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Aufreger der Woche

Einmal Brad Pitt für 3232 Dollar, bitte

26.05.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Money Talks
© UPI/moviepilot
Money Talks
Pfingsten steht vor der Türe. Für gläubige Menschen wichtige Tage, für andere Zeit zum Ausspannen. Gäbe es nicht diese unzähligen Meldungen, die einen ganz wuschig machen. Da muss vor den Feiertagen Frust abgebaut werden.

Immer wieder gibt es kuriose Ereignisse. Bayern gewinnt als besseres Team nicht das Finale dahoam, Russland schickt ein paar Omas vom Lande zum European Song Contest nach Baku und der Jurist Peter Altmaier wird Bundesumweltminister. Als ob das alles noch nicht genug wäre, erreichte uns die vergangenen Tage eine Nachricht aus Südfrankreich, bei der heftiges Kopfschütteln angesagt ist.

Der Aufreger der Woche handelt von der Interviewabzocke in Cannes.

Stars für Geld
Das Festival in Cannes lockt Jahr für Jahr zahlreiche Filmschaffende nach Frankreich. Die Stadt quillt in dieser Zeit beinahe über vor Glamour, kein Schritt ist möglich, ohne über einen Prominenten zu stolpern. Eine solche Stardichte bedingt natürlich ein gesteigertes Interesse an der Berichterstattung. Hier mal ein Interview mit Milla Jovovich, dort mal eines mit Kristen Stewart, ein kurzer Plausch mit dem Beau Brad Pitt – so wünschen es sich die Pressevertreter vor Ort. Dass das nicht funktioniert, ist jedoch auch klar. Entweder versuchen die anwesenden Journalisten, ihre Fragen während einer anberaumten Pressekonferenz anzubringen, oder aber sie haben Glück, und werden für ein Vieraugengespräch erwählt. Doch wie werden die Plätze im Konferenzraum oder die Kandidaten für Einzelinterviews ausgewählt? Wie überall auf der Welt scheint auch hier nur eines zu zählen: die Knete.

Kostenabwälzung
Offenbar ist es gang und gäbe, dass sich Stars ihre Auftritte bezahlen lassen. Okay, es ist ihr Job, sie haben Ausgaben für Kleidung und Make-up. Wir bekommen ja auch Geld für unsere Arbeit (auch wenn Schauspieler Gagen von mehreren Millionen erhalten und wohl nicht am Hungertuch nagen würden, wenn sie ihre Auslagen nicht zurückbekämen). An dieser Stelle setzt dann ein Marketingkreislauf ein: Die Forderungen der Promis werden vom Produzenten an die Verleiher weitergereicht. Die verbuchen das unter Vermarktungskosten und teilen es unter sich auf. Passt soweit auch noch, schließlich arbeitet keiner in der Branche für eine Handvoll Erdnüsse. Dreist ist jedoch, dass die Medien nun Teil des Marketingkreislaufs werden sollen, und zwar dadurch, dass sie (!) für Interviews zahlen sollen. Konkret bedeutet das, dass für ein 20minütiges TV-Interview mit Brad Pitt die hübsche Summe von 3232 Dollar fällig ist! Für ein Gespräch mit Twilight-Sternchen Kristen Stewart müssen immer noch saftige 1293 Dollar hingeblättert werden!

Doppelte Belohnung
Die Pressenleute sollen für ihre Arbeit also bezahlen, während Stars und Industrie doppelt belohnt werden: Sie bekommen Kohle UND öffentliche Werbung. Anscheinend ist dieses Vorgehen nicht neu. Schon 2007 wollte Harvey Weinstein in Cannes die Presse schröpfen, indem er 1500 Dollar für ein Interview mit Quentin Tarantino verlangte. Dieses Jahr trieb es die kanadische Produktionsfirma Alliance jedoch auf die Spitze und gab eine Preisliste aus. Was möchten sie bestellen? Einmal Brad Pitt für 20 Minuten? Das macht dann bitte 3232 Dollar, bitte.

Für die Floskeln, die die meisten Stars absondern, soll nun also geblecht werden. Natürlich wird die Filmindustrie bestreiten, dass dieses Vorgehen normal sei und auf „Einzeltäter“ verweisen. Es ist davon auszugehen, dass das jedoch nicht die Wahrheit ist. Es ist der Versuch, den Geldbeutel durch die zweifelhafte Praktik der gekauften Audienz bei den heiligen Stars zu füllen. Bisher scheinen die Medien sich dagegen zu verwehren. Es ist allen zu wünschen, dass sie standhaft bleiben.

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