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WM-Fieber - Teil 5

Fußballdokus - Ganz normaler Wahnsinn auf dem Platz

10.07.2014 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Deutschland. Ein Sommermärchen
© Kinowelt
Deutschland. Ein Sommermärchen
Kurz vor Ende der Fußball-WM biegen auch wir in die Zielgerade ein und beschäftigen uns heute mit Fußballdokus. Vom Sommermärchen bis zum harten Schiedsrichterleben haben die Akteure auf dem Platz das Wort. Hier ist Text 5 der Reihe Fußball & Film.

Deutschland. Ein Sommermärchen von Sönke Wortmann ist zweifelsohne eine der hierzulande bekanntesten Dokumentationen zum Thema Fußball. Der Regisseur von Das Wunder von Bern begleitete die deutsche Mannschaft bei ihrer Heim-WM, filmte die begeisterten Fans aus dem DFB-Bus heraus und durfte sogar in der Umkleidekabine zur Kamera greifen, wo ihm sogleich die stärksten Aufnahmen gelangen. Was der vermeintliche Strahlemann Jürgen Klinsmann in der Kabine vor dem zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft so alles von sich gibt, um Bastian Schweinsteiger und Co zu motivieren ist schon starker Tobak, reißt aber auch wie gewünscht mit. Wir werden heute nicht verlieren, schon gar nicht gegen Polen! ist dabei einer der markantesten Sätze des oft als reinen Motivator verschrienen Trainers. Das ebenfalls gelungene weibliche Pendant zum Sommermärchen ist übrigens die Dokumentation Die besten Frauen der Welt von Britta Becker, die den Weg der deutschen Frauennationalmannschaft zum Titelgewinn der WM 2007 näher beleuchtet.

Die Faszination Fußball lebt natürlich nicht allein von den Partien der Nationalmannschaften, sondern auch von der Liebe der Anhänger zu ihren favorisierten Vereinen und der Rivalität von Clubs wie Real Madrid und dem FC Barcelona. Zweifelsohne einen hohen Stellenwert genießt der Ballsport im Ruhrgebiet und dient in der Region vielen Fans als Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mög­lich­keit und Lebensinhalt. Besonders sehenswert ist in diesem Zusammenhang der historisch angelegte Dokumentarfilm Im Westen ging die Sonne auf von Wolfgang Ettlich, der bis in das Jahr 1947 zurückblickt, um anhand von historischen Aufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen die Entwicklung des Fußballs im Pott nachzuzeichnen. Natürlich geht es um die prägenden Derbys zwischen dem FC Schalke 04 und den Borussen aus Dortmund, aber auch Spieler anderer Vereine, wie der legendäre Flügelstürmer Willi Ente Lippens von Rot-Weiss Essen kommen gebührend zu Wort.

Mehr: Die schönste Nebensache der Welt – Fußball im Film

Zahlreiche weitere Dokumentationen legen ihr Hauptaugenmerk auf die Fankultur und die Geschehnisse auf den Tribünen sowie vor und nach dem Spiel. Klaus Martens porträtiert in Wir die Wand die Fans auf der Südkurve des Westfalenstadions (heute offiziell Signal Iduna Park) in Dortmund, der größten Stehtribüne Europas. In Das Rudel filmt Regisseur Alexander Schimpke Ultras und eingefleischte Anhänger des damaligen Drittligisten Union Berlin bei einem Auswärtsspiel in Dresden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, die Anhänger beider Teams sind sich nicht grün und es herrscht eine hitzige Atmosphäre zwischen Jubelausbruch und Eskalation.

Weitaus ruhiger geht es in Frei:Gespielt – Mehmet Scholl – Über das Spiel hinaus zu. Die Dokumentation über die Karriere des verletzungsgeplagten Edeltechnikers Mehmet Scholl ist mehr ein Fan-Film als ein Nachweis für investigativen Journalismus. Ausgehend von seinem letzten Spiel für den deutschen Rekordmeister lässt der Mittelfeldspieler seine bewegte Karriere Revue passieren und Wegbegleiter wie Uli Hoeneß stimmen eine Lobhudelei nach der anderen an. Herr Scholl ist aber zum Glück kein Unsymphat und so übersteht auch der nicht-eingefleischte Bayern-Fan die nicht enden wollende Ehrenrunde nach dem Spiel.

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Einen anderen, aber keinesfalls weniger interessanten Ansatz bietet ein Dokumentarfilm aus dem Mutterland des Fußballs. The Game Of Their Lives von Regisseur Daniel Gordon hat die Heim-WM im Jahr 1966 zum Thema. Doch nicht das Wembley-Tor oder der einzige Titelgewinn der Engländer stehen im Mittelpunkt, sondern das Abschneiden der nordkoreanischen Nationalmannschaft. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, zumindest einen kleinen Einblick in das wohl am meisten abgeschottete Land der Welt zu werfen, da Daniel Gordon und sein Team 2002 nicht nur vor Ort drehen durften, sondern es auch einigen der damaligen Spieler gestattet wurde, sich vor der Kamera zu äußern. Wer sich für das Land interessiert, dem seien an dieser Stelle auch Daniel Gordons weitere Werke über Nordkorea zu empfehlen, wie etwa Crossing the Line über das schwierige Verhältnis zwischen Norden und Süden auf der geteilten Insel.

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