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Olli Dittrich wird 60

Dittsche - Die absurdesten Theorien des Bademantel-Philosophen

Dittsche
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Dittsche
20.11.2016 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Zum 60. Geburtstag von Olli Dittrich entführen wir euch auf einen philosophischen Exkurs mit seiner langlebigen Figur des Dittsche.

Mahlzeit! Wann immer ein mit Fettfrisur, Aldi-Tüte, Leergut und natürlich ikonisch-gestreiftem Bademantel ausgestatteter Arbeitsloser die Eppendorfer Grillstation im Hamburger Stadtteil Hoheluft-West betritt, weiß ein jeder: Es ist Zeit für Dittsche - Das wirklich wahre Leben. Die improvisatorische, komödiantische Live-Sendung läuft bereits seit deutlich mehr als zwölf Jahren im WDR und befindet sich derzeit mitten der Ausstrahlung ihrer 25. Staffel.

Mit Dittsches allmählich in die Jahre gekommenem "Weltmantel" alterte auch sein realer Träger in der Zwischenzeit. Zwar sind an ihm noch keine bedrohlich schwarzen Ränder, wie jüngst am Kragen des Stoffreliktes, zu erkennen, aber immerhin bringt es Schauspieler Olli Dittrich (Die Relativitätstheorie der Liebe) mit seinem heutigen Geburtstag bereits auf 60 Jahre Lebenserfahrung.

Aus diesem Anlass machten wir uns auf die Suche nach einigen der absurdesten Theorien seines Bademantel-Philosophen Dittsche, der sich stets aufs Neue mit 'nem perligen Hobel Bier als Alltagsphilosoph behauptet und Imbisswirt Ingo (Jon Flemming Olsen) und den stillen, an der Säge im Baumarkt arbeitenden Stammgast Schildkröte (Franz Jarnach) in der Muggelbude mit seinen neusten Ideen beglückt.

Dittsches gesundheitsphilosophischer Clou

Ganz unbewusst präsentiert sich der Mann mit der "Schumilette" (Schlappen mit enormer Bodenhaftung, dem einstigen Formel 1-Ferrari Michael Schuhmachers gleich) zunächst als Sprachphilosoph par excellence. Seine Wortgewandheit aus mannigfaltigen Neologismen stellt die vielfach gepriesene Vielfalt an jugendlichen Wortneuschöpfungen gekonnt in den Schatten. Schulden bezeichnet er als Antimaterie, was dem Begriff eine vollkommen neue, geradezu kosmologische Tiefe verleiht, die Stephen Hawking (Eine kurze Geschichte der Zeit) frohlocken lassen könnte. Sich hinziehende Koalitionsverhandlungen werden zu Koalationsverhandlungen, welche die politische "Hängepartie" als animalischen Akt entblößt und genetische Zwillinge fusionieren mit dem Reich der Mathematik, indem er sie kurzerhand als "geometrische Zwillinge" bezeichnet. Sprache als grenzüberschreitender, transdisziplinärer Austausch. Näher waren wir der Weltformel nie. Dem WDR ist diese Wortfinesse sogar ein eigenes Dittschenary  wert.

Voraussetzung für solch energische Höhenflüge aber sei die Gesundheit, die zu Glück und Leistungsfähigkeit führt. Schon Arthur Schopenhauer war sich sicher: "Besonders überwiegt die Gesundheit alle äußeren Güter so sehr, daß wahrlich ein gesunder Bettler glücklicher ist, als ein kranker König." Ob er allerdings Dittsches eigensinniges Hausmittel zu sich nahm, kann nicht mehr endgültig geklärt werden. Sein Wunderelixier aus Tütensuppe und Brühwürfel schützt den Dauerberufslosen, dessen Quell seiner Geistesblitze überwiegend im intensiven Studium der Bild-Zeitung zu finden ist, nach eigenen Angaben in der kalten Jahreszeit vor Infekten.

Seine Poren-versiegelnde Zwei-Tage-Kur beginnt in einem warmen Bad in der Hühnersuppe (nicht abduschen!), in dem er, um Krankheiten auch von innen entgegenzuwirken, einen Brühwürfel schluckt. Eine feucht-salzige Impfung quasi.


Ob seine Präventivmaßnahme gegen diverse Krankheitserreger es allerdings auch mit der "asiatischen Buschmügge" aufzunehmen vermag, immerhin Überträger des West-Nil-Virus sowie diverser Enzephalitis-Viren, darf bezweifelt werden.

Darwin mal anders

Dazu, von welchem Tier das auch inzwischen hierzulande nachgewiesene Insekt mit der "angeflanschten Doppelmuffe" abstammt, hat Dittsche jedenfalls seine ganz eigene Evolutionstheorie: vom Elefanten! Es scheint auf der Hand zu liegen: Beide Lebewesen sind mit einem Rüssel ausgestattet und die großen Ohren des Elefanten, so das Gedankenkonstrukt, hoben das tonnenschwere Säugetier einst Mücken-gleich in die Lüfte. Was wohl Evolutionspapst Charles Darwin dazu sagen würde?


Als Folge einer konsequenten Evolution könnten im Alltag zu findende Hybride aus Mensch und Roboter einen nächsten Schritt bedeuten. Möglicherweise wird sich sogar Friedrich Nietzsches untheoretische Konzeption des Übermenschen als eine von Menschen geschaffene, ironische Manifestierung dessen herausstellen. Oder sind sie schon unter uns?

Dittsche zeigt sich überzeugt: ja! In Form von so genannten "Keiborchs", ähnlich Arnold Schwarzeneggers "Terminader". Eine Entdeckung, die weitreichende Konsequenzen im Feld der Ethik nach sich ziehen müsste - wie etwa mit ihnen umgehen bei Gesetzesverstößen? Unser Bild-Philosoph ist sich ihrer Existenz sicher und liefert einen unanzweifelbaren Beweis. Als Michael Schuhmacher noch als Formel 1-Pilot an den Start ging, erlebte er einen Unfall mit annähernd Hochgeschwindigkeit. Dass er quasi mit nur geringen Verletzungen aus dem Gefährt stieg, sei eindeutiger Beweis für die Existenz der Maschinenmenschen. Seine Theorie besagt: Schuhmacher steuerte den PS-starken Boliden aus der Box per Joystick. Damit keiner der Zuschauer vor Ort den Abtransport des falschen Rennfahrers realisiert, engagierten die Verantwortlichen kurzerhand Siegfried des Magierduos Siegfried & Roy, der ihn aus der Wahrnehmung des Publikums hinwegzauberte, was damit sogar die Grenzen der philosophischen Disziplin der Erkenntnistheorie berühren würde.


Die Verhinderung der Klima-Katastrophe: Enten!

Während die Philosophie heutzutage allerdings eher ein Hinterstübchendasein fristet, war sie einst zu Recht imstande und angehört, dem Menschen zum Pfad der Glückseligkeit zu verhelfen - Aristoteles' Mesotes-Lehre, dem Auffinden der "goldenen Mitte" zwischen den Extremen Übermaß und Mangel, stellt hierbei eine der bekanntesten Schriften dar.

Wäre da nicht Dittsche.

Denn er hat dem eigenen Bekunden nach die Lösung für eine der größten Herausforderungen der Gegenwart gefunden: der Klimawandel. In Zeiten, in denen große Namen, wie Ex-US-Vizepräsident Al Gore (Eine unbequeme Wahrheit) und Leonardo DiCaprio (Before the Flood) auf die möglichen, dramatischen Folgen und damit unser Handeln appellieren, wird unserer Reanimator der Philosophie als Entenvater aktiv.

Seine Idee: Enten aufziehen, sie vor einem Ende als Festtagsessen bewahren und somit das Klima retten. Denn "wer länger lebt, isst auch länger", wodurch die Vögel dicker würden und einen größeren Schatten würfen. Ergo fungieren sie als Kühlung für die Erde. Die Klimaerwärmung geht zurück. Vielleicht lassen sich so immer stärker werdende Wetterextreme aufhalten, denn Wind etwa, so Dittsche, sei schließlich "Luft durch Wärme mal Geschwindigkeit." Denkt mal drüber nach.


Das ist gelebte, praktische Philosophie. Mögen noch viele weitere Jahre mit Dittsche und seinem brillanten Darsteller vor uns liegen. Alles Gute zum 60. Geburtstag, Olli Dittrich!

Was sind eure Gedanken zu Dittsche?

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