Von Missing in Action bis King Lear

Kultproduzent Menahem Golan ist tot

09.08.2014 - 12:40 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Einige der bekanntesten Filme von Menahem Golan
MGM
Einige der bekanntesten Filme von Menahem Golan
Mit seinen B-Filmen prägte Menahem Golan das amerikanische Actionkino der 80er Jahre wie kaum ein anderer. Nun ist der legendäre Produzent und Regisseur mit 85 Jahren verstorben.

Denken wir heute an das amerikanische Actionkino der 80er Jahre, führt kein Weg an Cannon vorbei. Die von Menahem Golan und seinem Cousin Yoram Globus Ende der 70er aufgekaufte Firma Cannon Films machte sich durch die fließbandartige Produktion von markigen B-Filmen wie Missing in Action, die Sequels von Ein Mann sieht rot, Die City Cobra, Bloodsport – Eine wahre Geschichte, Delta Force und Over the Top einen Namen, bevor sie nach diversen Misserfolgen von Pathé übernommen wurde. Neben Action und Erotik (etwa Lady Chatterleys Liebhaber mit Sylvia Kristel) erschien das Cannon-Logo aber auch auf Filmen wie King Lear, Wege der Liebe, Powaqqatsi, Express in die Hölle sowie Der Anschlag, der mit dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde. Wie israelische Medien berichten, ist der frühere Cannon-Chef, Produzent und Regisseur Menahem Golan am Freitagmorgen überraschend in Jaffa, Tel Aviv, verstorben.

Geboren 1929 im damaligen Mandatsgebiet Palästina, ging Menahem Golan nach seinem Einsatz als Pilot im israelischen Unabhängigkeitskrieg nach London, um Regie zu studieren. So arbeitete er in seiner Heimat Israel einige Zeit am Theater, bevor er 1960 in New York ein Filmstudium begann und dabei auch als Regieassistent bei Roger Cormans Schnelle Autos und Affären zum Einsatz kam. Daraufhin gab Golan 1963 in Israel mit El Dorado sein Regiedebüt. Auf die internationale Bühne zog es Golan, als er 1979 gemeinsam mit seinem Cousin für 500.000 Dollar die strauchelnde Firma Cannon Films kaufte. Cannon wurde zur B-Film-Schmiede schlechthin, die mit ihren günstigen Produktionen, einfach gestrickten, teils abgekupferten Drehbüchern und Stars wie Chuck Norris, Charles Bronson, Dolph Lundgren und Jean-Claude Van Damme zeitweise sogar zu den großen Hollywood-Studios aufschloss. Dabei führte Golan bei Genreperlen wie Star Rock, Delta Force und Over the Top auch selbst Regie. 1986, auf dem Höhepunkt des Erfolges, produzierte Cannon in einem Jahr 43 Filme, darunter aber auch “seriösere” Projekte wie Zeffirellis Otello.

Cannon investierte unter Menahem Golan besonders in Comicverfilmungen. So versuchte er in den 80er Jahren vergeblich, Spider-Man ins Kino zu bringen, da Cannon bis 1990 die Filmrechte an der Marvel-Kreation besaß. Die teure Produktion des Sequels Superman IV – Die Welt am Abgrund war schließlich eine der Ursachen dafür, dass die Firma, dem Bankrott nahe, an Pathé Communications ging. Golans Abschied von Cannon hielt ihn nicht davon ab, mit 21st Century Film Corp. 1990 Captain America direct-to-video zu veröffentlichen.

Zuletzt arbeitete Menahem Golan vor allem in Israel. Rund 200 Filme produzierte er im Laufe seines Lebens. Seine Kooperation mit Cousin Globus in den 80er Jahren wird in der Dokumentation The Go-Go Boys: The Inside Story of Cannon Films geschildert, die kürzlich beim Filmfestival in Cannes Premiere feierte.

Wie der Hollywood Reporter berichtet, hat Golan am Freitagmorgen bei einem Spaziergang in Jaffa das Bewusstsein verloren und wurde später durch Rettungskräfte für tot erklärt. Bestürzt äußerte sich Yoram Globus zum Tod seines Cousins: “Menahem lebte, atmete und aß Kino, und er ist fraglos eines der Gründungsmitglieder der israelischen Kinolandschaft und ihrer internationalen Popularität.” Menahem Golan hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Er wurde 85 Jahre alt.

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