Jetzt bei Netflix: Einer der mutigsten (und ekligsten!) deutschen Filme schockt mit Blut, Sperma und rasender Wut

06.12.2021 - 10:15 Uhr
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Feuchtgebiete - Trailer (Deutsch) HD
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© Majestic/Netflix
Feuchtgebiete
Manche Filme sind besonders gut, weil sie besonders eklig sind. Ein kontrovers diskutiertes deutsches Beispiel dieser Art gibt es mit Feuchtgebiete jetzt bei Netflix.

"Das Leben hat doch so viel mehr zu bieten als solch ekelhafte Perversitäten des menschlichen Herzens. [...] Wir brauchen Gott." Mit dieser Reaktion eines BILD-Lesenden beginnt Regisseur David Wnendt Feuchtgebiete, seine Verfilmung des Skandal-Romans von Charlotte Roche.

Darauf folgen 102 Minuten voller Fäkalien, Rektalverstümmelung, Blut, Sperma, Vaginalsekrete und Hämorrhoiden, die nach mancher Meinung auf Netflix sogar ungeschnittenen Horrorfilmen Konkurrenz machen könnten. Aber genau diese mutige Freizügigkeit macht den Film gut.

Schaut euch hier den Trailer zu Feuchgebiete an:

Feuchtgebiete - Trailer 100% jugendfrei (Deutsch) HD
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Feuchtgebiete auf Netflix zeigt Ekel, Sex und Familienkrisen

Wnendts Film ist nämlich keine simple Trotzreaktion auf die empörten Stimmen zu Roches Buch, wie es das Vorwort suggeriert. Nüchtern betrachtet greift er die Kerngeschichte des Buches ernsthaft und vorlagentreu auf:

Die 18-jährige Helen (Carla Juri) ist fasziniert von Körpersäften und Hygieneregeln: In letzterem Fall vor allem davon, sie zu brechen. Ihr Sexualtrieb ist ebenso groß wie das Bedürfnis, ihr Genital an einem dreckigen Klorand zu reiben. Oder die Nonchalance, mit der sie sich den gebrauchten Tampon ihrer besten Freundin Corinna (Marlen Kruse) einführt.

Vor allem aber beschäftigt sie die Trennung ihrer Eltern (Meret Becker und Axel Milberg), deren Umgang miteinander bei ihr seit jeher tiefe Narben gerissen hat. Als sie wegen einer Analfissur ins Krankenhaus kommt, will sie mit einem großen Plan Vater und Mutter am Krankenbett wieder vereinen. Was natürlich völlig anders verläuft als gedacht.

Mit Analfissur im Krankenhaus: Helen

Gerade wegen der Ekel-Szenen funktioniert Feuchtgebiete auf Netflix gut

Wnendt und Juri gelingt es dabei, den Zuschauer:innen Helen wirklich nahe zu bringen: Gerade die Hauptdarstellerin bringt jede ihrer Facetten von zerbrechlich zu trotzig und gemein zum Strahlen. Und was zunächst wie eine Szenenkette mit Körpersäften und abjekten Grenzüberschreitungen wirkt, entwickelt schließlich eine große emotionale Wucht. Kindliche Traumata und der menschliche Körper spielen dabei eine große Rolle.

Wenn Wnendt und Roche also explizit werden, ist das ein Befreiungsschlag: Gegen die Fremdbestimmung des eigenen Körpers. Gegen eine heuchlerische Bürgermoral. Gegen eine Elternschaft, die hilflos verletzt, wo sie eigentlich lieben und schützen sollte. Und letztlich auch gegen die, die der Kunst das Recht auf Ekel absprechen wollen.

Helen und Freundin Corinna

Roche beschreibt ungeschönt Helens Welterfahrung und Wnendts Film tut es ihr gleich. Er ist gut, weil er ihren Befreiungsschlag mit viel Witz, aber auch einer spürbaren Wut inszeniert. Wut ist ehrlicher als Anpassung. Und Hämorrhoiden ehrlicher als die pietistischen Sprüche mancher BILD-Leser:innen.

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In dieser Folge des Moviepilot-Podcasts Streamgestöber diskutierten Jenny Jecke und Lisa Ludwig deshalb, was dran ist an den Bedenken rund um den Netflix-Hit. Warum wurde ausgerechnet diese Serie zu solch einer Ausnahme-Erscheinung, die selbst die Politik beschäftigt? Und sind die Ängste berechtigt?

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