Ort wie das ICC Berlin, das in Civil War als Bukarest durchgehen soll, verblasst komplett, obwohl wenige Jahre zuvor Joe Wright an der gleichen Location eine der ikonischsten Szenen seiner ganzen Karriere gedreht hat: den Kampf beim U-Bahn-Eingang in Wer ist Hanna?.

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Die orangefarbenen Fließen sind so unverwechselbar, dass sie selbst aus einem Science-Fiction-Film wie Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2 herausstechen. Im Marvel-Universum treffen sie jedoch auf eine erschreckende Gleichgültigkeit in der Bildsprache. Dass Deutschland bzw. die deutschen Schauplätze hier so undankbar aussehen, liegt nicht an fehlenden Möglichkeiten, sondern schlicht an einer gedankenlosen, uninteressierten Art des Filmemachens.

Im MCU ist alles zweitrangig außer die Superheld:innen

Es ist frustrierend zu sehen, wie viele Ressourcen den MCU-Produktionen zur Verfügung stehen und wie austauschbar das fertige Ergebnis in den meisten Fällen aussieht. Ausnahmen wie die markanten Bilder in Guardians of the Galaxy bestätigen die Regel, denn kurze Zeit später läuft Peter Parker in Spider-Man: Far From Home durch ein völlig undefinierbares Berlin, das nur aus Bahnhöfen und dem Fernsehturm besteht.

Im MCU hat sich alles den Superheld:innen unterzuordnen. Ihre Persönlichkeiten sind das Zentrum der Filme, ihre Gesichter das Zentrum des Bildes. Alles andere ist zweitrangig und damit leider oft eine vertane Chance. Die MCU-Geschichten könnten deutlich besser sein, wenn sie ihre Figuren mit greifbaren Orten verknüpfen und in einnehmenden Bilder einfangen würden.

Podcast: Alle 17 neuen Marvel-Serien im Überblick

WandaVision und Falcon and the Winter Soldier haben eine neue Ära des Marvel Cinematic Universe bei Disney+ eingeläutet. In dieser Folge von Streamgestöber schauen wir auf die 17 Marvel-Serien, auf die ihr euch 2021 bis 2023 freuen könnt.

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Wir haben uns die 17 (!) Marvel-Serien näher angeschaut, die uns in nächster Zeit bei Disney+ erwarten. Im Podcast erfahrt ihr alles über unsere Highlights, von Ms. Marvel über Hawkeye bis hin zu Moon Knight.

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