Zum 60. Geburtstag

Hans Zimmer und Christopher Nolan - Das Dream-Team Hollywoods?

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"Wenn wir wegen dir draufgehen, bring ich dich um!"

Hans Zimmer und das moderne Hollywood-Kino sind in den letzten Jahrzehnten zu zwei beinahe untrennbaren Begriffen geworden. Der deutschstämmige Filmkomponist ist für seine Vertonungen von Blockbustern aus Hollywood bekannt und deswegen gleichermaßen geliebt wie verhasst. Seinen heutigen 60. Geburtstag möchte ich allerdings dazu nutzen, sein Schaffen auf einen bestimmten Aspekt hin zu beleuchten. Seit Batman Begins im Jahr 2005 arbeiten Zimmer und der Regisseur Christopher Nolan erfolgreich zusammen. Dieses Jahr erschien ihr nächstes gemeinsames Projekt Dunkirk in den Kinos. Da kommt der runde Geburtstag gerade recht, um nicht nur Hans Zimmer zu gratulieren, sondern auch Hollywoods Dream-Team Zimmer/Nolan.

Vor Christopher Nolan: Die nicht minder epischen Anfänge

Letzte Woche war ich doch etwas überrascht, als ich erfuhr, dass der legendäre Hans Zimmer erst seinen 60. Geburtstag feiert. So vielen Filmen hauchte der Mann am Mischpult schon Leben ein, dass ich ihn vor meinem geistigen Auge als alten Herrn sah. Doch der Musiker fing eben früh an. Bereits 1988 hatte er seinen großen Durchbruch mit der Filmmusik zu Rain Man mit Dustin Hoffman und Tom Cruise in den Hauptrollen. Von dort an ging es für den damals 30-Jährigen nur noch bergauf. Unvergessen bleibt sein Soundtrack für Der König der Löwen, den er ursprünglich für seine Tochter schrieb, und mit dieser persönlichen Note Millionen von Zuschauern berührte. 2004 war es dann so weit und Hans Zimmer sollte auf den jungen und ehrgeizigen Filmemacher Christopher Nolan treffen.

Gesucht und gefunden: Hans Zimmer und Christopher Nolan

Nicht nur Batman nahm seinen Anfang in Batman Begins, sondern auch die Zusammenarbeit von Christopher Nolan und Hans Zimmer. Auf Zimmers Wunsch hin wurde der Filmkomponist James Newton Howard hinzugezogen, da diese beiden Facetten der bipolaren Figur des Batman am besten entsprechen würden. Die Fortsetzung The Dark Knight entspringt ebenfalls aus dieser Teamarbeit. Die oftmals verpönte Einfachheit von Zimmers Filmmusik macht meiner Meinung nach den Soundtrack von The Dark Knight aus. Denn ich werde nicht die Einzige sein, die diesen einen, simplen, aber effektvollen Ton nicht mehr vergessen kann. Das Joker-Thema kriecht mir unwillkürlich unter die Haut und ruft Gänsehaut hervor. Wichtig für Zimmer ist vor allem der Klang, und der wird von Musiker zu Musiker unterschiedlich aus einem Instrument herausgekitzelt. In diesem Fall durfte Martin Tillmann sein Cello in die Hand nehmen und aus dieser Note alles herausholen. In der Dokumentation Der Sound von Hollywood erklärt Zimmer seine Idee genauer:

Ich fragte mich: Was passiert, wenn wir die Stimmung nicht durch das Zusammenspiel verschiedener Noten erzeugen, sondern innerhalb einer Note. Ich habe für den Cellisten alles sorgfältig aufgeschrieben. Es sollte leicht besorgt beginnen, wütender werden, und am Ende macht man sich vor Angst in die Hosen.

Hier könnt ihr euch das beunruhigende Joker-Thema Why So Serious anhören:

Verloren in der Traumwelt

Das nächste gemeinsame Projekt (von nun an ohne James Newton Howard) war Inception, der ein völlig neues Kapitel für beide Filmschaffende aufschlagen sollte. Der fantasievolle Blockbuster mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle spielt auf musikalischer Ebene vor allem mit elektronischen Klängen. Hans Zimmer experimentierte mit computererzeugten Sounds, die er dann vom Orchester imitieren ließ. Das legendäre Dröhnen, das von einer eindrucksvollen Menge an Blechbläsern erzeugt wurde, wird seither in vielen Blockbustern kopiert. In Inception erzeugen diese Klänge für mich ein Gefühl der Macht und Bedrohung, welche auch die künstlich erschaffenen Traumwelten in sich bergen.

Dem Thema Zeit fällt in Hans Zimmers Soundtrack eine besondere Rolle zu. Die schleifenartige Wiederholung der Themen synthetisieren die im Film dargestellten Traumebenen auf auditiver Ebene, wie beispielsweise in Dream is Collapsing. Nolans saubere und präzise Inszenierung korreliert hier perfekt mit der getriebenen, permanent Spannung erzeugenden Filmmusik Hans Zimmers.

Hier könnt ihr in die verschiedenen Motive von Inception hineinhören:

Von Liebe und Transzendenz

Immer auf der Suche nach neuen Klängen, wandte sich das nun unzertrennliche Team Nolan/Zimmer sakralen Tönen zu. Mit Interstellar ging Christopher Nolan etwas anders vor als sonst. Er weihte Hans Zimmer nicht in das Genre oder die Größe der Produktion ein, sondern gab ihm lediglich ein paar Dialoge und ein zentrales Motiv des Films: die Beziehung eines Vaters zu seinem Kind. Nolan war sofort zufrieden mit dem Thema, das Zimmer ihm lieferte, wie er in einem Making-of erklärt :

Als er mir das Musikstück vorspielte, das die Basis des ganzen Scores werden sollte, dachte ich, dass es absolut perfekt war und den emotionalen Kern des Films traf, den ich haben wollte.

Denn obwohl Interstellar ein großer Science-Fiction-Film ist, liegt sein eigentlicher Kern in der Beziehung zwischen Coop und seiner Tochter Murph. Diese Liebe verbindet alle Zeitebenen des Films. Zimmers Musik zu Interstellar ist anders als in Inception leise und gefühlvoll, zerbrechlich und voller Sehnsucht. Ein spannendes Element ist der Einsatz einer Orgel. Genauso wie bei Batman (Cello) und Inception (E-Gitarre) stehen hier wieder ein Musiker und sein Instrument, in diesem Fall die Orgel, im Vordergrund. Für Nolan steht die Orgel nicht nur für die Christenheit:

Die Orgel, die Architektur von Kathedralen; sie stehen für den Versuch der Menschheit, das Mystische oder Metaphysische darzustellen. Das, was jenseits von uns ist.

Zimmer war sehr angetan von der Vielseitigkeit, die der Musiker Roger Sayer aus der Orgel herausholte:

Die Orgel ist eigentlich ein großer, komplizierter Synthesizer. [...] Und es gab diese unendliche Entdeckungsreise für Chris und mich, als Roger uns durch all die verschiedenen Stimmen und Klangfarben führte. [...] [Der Orgel] wohnt etwas sehr Menschliches inne, weil sie einen Ton nur mit Luft erzeugen kann, und sie muss atmen. Man kann in jedem Ton den Atem hören.

Mit diesen beiden Komponenten, der religiösen Macht der Orgel und der menschlichen Zerbrechlichkeit, die sie durch andere Klangfarben ebenfalls erzeugen kann, arbeiteten Zimmer, Nolan und Sayer, um die Filmmusik von Interstellar zu erzeugen.

Hier könnt ihr euch das Hauptthema von Interstellar anhören:

Mir ist bewusst, dass Hans Zimmer in der Kritik steht, sich zu wiederholen und selbst zu kopieren. Ich finde allerdings, dass gerade in der Einfachheit seiner Soundtracks die wahre Kunst liegt. Wie kein anderer schafft er es, Emotionen durch atemberaubende Klangteppiche enstehen zu lassen. Gerade in der Zusammenarbeit mit Christopher Nolan, der für kreative Ideen in Hollywood sorgt, entstanden emotionale, epische und spannende Musikthemen zu einzigartigen Filmen. Ich habe dafür nur Lob übrig. Alles Gute, Hans Zimmer.

Wie findet ihr die Zusammenarbeit von Hans Zimmer und Christopher Nolan?

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