Mein Herz für Serie

Im Hospital der Geister regiert das Böse

Lars von Triers Kingdom - Hospital der Geister.
© Koch Media
Lars von Triers Kingdom - Hospital der Geister.

Lars von Trier inszeniert sich gerne als Enfant terrible des Kinos. Infolge seiner Europa-Trilogie – bestehend aus The Element of Crime (1984), Epidemic (1988) und Europa (1991) – widmete sich der Kult-Regisseur jedoch zunächst einem außergewöhnlichen Serien-Format für das dänische Fernsehen. Noch bevor er 1995 gemeinsam mit Thomas Vinterberg, Kristian Levring und Søren Kragh-Jacobsen das radikale Dogma 95-Manifest proklamierte, erschien mit Geister eine Miniserie, die essentielle Dogma-Regeln aus dem Keuschheitsgelübde (Vow of Chastitiy) bereits sanft andeutete. Mein Herz für Serie schlägt heute für dieses spannende wie unkonventionelle Serien-Experiment.

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In Lars von Triers Geister suchen paranormale Phänomene das königliche Reichskrankenhaus in Kopenhagen heim. Auf der neurochirurgischen Station geht die Patientin Sigrid Drusse (Kirsten Rolffes) den mysteriösen Vorgängen auf den Grund. Gemeinsam mit ihrem Sohn Bulder (Jens Okking), der im Krankenhaus als Pflegekraft arbeitet, entdeckt die Spiritistin den Geist eines grausam ermordeten Mädchens. Ihre Aufklärungsarbeit wird dabei vom neuen schwedischen Oberarzt Stig Helmer (Ernst-Hugo Järegård) beträchtlich erschwert, denn dieser verachtet sowohl seine Patienten als auch die Kollegen. Währenddessen finden sich der Assistenz-Arzt Krogen (Søren Pilmark) und Judith (Birgitte Raaberg) unversehens im Epizentrum dunkler Mächte wieder, als seine Freundin das riesenwüchsige Baby des Dämons Age Krüger (Udo Kier) zur Welt bringt.

Die komplexen Geschehnisse der achtteiligen Miniserie Kingdom – Hospital der Geister lassen sich nur schwer adäquat auf wenige Worte herunterbrechen. Als zu stark verwoben erweist sich die Figurenkonstellation, die sich vor keiner Seifenoper zu verstecken braucht und in ihrer Art an das hervorragende Verwirrspiel Twin Peaks erinnert. Ebenso wie David Lynchs TV-Serie bezieht Geister seinen Reiz primär aus dem schrulligen wie eigenwilligen Charakter-Ensemble. Im Fokus steht zunächst die rüstige Rentnerin Sigrid Drusse, die aufgeweckt und voller Elan die mysteriösen Erscheinungen verfolgt und vom Typus an klassische Detektiv-Figuren à la Miss Marple erinnert. Ihr behandelnder Oberarzt ist der arrogante Schwede Stig Helmer, der durch seine rüpelhaften Manieren kontinuierlich im Clinch mit der Belegschaft liegt. Seine Wesenszüge prädestinieren ihn als perfekten Antagonisten und mustergültige Projektionsfläche für jedwedes Ressentiment. Natürlich benötigt auch er seine Nemesis im Krankenhaus-Stab. Diese Rolle füllt Krogen mit großer Leidenschaft aus. Obwohl der Assistenz-Arzt als Identifikationsfigur dient, bleibt er zuweilen aufregend ambivalent, wenn er das Personal besticht oder erpresst. Im Keller des Gebäudekomplexes lässt er es sich zudem nicht nehmen, Kokain aus Augentropfen zu gewinnen und an die Kollegen zu verkaufen.

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