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Heiner Carows übersehenes Coming Out

13.12.2012 - 15:01 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Coming Out
© Progress Filmverleih
Coming Out
Als Heiner Carows Drama Coming Out in der DDR am 09.11.1989 in die Kinos kam, war die Geschichte über das Outing eines Schwulen eine kleine Revolution im DEFA-Film. Dann fiel die Mauer und die politische Revolution stellte den Film in den Schatten.

Heiner Carow war in der DDR nicht bloß irgendein Regisseur. Sein DEFA-Klassiker Die Legende von Paul und Paula war ein sehr großer Erfolg und genießt bis heute Kultstatus. Obwohl er außerdem auch Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR war, musste der Regisseur über sieben Jahre für sein Projekt kämpfen, bis die Verantwortlichen in der DDR grünes Licht für einen Film mit der damals brisanten Thematik Homosexualität gaben. Als Coming Out dann schließlich am 09.11.1989 seine Kinopremiere feierte, tanzten nur wenige Stunden später die Menschen auf der Berliner Mauer und feierten das Ende der Diktatur und die Öffnung der Grenzen.

Im Freudentaumel einer geeinten Nation war das sensible Außenseiterporträt mit Nachwuchsschauspieler Matthias Freihof als homosexueller Lehrer nicht mehr von so großer Bedeutung und der Film mit Dagmar Manzel und Michael Gwisdek in weiteren Rollen fand entsprechend weniger Beachtung, als ihm vielleicht zu einem früheren Zeitpunkt wiederfahren wäre.

In Ost-Berlin fängt der junge Lehrer Philipp zunächst eine Beziehung mit seiner Kollegin Tanja an, bevor sich ein alter Freund von ihr als Phillips Jugendliebe herausstellt. Die gleichgeschlechtliche Beziehung haben Phillips Eltern ihrem Sohn seinerzeit verboten und die Affäre beendet. Durch das zufällige Wiedersehen gerät Philipp in eine Krise und beginnt eine Affäre mit einem anderen jungen Mann. Erst langsam gelingt es ihm, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen und sich auch seinen Kollegen gegenüber ohne Scham zu outen.

Wer in den ereignisreichen Tagen und Monaten im Herbst 1989 keine Zeit für einen Kinobesuch hatte oder einfach eine gern übersehene Perle des DEFA-Kinos neu entdecken möchte, dem sei Coming Out heute Abend wärmstens empfohlen. Das Selbstfindungsdrama ist außerdem eine der letzten Produktionen des staatseigenen Unternehmens, bevor die DEFA 1992 ihre Arbeit gänzlich eingestellt hat und zugleich ein Porträt der DDR kurz vor ihrem Zusammenbruch.

Heute im TV: Coming Out
Wann: 23:55 Uhr
Wo: MDR

Interessiert euch die filmische Aufarbeitung eines Coming Outs in der DDR der schaut ihr etwas anderes?

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