Game of Thrones-Macher geben zu: Sie hatten keine Ahnung, was sie taten

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Game of Thrones mit Kit Harington und Emilia Clarke
28.10.2019 - 12:10 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Die Game of Thrones-Showrunner D.B. Weiss und David Benioff haben ein längeres Q&A absolviert und spannende Einblicke geliefert - vor allem in ihre eigene Planlosigkeit.
Game of Thrones ist die wohl prägendste Serie dieser Dekade, doch zogen für die Macher mit den letzten beiden Staffeln dunkle Gewitterwolken am Himmel auf: Mehr und mehr Fans kritisieren das stärker angezogene Erzähltempo, bei dem die Entwicklung der Figuren mitunter auf der Strecke blieb - und dabei reden wir noch gar nicht von peinlichen Produktionspannen wie dem Starbucks-Gate.


Ein Q&A, eine Art Fragerunde, mit den Game of Thrones-Showrunnern David Benioff und D.B. Weiss dürfte nun neues Öl ins Feuer der Kritiker gießen. Am vergangenen Wochenende sprachen die Macher erstaunlich offen über ihre Überforderung mit den Anfängen der Serie sowie über ihre Beratungsresistenz.

Das auf Twitter  festgehaltene Protokoll des Gesprächs solltet ihr jedoch mit Vorsicht genießen, da es von einem Fan-Account stammt. Häufig ist unklar, wo paraphrasiert wurde und wo die Aussagen der Showrunner direkt wiedergegeben wurden. Zudem gibt es derzeit keine Vergleichsquellen. Wir müssen uns also auf die Wahrnehmung des Gesprächs durch einen Beobachter verlassen.

Die Game of Thrones-Macher waren nicht vertrauenswürdig

In der Planungsphase zu Game of Thrones war ein Treffen von Benioff und Weiss mit dem Game of Thrones-Urvater George R.R. Martin unvermeidlich. Dieser testete sogleich die Integrität der Autoren, welche aufgrund mangelnder Erfahrung zu diesem Zeitpunkt angeblich aber gar nicht vorhanden war:

Wir hatten noch nie Fernsehen gemacht und wir hatte keine [Vetrauenswürdigkeit]. Wir haben keine Ahnung, warum er uns sein Lebenswerk anvertraut hat.
Game of Thrones mit Maisie Williams

Entsprechend kritisch beurteilen die Showrunner auch die Pilot-Episode von Game of Thrones. Den ersten Entwurf legten sie dem späteren Chernobyl-Autor Craig Mazin vor, der anmerkte, das Skript bestehe aus "grundlegenden Fehlern". Bis heute rätseln Benioff und Weiss, warum die Serie nach dem Pilot grünes Licht bekam. Sie vermuten, es hatte damit zu tun, dass Game of Thrones bereits in andere Länder verkauft war. Dennoch:

Wo immer wir Fehler machen konnten, haben wir es auch getan.

Davon betroffen waren angeblich alle Aspekte vom Casting zum Drehbuch bis hin zu den Kostümen. Weiss fasst den schwierigen Lernprozess anschaulich zusammen, indem er Game of Thrones als teure Filmschule für die Showrunner bezeichnet.

Chaos bei Game of Thrones: So überfordert waren die Showrunner

Zwei Monate bevor der Pilot von Game of Thrones Premiere feierte, warteten die Episoden der 1. Staffel lediglich mit einer Laufzeit von durchschnittlich 39 Minuten auf. Um ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber HBO zu erfüllen, mussten Benioff und Weiss daher kurzfristig 100 zusätzliche Minuten schreiben und abdrehen lassen.

Dieser Stress brachte für die Autoren aber auch wichtige Erkenntnisse mit sich, denn durch die neuen Szenen lernten sie immerhin die Figuren der Geschichte viel besser kennen. Abseits dessen legten sie großes Vertrauen in die Darsteller, die enorm dabei halfen, ihren jeweiligen Seriencharakter überhaupt erst zu definieren.

Bei allen Schwierigkeiten, die ohnehin schon bestanden, haben sich die Macher ihre Aufgabe aber anscheinend zusätzlich erschwert. So wollte HBO laut Benioff weitere Autoren zu engagieren, doch das Duo "wusste es nicht besser" und blieb daher zunächst für sich. Schließlich wurde dann doch Assistent Bryan Cogman für vier Episoden ins Boot geholt.

Game of Thrones: Fantasy-Fans und Kritiker müssen draußen bleiben

Als Benioff und Weiss ihre Serien-Idee bei HBO vorstellten, war von Anfang an klar, dass viele Fantasy-Elemente ausgemerzt werden sollten, um möglichst viele Zuschauer zu erreichen, anstatt nur ein naturgemäß kleineres Genre-Publikum zu bedienen. Weiss wollte "diese Art von Fan nicht ansprechen."

Game of Thrones: Peter Dinklage als Tyrion Lannister

Den Machern ging es auch nicht darum, mit aller Kraft die Elemente der literarischen Vorlage in der Serie zu bündeln oder auch nur zu verstehen. Der Umfang von Martins Büchern sei einfach zu groß und so habe man sich auf einzelne Szenen konzentriert, die herausgepickt wurden. Die Serie sollte von Macht handeln.

Interessant ist speziell nach dem kontroversen Finale von Game of Thrones eine weitere Einlassung der Verantwortlichen: Gemäß Weiss sei das Feedback der Fans zu keinem Zeitpunkt berücksichtigt worden. Er persönlich sieht keinen Wert darin, sich mit den Reaktionen anderer auf seine Kunst zu befassen. Immerhin inspirierte offenbar eine Fan-Seite im Internet die Entscheidung, Jason Momoa als Khal Drogo zu casten.

Wie Game of Thrones doch noch auf Kurs gebracht wurde

All diese Enthüllungen mögen jetzt mehr oder weniger schockierend klingen, denn Tatsache ist ja: Game of Thrones stieg am Ende doch noch zu einem popkulturellen Phänomen auf, das seinesgleichen sucht und zuletzt praktisch niemanden mehr kalt ließ.

Hier könnt ihr Staffel 1 - 7 von Game of Thrones sehen:
  • Die ersten sieben Staffeln von Game of Thrones könnt ihr euch derzeit via Sky Ticket  ansehen.

Wie es so weit kommen konnte, deuten Weiss und Benioff im Interview nur an. Ein wichtiger Baustein des Erfolgs war aber, den Kern der Crew zusammenzuhalten - sobald dieser sich erst einmal geformt hatte, versteht sich. Zumindest bei den Schlachtszenen war dies ein essentieller Faktor, wie die Showrunner betonen.

Seid ihr überrascht von den Geständnissen der Game of Thrones-Macher?

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