Ein "emotionaler K.O.": A Star Is Born hat Kritiker fest im Griff

A Star Is Born
© Warner Bros.
A Star Is Born
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You want it darker, we kill the flame.

Singen und lieben ist bei A Star Is Born angesagt. Die berühmte Geschichte einer Romanze, die am Showgeschäft zerbricht, bekam von Regie-Debütant Bradley Cooper eine Frischzellenkur verpasst und startet am heutigen Donnerstag in den Kinos. Cooper übernahm außerdem eine der beiden Hauptrollen - er spielt den alkoholabhängigen Rocker Jackson Maine, dessen Karriere im Niedergang begriffen ist. Zwischen ihm und der aufstrebenden Musikerin Ally (Lady Gaga) entflammt eine Romanze, wobei Ally sich bald mit einem Zwiespalt konfrontiert sieht: Einerseits gilt es, ihren eigenen Weg als Künstlerin weiter zu verfolgen, andererseits möchte sie für Jackson da sein.

Die bisher veröffentlichten Clips zu A Star Is Born sorgen bereits für Gänsehaut pur, in Venedig provozierte das Drama Begeisterungsstürme und am heutigen Donnerstag startet die Romanze hierzulande endlich in den Kinos. Bevor wir aber die Meinungen der Kritiker unter die Lupe nehmen, schauen wir auf die ungeschönten moviepilot-Zahlen:

Die harten Fakten zu A Star Is Born

  • 33 Community-Bewertungen mit einem Durchschnitt von 7,3
  • 16 Kritikerbewertungen mit einem Durchschnitt von 7,0
  • 0 x Lieblingsfilm und 0 x Hassfilm
  • 259 haben sich den Film vorgemerkt, 7 sind nicht interessiert

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu A Star Is Born

Owen Gleiberman von Variety kann seine Gefühle kaum im Zaum halten:

Als Regisseur begibt sich Bradley Cooper direkt aufs Hochseil und inszeniert Szenen, die sich Zeit nehmen und sich mit einer zotteligen Intimität abspielen, die der üblichen 'Rhythmen' beraubt ist. Der neue 'Star Is Born' ist ein totaler emotionaler K.O., aber es ist auch ein Film, der dich mit jedem Schritt dazu bringt, an den komplexen Rausch der Geschichte zu glauben, welche er erzählt.

Peter Travers zieht bereits in der Überschrift seiner Rolling Stone-Kritik die Bilanz: Cooper und Lady Gaga treffen die richtigen Töne. Vertiefend schreibt er:

Cooper richtet ein angestaubtes Genre durch die vollständige Integration von Story und Song auf. Und der Film gewinnt an begrüßenswerter Authentizität durch die Live-Aufnahmen der Lieder, Solos und Duette im Rahmen verschiedener Musikfestivals wie Coachella und Glastonbury. [...] Die instinktgesteuerte Hingabe des Regisseurs an den Stoff scheint sogar dann durch, wenn der Film gefährlich in flache Rührseligkeit abdriftet.

Der New York Post-Autor Johnny Oleksinksi war der Magie der Darsteller restlos ausgeliefert:

Die auf das Wesentliche reduzierte, ungeschminkte Gaga und der ebenso nicht wiederzuerkennende Cooper besitzen [Leinwand-]Chemie. Der Schauspieler ist absolut charmant und gequält als Jackson - die umgängliche Sorte von Musiker, der jederzeit eine Dusche vertragen könnte. Jackson strauchelt, während Ally aufsteigt, und der Zerfall ihrer einst unschuldigen Beziehung ist schmerzlich anzusehen. Haltet die Taschentücher bereit.

Das halten die deutschsprachigen Kritiker von A Star Is Born

Andreas Borcholte findet das Remake in seiner Spiegel Online-Kritik nicht besonders fortschrittlich:

In dem Moment, wo es also interessant wird und etwas Neues, zum Beispiel über den Kampf weiblicher Künstlerinnen um Selbstbestimmung erzählt werden könnte, stiehlt der Regisseur seiner Protagonistin so gut wie jede Szene - bis hin zu einem Auftritt bei den Grammys, wo er ihr buchstäblich in die Parade pisst. Selbst im tragischen Finale sorgt er dafür, dass sein kaputt-romantischer Rock'n'Roll-Mythos wie ein Schatten an ihrer künftigen Karriere haften bleibt.

Rabea Weihser von Zeit Online ist elektrisiert von Lady Gaga und Bradley Cooper:

Es ist nicht leicht einzufangen, was sich entlädt, wenn zwei Menschen, die sich einig sind, zusammen Musik machen. Und noch schwieriger ist es, das als Schauspieler vorzutäuschen. Telepathische Funken, blindes Verständnis, das Gefühl instantaner Geborgenheit, die Angst, dass beim nächsten Harmoniewechsel alles vorbei sein könnte, Takte flüchtigen Glücks. Ganz offensichtlich mussten Cooper und Lady Gaga diese Elektrizität nicht künstlich herstellen, sie war einfach da. Und sie ließ sich auf der Leinwand ohne Weiteres umwandeln in das Knistern zwischen zwei Verliebten. Ein Vergnügen, dabei zuzusehen. Sofort würde man mit ihnen eine Woche im Tourbus verbringen.

Dietmar Dath berichtet bei der Frankfurter Allgemeinen von einem Kino-Wunder:

Die Chemie oder Elektrizität oder wie man den heiligen Hokuspokus sonst nennen soll, ohne den Liebe nicht leben kann, taucht diesen Film in Farben, die glaubhaft machen, dass hier zwei erwachsene Menschen überhaupt zum ersten mal lieben, obwohl sie als Figuren ja Echos aus anderen Filmen sind, also das Gegenteil von 'zum ersten mal', im Fall des Mannes sogar verschärft zum Maximum des Erwachsenseins, das einem Country-Rock-Helden zusteht: Totalkaputtheit. Das Paradox einer ersten Liebe unter Nichtkindern, Erfahrenen und Illusionslosen verwirklicht sich als Regiedebüt, das wie das Gipfelwerk eines alten Hasen wirkt – als Remake, das kein Vorbild braucht.

Kritiker-Fazit zu A Star Is Born

Bei A Star Is Born fallen die deutschen Kritiker etwas aus der Reihe. Während nämlich im englischsprachigen Raum negative Besprechungen zum Film selten sind wie Wasser in der Wüste, präsentieren sich die Rezensenten hierzulande zumindest teilweise vergleichsweise nüchtern. Sie bemängeln vor allem, dass es Bradley Cooper nicht gelungen ist, der Geschichte einen zeitgemäßen, emanzipatorischen Anstrich zu verpassen. Überwältigende Einigkeit besteht indes über die herausragenden Leistungen der beiden Hauptdarsteller und ihre Harmonie vor der Kamera. Ebenso gefeiert werden Coopers einfühlsame Inszenierung und der Soundtrack. Insgesamt rät euch kaum ein Kritiker ernsthaft von A Star Is Born ab.

Werdet ihr euch A Star Is Born von Bradley Cooper im Kino ansehen?

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