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ARD-Film Pius XII.

Hitlers Papst in der ARD vor medialer Seligsprechung

01.11.2010 - 10:21 Uhr
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Pius XII.
© BR/Moris Puccio/Lux Vide
Pius XII.
Die ARD widmet diesen Montagabend wieder einmal der Aufarbeitung deutscher Geschichte. Diesmal wird die Rolle von Pius XII. beleuchtet, der wohl umstrittenste Papst des 20. Jahrhundert.

Er habe während des Dritten Reiches geschwiegen und damit die Ermordung von Millionen Juden hingenommen. So lautete das öffentliche Urteil über den Papst der Jahre 1939 bis 1958 jedenfalls bislang. Jetzt folgt mit dem ARD-Eventfilm das, was auch bei Dresden und Die Flucht schon als Geschichtsrevisionismus verteufelt worden ist. In der ARD heißt dieser Papst nicht etwa “Hitlers Pope”, wie ihn der Historiker John Cornwell einmal genannt hat, sondern schlicht Pius XII..

Christian Duguay inszeniert im Zweiteiler Pius XII. den Papst als Christ in einem moralischen Dilemma. Der Film spielt im Rom in der Zeit zwischen dem ersten Luftangriff alliierter Bomber im Juli 1943 und die Befreiung der Stadt im Juni 1944. In diesen letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs deportierten die Nazis etliche, nicht nur römische Juden, um sie in Arbeits- und Konzentrationslagern kurz vor der Befreiung durch die Alliierten umzubringen. Die katholische Kirche rettete in dieser Zeit Zehntausende italienische Juden, indem sie ihnen erlaubte, sich in den Mauern ihrer Klöster und Kirchen zu verstecken.

Ergänzt wird dieser historisch belegte Doku-Part vom üblichen fiktiven Eventfilm-Einerlei, einer Frau, die zwischen zwei Männern steht und sich damit zwischen zwei Weltbildern, vor allem aber für die Liebe entscheiden muss. In Pius XII. ist der eine der jüdische Schwarzmarkt-Händler Davide, der sein Pässefälscherwissen nun für das Gute einsetzen kann, der andere ein Student aus gutem Hause, Marco. Aber das alles gerät im Angesicht der 180°-Wende des päpstlichen Images vollkommen in den Hintergrund.

Josef Bruckmoser von den Salzburger Nachrichten bewertet Pius XII. kritisch und beruft sich dabei auf die Diskrepanz, die zwischen dem Eventfilm-Image und dem Bild, das unter Theologen und Historikern anerkannt ist. Rolf Hochhuth, der mit seinem Drama Der Stellvertreter aus dem Jahr 1963 noch ein ganz anderes Bild des Hitler-Papstes zeichnete, weist nicht zu Unrecht in der B.Z. darauf hin, dass demnächst die Seligsprechung von Pius XII. ansteht. Sie wurde vom deutschen Papst Benedikt XVI. initiiert. Eine Produktion wie Pius XII. arbeitet einer öffentlichen Beurteilung dieses symbolischen Akts natürlich enorm zu. Dass es der im öffentlich-rechtlichen Rundfunk für die Berichterstattung aus dem Vatikan zuständige Bayrische Rundfunk und nicht etwa der WDR ist, der diesen Film mit produziert hat, ist insofern nicht verwunderlich.

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