Hereditary - Was zur Hölle hat das Ende zu bedeuten?

Splendid FilmAbspielen
© Hereditary
Splendid Film
15.06.2018 - 18:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
18
7
Hereditary - Das Vermächtnis ist einer der verstörendsten Filme der letzten Jahre. Was das albtraumhafte Ende zu bedeuten hat? Hier erfahrt ihr es.

Achtung, Spoiler zu Hereditary: Gestern startete mit Hereditary - Das Vermächtnis der bisher am meisten gehypte Horrorfilm des Jahres in den deutschen Kinos. Wer den Charakteren um Toni Collette zwei Stunden lang seine emotionale Aufmerksamkeit schenkt, wird am Ende mit einem verstörenden und albtraumhaften Finale konfrontiert, das wohl so einige Kinozuschauer verwirrt und manchmal auch enttäuscht zurückgelassen hat. Wenn ihr also wissen wollt, was am Ende von Hereditary überhaupt vor sich ging und was das alles zu bedeuten hat, seid ihr hier an der richtigen Stelle.

Hereditary beginnt mit der Beerdigung von Annies (Toni Collette) Mutter Ellen, was für ihre Familie eine lange Verkettung von dramatischen Ereignissen zufolge hat. Am Ende erfahren wir, dass das Leben und Schicksal der Graham Familie durch eine okkulte Sekte geleitet wurde und Annies Mutter aus dem Grab heraus ihre Familie für eine übernatürliche Macht opferte. Was für einige Zuschauer wie aus heiterem Himmel zu kommen scheint, wird durch den Film hindurch durch viele kleine Hinweise bereits angedeutet.

Was passiert am Ende von Hereditary?

Der arme Peter wird von nackten Menschen gejagt

Im Finale von Hereditary überschlagen sich die Ereignisse wie in einem surrealen Fiebertraum. Peter (Alex Wolff) muss mit ansehen, wie seine Mutter - wie von Teufel besessesen - an den Wänden des Hauses herumklettert und sich schließlich selbst den Kopf abschneidet. Das Haus der Familie ist plötzlich voller nackter Menschen vor denen Peter mit einem Sprung durchs Fenster fliehen will.

Doch ein mysteriöses Licht gleitet in seinen Körper und scheint von ihm Besitz zu ergreifen. Er betritt das Baumhaus, in dem bereits eine okkulte Sekte und die Leichen seiner Großmutter, seiner Mutter und seiner Schwester vor einem Altar drapiert wurden und der Kult begrüßt seinen neuen Herrscher, einer der acht Könige der Hölle, in ihrer Mitte. Das klingt jetzt erstmal alles ziemlich verwirrend, doch wenn wir die im Film verteilten Puzzleteile zusammensetzen, scheint das Ende von Hereditary viel verständlicher und noch schockierender.

Wer oder was ist Paimon in Hereditary?

Wir sind alle nur Figuren in einem größeren Spiel

Um das Ende und die Ereignisse von Hereditary etwas besser verstehen zu können, sollte wir erstmal klären, wer der ominöse Paimon ist, dessen Name im Film immer wieder erwähnt wird. Die Identität von Paimon steht in direktem Zusammenhang mit dem mysteriösen Symbol, das zum Beispiel Annies Halskette schmückt. Dieses Symbol existiert tatsächlich und stammt aus dem mittelalterlichen Grimoire Ars Goethia. Genauer gesagt ist es das Siegel des Paimon. Er ist ein König der Hölle und ein untertan des Teufels. Er wird oft auf einem Dromedar reitend dargestellt und bringt seinen Ergebenen Reichtümer und Wissen in Kunst und Wissenschaft.

Das Siegel von Paimon

Doch seine Gunst kommt nicht ohne ein Opfer daher. In Hereditary erfahren wir, dass Großmutter Ellen Mitglied einer Sekte war, die Paimon verehrt und einen menschlichen Wirtskörper für ihn sucht, mit dem der Höllenfürst auf der Erde wandeln kann. Wie der Titel des Film (zu Deutsch: vererbbar) bereits verrät, hat Ellen ihre eigene Blutlinie auserwählt, ein Opfer für Paimon zu werden, das der Sekte Reichtümer verspricht ("Riches for the conjurer.").

Hereditary und die dämonische Erblinie

Charlies Klockgeräusch wird euch noch lange heimsuchen

Das Verhältnis zwischen Annie und ihrer Mutter war schon lange vor den Ereignissen in Hereditary zerrüttet. Nach dem Tod ihres Vaters und ihres Bruders wollte Annie ihren Sohn Peter vor dem Einfluss ihrer Mutter bewahren. Erst als ihre Tochter Charlie (Milly Shapiro) geboren wurde, trat Ellen wieder in Annies Leben und erkor ihre Enkelin als Wirt für Paimon aus. Doch der Dämon fühlte sich nicht gerade Wohl im Körper eines kleinen Mädchens. Denn Paimon braucht einen männlichen Körper, was erklärt, warum Ellen ihre Enkelin in der Vergangenheit wie einen Jungen behandelte. Doch ihre Demenz hinderte Ellen daran, ihren Plan weiter zu verfolgen. Erst mit dem Tod der Matriarchin, kann sie ihr Spiel weiterführen.

Der tragische Tod von Charlie - das erste albtraumhafte Ereignis in Hereditary - ist im Nachhinein betrachtet kein Zufall, was das Symbol von Paimon am Pfosten verrät, der Charlie enthauptet. Nach Charlies Tod tritt die mysteriöse Joan (Ann Dowd) in Annies Leben, die ebenfalls ein Mitglied der Sekte ist. Sie zeigt Annie ein Ritual, mit dem sie den Geist ihrer Tochter beschwören kann. Doch in Wirklichkeit legt dieses Ritual den Grundstein für Paimons Auferstehung in Peters Körper. Charlie ist nicht die einzige in der Familie, die von Paimon besessen war. Die zahlreichen Aussetzer, die Annie als Schlafwandeln deutete, waren in Wirklichkeit Momente, in denen ein Dämon von ihr Besitz ergriffen hat.

Der Geist von Ellen zieht die Strippen in Hereditary

Mit welchem Geist kommuniziert Annie wirklich?

Einige Entdeckungen in Hereditary deuten darauf hin, dass die Ereignisse im Haus der Grahams durch den Geist von Ellen gelenkt wurden. Wir erfahren, dass ihre Leiche aus ihrem Grab entwendet und auf dem Dachboden des Hauses deponiert wurde. Von dort aus konnte Ellen Geist die ganze Zeit das Geschehen manipulieren. Relativ früh im Film erkennt Annie den Geist ihrer Mutter in einer dunklen Ecke. Zu diesen Zeitpunkt lag ihre Leiche schon auf dem Dachboden. So können wir davon ausgehen, dass Annie später nicht etwa mit dem Geist ihrer Tochter in Kontakt tritt, sondern der Geist ihrer Mutter mit ihr kommuniziert.

Die enthaupteten Leichen von Ellen, Annie und Charlie werden schließlich von der Sekte als Opfergabe für Paimon erbracht, der am Ende im Körper von Peter wieder auf der Erde weilen kann - Charlie bastelt früh im Film ein ähnliches Szenario als Diorama. Als Peter zuvor von dem Licht erfasst wird, beginnt er das gleich Klockgeräusch zu machen, welches seine Schwester Charlie zuvor immer machte. Als Peter das Baumhaus betritt, wird er von Joan als "Charlie" begrüßt und bekommt eine Krone aufgesetzt, die seine Schwester schon vor ihrem Tod auf einem Bild malte. Doch so überrumpelnd und schockierend das Ende von Hereditary auch scheint, deutet es sich in vielen kleinen Hinweisen über den Film verteilt mehr als deutlich an, was beim erneuten Ansehen des Horrorfilms für einige interessante Aha-Momente sorgt.

Hereditary erzählt von viel mehr als nur Angst und Schrecken

So solltet ihr besonder den Aussagen in Peters Englisch-Unterricht Gehör schenken, die das spätere Schicksal der Familie ziemlich deutlich ansprechen. Doch das dämonische Puzzlespiel ist natürlich nicht die einzige Deutung von Hereditary. Unter der Oberfläche erzählt der Film ebenso eine Geschichte über die Vererbbarkeit von psychischen Krankheiten oder die zahlreiche Stadien von Trauer, die durch die einzelnen Figuren repräsentiert werden. Hereditary ist also ein Horrorfilm, der sich vom ersten Trailer an in euren Köpfen festsetzt und euch noch lange beschäftigen wird.

Wie fandet ihr das Ende von Hereditary?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News