Game of Thrones: Nur das Ende von Tyrion ist keine komplette Enttäuschung

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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Achtung, es folgen Spoiler zur 8. Staffel von Game of Thrones: Nun ist es also vorüber. Game of Thrones ist zu Ende gegangen. Manche mögen meinen, dass das Game of Thrones-Finale eine unlösbare Aufgabe meistert, aber mich hat es zu große Teilen unbefriedigt und leer zurückgelassen.

Die einzige Ausnahme bildet das Schicksal von Tyrion Lannister (Peter Dinklage). Er darf sich ein letztes Mal zu alter Größe erheben und so zumindest einen Teil des Game of Thrones-Finales retten.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse zu Tyrions Ende:

  • Das Finale ist ein langer unbefriedigender Epilog. Nur Tyrion findet einen würdigen Abschluss.
  • Nachdem Tyrion zuletzt zur unwichtigen Witzfigur verkommen war, darf er im Finale zum Glück ein letztes Mal strahlen.
  • Tyrions angebliche Strafe als königlicher Berater ist in Wahrheit die Belohnung seiner Figur und Peter Dinklage kann noch einmal alles geben.

Tyrion: Ein Lichtblick im unbefriedigenden Abschluss von Game of Thrones

Nennt mich altmodisch, aber ich hatte mir für Game of Thrones' Finale einen großen Knall erhofft. Alles wäre besser gewesen, als die wenig erfüllenden Kompromisslösungen, die mir in den letzten Folgen vorgesetzt wurde. Nichts für ungut, Tyrion, aber Bran als König? Wirklich?

Jaimes Schicksal macht seinen über sieben Staffeln vollzogenen Charakterwandel rückgängig. Überstürzt rutscht Daenerys in die vererbte Verrücktheit ab und entwickelt Dritte-Reichs-Herrschaftsfantasien, wofür sie dann sterben muss. Jon geht zurück an die Mauer, wo es eigentlich nichts mehr zu tun gibt.

Lieblingsfiguren aus Game of Thrones stehen Schlange, um ihren Fans mit fragwürdigen Drehbuchentscheidungen entfremdet zu werden. Eine Ausnahme im Schlachtfeld der Enttäuschungen bildet für mich allein Tyrion, den ich fast schon verloren gegeben hatte und der nun doch noch einmal letztes Mal aufblühen darf.

Tyrion wird in letzter Sekunde vor der Bedeutungslosigkeit gerettet

In den ersten vier Staffeln war Tyrion Lannister eine der witzigsten, berührendsten und sympatischsten Figuren, die Game of Thrones zu bieten hatte. Kein Wunder also, dass der ungeliebte dritte Lannister-Sproß und Außenseiter zum Fanliebling reifte.

Zu Recht sammelte Peter Dinklage drei Emmys und einen Golden Globe für seine Darstellung ein. Doch als sich Tyrion in Staffel 5 nach Essos Richtung Daenerys aufmachte, verlor sein Charakter zunehmend an Bedeutung und wurde zur immer unwichtigeren Nebenfigur degradiert.

Die Dialoge schwächelten und in Staffel 8 wurde Tyrion zuletzt sogar noch seine größte Stärke genommen: seine Intelligenz. Viele seiner Handlungen schienen bald nicht mehr zu seiner Figur zu passen - der Tyrion der 1. Staffel hätte sich von Sansa nie derart instrumentalisieren lassen.

Erst das Game of Thrones-Finale gab Tyrion seinen Einfluss zurück: Unabhängig, was jeder davon halten mag, dass Daenerys sterben und Bran den Thron besteigen musste - es war Tyrion, der als Federführer die Geschicke von Westeros lenkte. Denn er "überredete" Jon zum Dolchstoß und er brachte die Königs-Idee vor den großen Rat, mit der keiner (inklusive mir) gerechnet hatte.

Tyrions Strafe ist in Wahrheit sein verdienter Game of Thrones-Lohn

Am Ende von Game of Thrones wird Tyrion widerwillig zur neuen Hand des Königs bestimmt. Er mag sich dagegen sträuben, doch in Wahrheit ist es der wohlverdiente Lohn jahrelanger Arbeit. Schließlich hatte der von seinem Vater ungeliebte Lannister-Sohn in Staffel 2 und 3 festgestellt, dass er nicht nur ein Händchen für Politik hatte, sondern das Ränkespiel sogar genoss.

Zugleich darf Peter Dinklage während des Game of Thrones-Endes in seinem Schauspiel noch ein letztes Mal aufblühen und so im finalen Schnelldurchlauf die besten Tyrion-Momente noch einmal aufleben lassen, die ihn in der Vergangenheit so unvergesslich gemacht hatten:

  • Tyrion darf uns zu Tränen rühren, wenn er über den Leichen seiner Geschwister einen großen emotionalen Szene hat (der letzte ist immerhin 4 Staffeln her, wenn wir an seinen Gerichtsprozess zurückdenken).
  • Tyrion darf trotz absehbarer schlimmer Konsequenzen für sich selbst die schwere Wahrheit aussprechen und dafür fast durch Daenerys sterben - um am Ende doch unbeschadet davonkommen.
  • Tyrion darf das tun, worin er gut ist: Königsmund in eine hoffentlich bessere Zukunft führen, am Weltgeschehen teilhaben ... und dabei trotzdem trinken und über Bordelle witzeln.
  • Tyrion ist der letzte große Vertreter seiner Familie und nimmt so am Tischende den Platz seines Vaters im königlichen Rat ein, den dieser ihm nie zugestehen wollte. Post-mortem-Genugtuung ist hier garantiert.
  • Tyrion hat zwar seine Familie verloren, ist am Ende aber umgeben von Freunden und Menschen, die wir als im Herzen aufrecht kennen: Davos, Bronn, Brienne und Sam.

Letztendlich schenkt Game of Thrones dem zuletzt schwächelnden Tyrion also doch noch den Ruhm, den er verdient. Das Stühlerücken hat ein Ende und der letzte Lannister ist an einem Punkt angekommen, mit dem er und ich zufrieden sein können. Es ist ein Happy End im Kleinen - so gut, wie es im Rahmen des Gesamt-Serienabschlusses eben möglich ist. Aber es ist ein Happy End.

Hat Tyrions Ende in Game of Thrones euch zufriedengestellt?

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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.
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