Mail Order Family - NBC bestellt Serie, rudert nach heftiger Kritik zurück

02.10.2016 - 13:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
Mail Order Family
Jackie Clarke
Mail Order Family
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Kurz nachdem NBC die Sitcom Mail Order Family in Entwicklung schickte, ruderte der Sender wieder zurück. Der Grund: heftige Kritik aus den sozialen Netzwerken.

Es sollte eine autobiografisch gefärbte Sitcom über eine ziemlich skurrile Familie werden. Mail Order Family lautete der Arbeitstitel der halbstündigen Serie, doch sie brachte es nicht einmal auf drei Tage in der Entwicklung, bevor der verantwortliche Sender NBC wieder zurückruderte. Denn nach der Ankündigung war es in den sozialen Netzwerken zu einem Sturm der Entrüstung über das Konzept der Serie gekommen.

Mail Order Family basierte auf den Erlebnissen der Comedy-Autorin Jackie Clarke (Happy Endings, Superstore). Nach dem Tod ihrer Mutter heiratete Clarkes Vater eine philippinische "Katalogbraut", die die Aufsicht über seine Töchter im Teenager-Alter erhielt. In einer Episode von This American Life  schilderte Clarke vor ein paar Jahren die tragischen Erlebnisse, die darin gipfelten, dass die Kinder für die Scheidung des Vaters bezahlen mussten, der sich in den Philippinen ein Doppelleben aufgebaut hatte. Eine Webserie war dem Pitch für die Sitcom vorangegangen, die von Ruben Fleischer (Superstore, Zombieland) und David Bernad (Superstore) produziert werden sollte.

Doch als die Bestellung der Serie am Mittwoch bekannt wurde, hagelte es Kritik. So wurde den Machern die Verharmlosung von Menschenhandel vorgeworfen. Die Erzählung der Geschichte im Sitcom-Format sei nur eine weitere Ausbeutung einer bereits ausgebeuteten Frau:

Menschenhandel einer Frau, um sie mit einem Mann zu verheiraten, den sie nicht kennt, ist kein Anlass zum Lachen.

Das schreibt The Nerds of Color . Weiterhin kritisiert der Blog die Fetischisierung von asiatischen Stereotypen, die das Konzept der unterwürfigen und exotischen "Katalogbräute" füttern:

Wir brauchen nicht noch eine Serie, die eine asiatische Frau objektiviert, besonders wenn sie an einen Mann verheiratet wird, den sie nicht kennt.

Bei Reappropriate  wird ausgehend von der "rassistischen, sexistischen, erniedrigenden" Mail Order Family-Webserie darauf verwiesen, dass "Katalogbräute" nicht als lustiges Sitcom-Klischee über ungleiche Ehepaare taugen würden. Vielmehr gingen solche Erzählungen davon aus, dass die betroffenen Frauen sich freiwillig in diese Situation begeben, was die realen Hintergründe außer Acht lässt.

Bei Twitter fiel der Ton der Kritik teilweise noch wütender aus. Rund 12.900 Unterzeichner fand eine Petition gegen die Serie  gegen die Serie, die von einer Organisation zur Unterstützung philippinischer Opfer des Menschenhandels ins Leben gerufen wurde:

Katalogbräute sind Opfer des Menschenhandels, da sie in Sexhandel und Sklaverei im Haushalt gezwungen werden. Katalogbräute sind potenzieller Gewalt ausgesetzt, wegen des [fundamentalen Ungleichgewichts] der Macht, wenn Geld für eine arrangierte Hochzeit ausgetauscht wird.

Jackie Clarke selbst musste sich bei Twitter rechtfertigen und versprach Komplexität bei der Charakterzeichnung:

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Es half alles nichts. Weniger als 72 Stunden nach Bekanntgabe der Produktion von Mail Order Family stellte NBCUniversal die Planungen der Serie ein und nahm laut dem Hollywood Reporter  folgendermaßen Stellung:

Wir haben den Pitch in der Erwartung gekauft, dass er die reale Erfahrung seiner Schöpferin erzählen würde, wie sie von einer starken philippinischen Stiefmutter erzogen wurde nach dem Verlust ihrer Mutter. Die Autorin und die Produzenten haben die Empfindlichkeit des ursprünglichen Konzepts zu Herzen genommen und haben entschieden, das Projekt erst einmal nicht weiter zu verfolgen.


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