Firefly - Eine Liebeserklärung

I always thought Serenity was a vaguely funereal name.
© Fox / Moviepilot
I always thought Serenity was a vaguely funereal name.
Moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.

Kommt her und setzt euch zu uns, ihr alten Hasen und jungen Hüpper im großen Universum der Serien, der Streams und schon lange nicht mehr flackernden Bildschirme. Wir möchten euch von einer Geschichte erzählen, die sich vor langer Zeit in der Zukunft zugetragen hat.

Damals, als alle Macht bei Fernsehsendern lag und PayTV ein irgendwie schmutziges Wort war. Damals, als das goldene Zeitalter des Fernsehens weit in der Vergangenheit lag, und ein neues nirgends in Sicht war.

Damals, als die Zukunft nicht in Mode war und mehr als eine Serie viel zu wenig beachtet wurde, da sich Erfolg nur und ausschließich an den Einschaltquoten an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit bemaß.

Damals, als Joss Whedon zwar eine der besten TV-Serien aller Zeiten geschaffen hatte, all seine Werke danach aber noch unter dem Fluch erfolgloser Großartigkeit litten, und auch diese Serie keine Ausnahme darstellte.

Wenn ihr Firefly - Aufbruch der Serenity noch nie gesehen habt, dann könnt ihr vielleicht nicht nachvollziehen, warum, bald zwanzig Jahre danach, noch immer so viele Menschen (da draußen und bei uns) anfangen zu wibbeln, sobald auch nur das leiseste Gerücht einer Fortsetzung auftaucht. Warum sie auf Platz 15 der bestbewertetsten Serien auf Moviepilot steht. Warum dieser Liebesbrief von Mattscheibenvorfall so überschwänglich ist. Aber all das sollte eines unweigerlich klar machen: Wenn ihr Firefly noch nicht kennt, dann habt ihr etwas Großes verpasst.

Der Kommentar der Woche von Mattscheibenvorfall zu Firefly

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon die vierzehn Episoden der Serie Firefly gesehen habe. Ein Dutzend Mal? Eher öfter. Vermutlich sogar deutlich öfter. Dabei stieß ich 2005 mehr über Umwege auf dieses funkelnde Juwel am Serienhimmel, als ich damals ohne großes Vorwissen den zugehörigen Film Serenity im Kino sah. Es war sofort um mich geschehen und ich hatte mich in dieser Welt verloren. Als ich danach herausfand, dass Serenity eigentlich nur als Abschluss für die, nach nur einer Staffel eingestellten Serie Firefly gedacht war, da war mir sofort klar, dass ich noch viel tiefer in dieses Universum eintauchen wollte.

Ich liebe diese Mischung aus Science Fiction, Jahrhunderte fortgeschrittener Technik und Zivilisation und den archaischen, westerntypischen Elementen und Riten einer eigentlich längst vergessenen Welt. Vieles speist sich aus dem faszinierenden Gedanken, dass die Zukunft keineswegs auch Fortschritt bedeuten muss. Zumindest nicht für jeden, nicht für die Vergessenen. Sicher ist diese Form der Genre-Kombination nichts Neues oder gar Revolutionäres, aber die unfassbare Detailverliebtheit, die Joss Whedon, seines Zeichens der kreative Kopf hinter Firefly, für sein Herzensprojekt an den Tag legt, die findet so schnell sicher nicht ihresgleichen. Ein solch detailliertes, ausfüllendes und allumfassendes Worldbuilding voller überquellendem Ideenreichtum ist mir bisher nur sehr, sehr selten untergekommen.

Whedon entwirft, scheinbar mit Leichtigkeit, in seinem 26. Jahrhundert eine lebendige Welt voller Kneipenschlägereien, Shootouts, Saloons, Bordellen, Warlords, Ganoven jeglicher Couleur, Duellen, Viehdieben, Pferde, Trinkgelage und Überfällen auf Züge gleichermaßen wie Raumschiffe, hochmoderne Städte, Raumanzüge, kannibalischen Weltraumnomaden, weitentfernten Planeten und Terraforming. Schon allein die Sprache weiß zu faszinieren, ein stimmiges wie zunächst fremdartiges Gebräu aus Englisch und Chinesisch, den beiden Amtssprachen dieses Universums, welches im alltäglichen Gebrauch gerne auch ein buntes Kauderwelsch ergibt, in das man sich als Zuschauer erst ein wenig einhören muss. Aber die Lebhaftigkeit dieser Welt wird dadurch nur um so mehr unterstrichen und greifbarer.

Der Mensch hat das All besiedelt und sich neue Lebensräume geschaffen, die alte Erde existiert längst nur noch in Erinnerungen, die wenigsten kennen sie wirklich. Aber diese Expansion hat ihren Preis und neue Planeten wollen unter großen Mühen an die menschlichen Bedürfnisse angepasst werden. Analog zur Besiedelung des Wilden Westens braucht es hierzu vor allem Mut, Muskelkraft und Menschen, beseelt vom Pioniergeist. Es herrschen raue Sitten und es gilt das Recht des Stärkeren. Es gibt zwar eine starke Staatsmacht – die Allianz der Vereinigten Planeten – aber die weiter entfernten Planeten, die Außenbereiche ihres Einflussgebietes, stehen nur bedingt unter ihrer Kontrolle und oft sind es Warlords oder größere Verbrecherkonglomerate, die stattdessen ganze Landstriche oder gar Monde beherrschen.
Und in genau diesen Randzonen des besiedelten Universums versucht sich die Besatzung der Serenity – ein kleines, veraltetes Transportschiff der Firefly-Klasse – mit kleineren Diebstählen und Überfällen über Wasser zu halten und gleichzeitig möglichst unter dem Radar der Allianz zu bleiben.

Firefly erschien zu einem Zeitpunkt auf der Bildfläche, als das Science Fiction-Genre im Serienformat (und auch abseits davon) ein wenig müde geworden war und zu sehr im eigenen Saft schmorte - und verpasste dem angestaubten Genre einen gewaltigen Tritt in den Hintern! Wirft Whedon doch kurzer Hand einfach den pseudo-mythischen bis staatstragenden Ballast der Konkurrenz zu Gunsten von Charme, Witz und reichlich Hemdsärmeligkeit ohne zu zögern über Bord und erschafft eine faszinierende Welt voller interessanter und spannender Charaktere.
Und diese sind dann neben dem Setting für mich auch der entscheidende Schlüssel zu meinem Herzen: Alle tragenden Figuren, also überwiegend die Crew der Serenity, sind zwar ein zusammengewürfelter Haufen, aber sie sind wahnsinnig liebenswert geschrieben und herrlich authentisch gespielt. So unterschiedlich sie sind, so gleichberechtigt existieren sie nebeneinander, so einzigartig ist jeder von ihnen für sich.

Es kursiert zwar immer mal wieder das Gerücht, dass sich jemand, möglicherweise Netflix, die Rechte sichern, sich der Serie erneut annehmen und sie zurück auf den Bildschirm bringen würde, aber wenn ich darüber nachdenke, dann bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich das überhaupt noch wollen würde. Jetzt, nach all den Jahren, wo ich die Absetzung verarbeitet habe, da ist die Angst zu groß, der Mythos könnte beschädigt werden. Und auch so lebt er weiter, der Geist der Serenity, in all den Conventions, in Fanprojekten, in Kurzfilmen, in Inside Jokes oder meinetwegen auch durch das Brettspiel. Joss Whedon hat mit Firefly einen ganz eigenen, sehr besonderen Kosmos erschaffen, anders als alles andere, einen Ort, voller wundervoller und liebenswerte Figuren, an den ich immer wieder gern zurückkehre und das auch weiterhin immer wieder tun werde. Und eines ist vollkommen klar: Nathan Fillion ist die coolste Sau unter der Sonne!

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