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Future Man - Seth Rogens Sci-Fi-Comedy im Serien-Check

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© Hulu
Future Man
16.11.2017 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Seth Rogen und Evan Goldberg produzieren mit Future Man eine eigene Sci-Fi-Serie mit allen bekannten Zutaten. Schlecht muss das nicht sein. Solange man Fan ist zumindest.

Wenn sich die Autoren und Regisseure von Sausage Party zusammentun, um eine eigene Sci-Fi-Serie zu drehen, dann dürfte klar sein, was der Zuschauer bekommt. Und so kommt es dann auch: Future Man, erschaffen von Kyle Hunter und Ariel Shaffir, produziert (und in drei Fällen auch inszeniert) von Seth Rogen und Evan Goldberg, liefert alles wie bestellt. Eine Romantisierung des Losers als heimlichem Helden, popkulturelle Referenzen bis zum Abwinken, brachialer Humor, alles so infantil und wenig subtil wie möglich. All diejenigen, die mit dieser Palette nichts anfangen können, werden bei den involvierten Namen wohl ohnehin nicht einschalten. Und alle anderen dürfen sich auf diesen ebenso typischen wie vergnüglichen Spaß einlassen, der sich unverhohlen alles aus der Film- und Seriengeschichte zusammenklaut und eine Prise, oder Schaufel, Pubertät hinzuwirft, um mit seinem Humor-Blankoscheck schlichtweg Vollgas zu geben.

Josh Futturman (Josh Hutcherson), Mitte 20, ist ein Loser, wie er im Buche steht: Er wohnt noch bei seinen Eltern, putzt tagsüber das Labor einer Forschungsanstalt für sexuell übertragbare Krankheiten und verbringt seine Abende und Nächte mit Videospielen. Oder besser: einem Videospiel, Biotic Wars, dermaßen schwierig, dass es bisher von keinem Spieler auf der Welt gemeistert wurde. Als Josh das Unmögliche möglich macht und das Endlevel erfolgreich beendet, tauchen zwei der vermeintlichen Spielcharaktere, Tiger (Eliza Coupe) und Wolf (Derek Wilson), in seinem Zimmer auf. Sie haben ein paar Mitteilungen zu machen: Erstens sind sie Zeitreisende aus der Zukunft, zweitens ist das Videospiel ein Simulator gewesen, um den Retter der menschlichen Spezies ausfindig zu machen, und drittens müssen sie mit Josh jetzt ins Jahr 1969 reisen, weil dort etwas geschehen ist, das die Menschheit ein paar Jahrhunderte später ihre Existenz kostet. Und das muss verhindert werden. Dass Josh natürlich ganz weit davon entfernt ist, ein ehrenhafter oder gar talentierter Krieger zu sein, ist erst einmal nebensächlich.

Josh Hutcherson in Future Man

Die ersten 30 Minuten von Future Man könnten nicht deutlicher machen, wie der Hase läuft. Joshs langweiliges Leben ist begleitet von ausufernden Gesprächen mit seinen Videospielhändlern über den Sinn und Unsinn von Super Mario, inklusive einem kleinen Diskurs der Verkäuferin über ihre Sehnsüchte, Luigi knallen zu wollen, weil der mit Sicherheit einen schön haarigen Schwanz hat. Josh nutzt digitale Charaktere als Wichsvorlagen und pisst in Flaschen, um sich nicht von Biotic Wars losreißen zu müssen. Die Gag-Dichte ist hoch und hat eine solide 50/50-Trefferquote (persönliche Schätzung), bewegt sie sich doch permanent zwischen "Geht gerade noch so" und "Deutlich übers Ziel hinausgeschossen". Wenn Josh dem plötzlich aufgetauchten Wolf gegen den Oberschenkel ejakuliert, ist das 20 Jahren nach American Pie nicht mehr lustig, wenn er kurz darauf glaubt, Tiger wolle mit ihm in 69-Stellung gehen (anstatt ins Jahr 1969 zu reisen), irgendwie schon. Seth Rogen und Evan Goldberg lassen ihren pubertären Vulgärhumor auf allen Zylindern laufen, so bescheuert konsequent, dass man ihnen einen gewissen Charme nicht absprechen kann.

Selbst die humoristischen und technischen Fehlschläge, von denen es schon im Piloten zahlreiche gibt, fallen aus einem ganz einfachen Grund nicht sonderlich ins Gewicht: Future Man als Serie weiß ganz genau, dass sie dumm ist. Sie weiß auch, dass sämtliche Elemente schon mal da gewesen sind, dass sie sich von Zurück in die Zukunft über Terminator alles nimmt, was sie haben will. Darüber lässt sie die Zuschauer aber nicht im Dunkeln: Wenn die beiden Zeitreisenden Josh von ihrem Plan erzählen, erwidert er direkt, das sei doch exakt der Plot von The Last Starfighter. Stimmt auch, ist aber scheißegal, weil The Last Starfighter jetzt um ein paar Schwanzwitze geupgradet wird. Future Man ist selbstironischer Ulk, den man völlig zu Recht verabscheuen kann, an dem man sich aber genau so gut erfreuen kann. Unehrlichkeit kann der Serie in jedem Fall nicht vorgeworfen werden. Wir sprechen hier von einem Plot, in dem die Menschheit in Gefahr gerät, weil ein Professor ein Heilmittel gegen Herpes erfindet und damit die Existenz von unbesiegbaren Reptiloiden ermöglicht.

Eliza Coupe in Future Man

Ähnlich verhält es sich über weite Strecken mit der Inszenierung von Seth Rogen und Evan Goldberg. Die Actionsequenzen sind solide, übersichtlich inszeniert und voller dynamischer Choreografien, die gleichzeitig aber nicht einmal versuchen, ihre technische Minderwertigkeit zu retuschieren. Vor allem die CGI-Effekte sind Trash, klar, aber, auch hier: aufrichtiger Trash. Sie haben nichts mit der verklemmten Gezwungenheit von Asylum- und sonstigen zeitgenössischen Produktionsstudios zu tun, die den Markt mit ihrem pseudokultigen, verkrampft ausgestellten "Trash" überfluten. Future Man bewegt sich immer dicht an einer Hommage an seine Vorbilder, in CGI-Hinsicht wahrscheinlich weniger das Actionkino der 80er und 90er Jahre, sondern Videospiele, in denen Flammen noch eckig sein dürfen, ohne dass es jemanden stört. Andere audiovisuelle Entscheidungen sind da weniger leicht zu verteidigen: Warum das Los Angeles der 1960er Jahre unbedingt in durchgenudelter Sepia-Optik daher kommen und bei erster Gelegenheit The Doors gespielt werden muss, bleibt ein Rätsel.

Ob Future Man auf lange Sicht Spaß machen kann, dürfte auch von der Bildschirmzeit der Nebencharaktere abhängen. Josh Hutcherson ist für die Hauptrolle gelinde gesagt eine skurrile Wahl und ist bisher nicht in der Lage, das Maß an Sympathien zu produzieren, die für solch eine Serie überlebensnotwendig sind. Im Piloten ging das noch klar, weil ihm vielerorts ausgeholfen wurde. Allen voran Ed Begley Jr. und die kürzlich verstorbene Glenne Headly als klammernde Eltern, die nichts lieber wollen, als ihren Sohn bei sich zu behalten, und ihn daher ermuntern, seine Videospiel-Obsession weiter zu verfolgen, machen Riesenspaß. Auch Keith David als Herpes-Forscher Elias Kronish, der nie so richtig über seine 1969 eingefangene Herpes-Infektion hinweggekommen ist, ist eine erfrischende Abwechslung zu dem sich doch eher abmühenden Hutcherson. Doch da der sich nun in einer anderen Zeit befindet, ist es denkbar, dass sie alle kaum noch Platz bekommen. Schade wäre das allemal. Einer Serie, die sich dann nur noch von Sperma- und Fickwitzen nährt, könnte dann ganz schnell die Luft ausgehen.

Was haltet ihr von Future Man?

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